Museum mal anders

Das Wolnzacher Hopfenmuseum leistet mit seinem Ferienprogramm für Kinder seit über zehn Jahren einen wertvollen Beitrag für deren Entwicklung und Bildung.

Bericht von Michael Urban, August 21, 2018

Wer sagt, ein Museum hätte „nur“ kulturellen Wert, der hat das Ferienprogramm für Kinder des Wolnzacher Hopfenmuseums noch nicht erlebt. Am 16. und 17.8. gab es nämlich nicht nur Geschichten, Maschinen und Bilder in geschlossenen Räumen, sondern auch eine volle Ladung Natur und Geselligkeit für die 20 teilnehmenden Kids. Und natürlich die versprochene „Nacht im Museum“, die dem Programm seinen Namen gab. Seit mindestens zehn Jahren existiert die Initiative, für die sich Museumsleiter Dr. Christoph Pinzl auch dieses Jahr gerne einsetzt, um das Landleben in der Hallertau und das Thema Hopfen erlebbar zu machen.

Volles Programm

Vom Bahnhof wurden die Kinder am Donnerstag ganz nach der alten Schule mit dem Schlepper abgeholt, nahmen dabei schon den sich langsam in der Hallertau verbreitenden Hopfenduft auf. Erste Station war ein Kartoffelfeld. „Kartoffel klauben“, sich die Finger schmutzig machen war angesagt. Derart eingestimmt schnupperte die Gruppe im Museum der 1000-jährigen Kulturgeschichte des Hopfens nach. Nach einer kleinen Einführung rund um die Hopfenernte ging es wieder raus aufs Land. Im Zuge der nahenden Abenddämmerung wurde ein Lagerfeuer entzündet, welches Stockbrot buk und die vorher gesammelten Kartoffeln garte. Wenig später gesellte sich Musiker Ritsch Ermeier zur Runde und ermunterte die Kinder, in lustige Hopfenzupferlieder einzufallen. Das Abenteuer endete mit einer Nachwanderung zurück zum Museum, wo zwischen Vitrinen und alten Maschinen das Nachtlager aufgeschlagen wurde. Am Freitagvormittag tuckerte die Gruppe raus aufs Hopfenfeld. Gepflückt wurde mit der Hand, bis eine letzte Tour auf dem Anhänger des Schleppers die Zeitreise ausklingen ließ.

„Wie es früher war“

„Wir sind ein Museum – wir wollen darstellen, wie es früher war“, fasste Pinzl die Motivation hinter dem Ferienprogramm zusammen. So sollen die Kinder „auf angenehme Weise“ erfahren, wie hart und mühsam die Arbeit mit dem Hopfen früher war, wieviel Wert jede einzelne Dolde hatte. „Da kriegt man einen ganz anderen Eindruck von den Dingen im Gegensatz zu heute, wenn eine Maschine in kürzester Zeit unheimlich viel Material ‚rausballert‘“, so Pinzl. Kleine „Erleuchtungen“ gab es für die Kids in den zwei Tagen immer wieder. „Die Kinder kennen das ja alles gar nicht mehr, dass Kartoffeln zum Beispiel im Feuer gar werden“. Vor allem das Hopfenherunterreißen der Hopfenreben habe sie beeindruckt. „Das wurde früher mit der Hand gemacht“, schmunzelte Pinzl, „die kräftigsten Hünen waren da am Ende des Tages platt.“

„Schee war’s. Die Kinder werden immer fleißiger habe ich das Gefühl. Jetzt haben sie eine Art Wettbewerb beim Hopfenzupfen draus gemacht. Irgendwann haben sie mal von selber das Singen angefangen. Zwar nicht mehr die alten Weisen wie vor 40 oder 50 Jahren, jetzt singen sie halt was anderes.“

Christoph Pinzl

Was blieb hängen?

Die Erfahrungen der Kids sind so vielfältig wie das Programm der zwei ereignisreichen Tage. Dem achtjährigen Alexander zum Beispiel blieb das Hopfenzupfen gut in Erinnerung: „Es war ziemlich warm und von der Kraft her anstrengend.“ Mit Landwirtschaft und Natur habe er normalerweise nicht so viel zu tun, das alles sei neu für ihn gewesen. „Ein bisschen was kann ich schon mitnehmen.“ Die 12-jährige Natalie wollte auf den Spuren ihrer Oma wandeln: „Die hat auch schon Hopfen gezupft… Ich wollte mal wissen, wie das so ist. Ich finde das ganz spannend.“ Marlen (ebenfalls 12 Jahre alt) fand es lustig, mit dem Traktor an modernen Geschäften vorbeizufahren. Das Hopfenzupfen habe ihr gefallen, weil man zusammen gearbeitet hat. Anna-Lena (11) und Marlen waren sich einig, welch einen Fortschritt Maschinen darstellen. „Wir haben zu viert eineinviertel Stunden für einen ganzen Korb Hopfendolden gebraucht, das war echt anstrengend“, erzählt Anna-Lena. „Früher mussten die Kinder in der Landwirtschaft noch mitarbeiten“, sagt Marlen. „Da schätzt man es schon, dass man jetzt Maschinen hat und in die Schule gehen darf. Man hat heutzutage richtigen Luxus.“

„Oiso, mir hod guad g’foin, dass ma Kartoffe’n [aus dem Boden] raus do ham und am Feid’l Kartoffe‘n g‘art ham. D’Nachwanderung hod ma a guad g’foin. Überraschend war für mi nix, weil ich soiche Sachan öfters mach‘. Mia ham dahoam a Landwirtschaft.“

Lorenz (10 J.)