Munich School im Hopfenmuseum

Hinter dem Begriff „Munich School“ stehen zwei Künstler, Jerry Zeniuk und Ingrid Floss, die auch privat Lebenspartner geworden sind. Für sie ist Malen mit Farbe die künstlerische Herausforderung, sehen sich analog zur „New York School“ mit großen Farbkünstlern wie Rothko.

Bericht von Eduard Kastner, April 29, 2019

Alle Bilder sind abstrakt. Bei Jerry Zeniuk sind es Farbpunkte auf brauner Leinwand, deren Struktur meist noch sichtbar ist. Um die Farbpunkte finden sich weiße Felder als rudimentäre Vorbehandlung der Leinwand. Es kann aber auch die ganze Leinwand weiß gestrichen sein, so wie alle Maler ihre Gemälde beginnen. Jerry Zeniuk hat sich mit den Farbpunkten ein Erkennungsmerkmal seiner Werke geschaffen und daran wird sich auch nichts mehr ändern.

Bei Ingrid Floss gibt es keine einheitliche Formensprache, aber auch den Dialog zwischen Farbflächen, die in der Regel eng beieinander stehen. Diese Bilder vermitteln viel Kraft. Jedes ist aus der Intuition geboren, jedes ein Experiment. Manchmal braucht Ingrid Floss 20 Vorgänger bis endlich alles perfekt miteinander korrespondiert. Jerry Zeniuk hat sie geprägt. So passen die Bilder in einer Ausstellung gut zusammen, was bei Künstlerpaaren die große Ausnahme darstellt.

Eine große Ausstellung

Seit letzter Woche ist die Munich School-Ausstellung im Dt. Hopfenmuseum eröffnet. Auch der Laie erkennt sofort, dass dies eine ganz große Ausstellung ist, wie sie dort nicht oft zu sehen ist. Damit feiert der Veranstalter 30 Jahre seiner Fördergalerie. Die beiden haben auch schon früher in Wolnzach ausgestellt: Jerry Zeniuk 2002 und Ingrid Floss ein paar Jahre danach, jeweils eine Einzelausstellung. Beiden haben sich seitdem deutlich gesteigert, obwohl schon damals Zeniuk als einer der ganz großen Künstler der Münchner Akademie galt. Seine Werke zierten Kirchen und öffentliche Räume in ganz Europa. Ingrid Floss wurde in den letzten Jahren mit Ausstellungen in Landshut und Rosenheim berühmt. Sie wurden im Bayerischen Rundfunk kommentiert. Und nun also Wolnzach. Ohne die Beziehungen aus der Vergangenheit wäre das nicht mehr möglich.

Die Bilder Zeniuks können sich heute nur noch reiche Kunstliebhaber und Sammler leisten. Das ist auch den begrenzten Werken des heute 73-jährigen geschuldet. Bei Ingrid Floss finden wir noch erschwingliche Preise, so dass sich die Begeisterung der Vernissage-Besucher auf Kaufüberlegungen bei ihren Bildern lenkte. Eine gute Ergänzung. Eine Ausstellung soll ja kein Museum ersetzen. Die Bilder werden bis Ende Mai zu sehen sein. In dieser Zeit weilen die  beiden Künstler in den USA, wo Zeniuk aufwuchs. Auch dort wird eine Ausstellung der beiden eröffnet. Der Transport der Bilder über den Ozean kommt sehr teuer. Die „Munich School“ wird dort geadelt.

Besondere Farbwelten in Oberbayern

Zur Ausstellung hat Ingrid Floss ein Buch verfasst, in dem ihre und Zeniuks Arbeiten in Bezug zu anderen großen Schulen wie die „Blauen Reiter“ stellt und erklärt: „ein Text für die Malerei, die Farbe und die Bäume“. In Oberbayern herrsche, so Floss, ein besonderes Licht, das die Farbwelten inspiriert, vergleichbar mit Südfrankreich und den Impressionisten. So etwas lieben Kunsthistoriker. Zumal die beiden bereits Teil der Kunstgeschichte geworden sind. Dies offenbart sich dem Besucher der Ausstellung sehr schnell, auch ohne das Buch gelesen zu haben. Es ist im Verlag Kastner erhältlich. Auch ein „Fußabtritt“ in der Kunstgeschichte, der Wolnzach mit der ganzen Welt verbindet. Bei der Gründung der WA-Galerie 1989 war dies nicht vorhersehbar. Jerry Zeniuk wünschte sich bayerische Musik zur Vernissage, um seine Verbundenheit mit seiner Wahlheimat Bayern zu bestärken. So kamen die besten aus der Hallertau auf die Bühne: Michael Eberwein und seine Dellnhauser.