Nahles besucht die Schnüffler

Eine Kurzvisite stattete die SPD-Bundesvorsitzende Andrea Nahles kürzlich der Pfaffenhofener Kleiderkammer und dem Hopfen-Zentrum von Johann Brenner im Pfaffenhofener Stadtteil Eja ab.

Bericht von Alfred Raths, September 21, 2018

Der bekennende Audi-Fan Andrea Nahles fuhr mit einer königsblauen Limousine der Ingolstädter Autobauer am Pfaffenhofener Hauptplatz vor. Übrigens ein Erkennungsmerkmal, wenn sich in der Bundeshauptstadt anlässlich eines Empfanges die Staatskarossen an aneinanderreihen. Außer der sozialdemokratische Frontfrau sind jene nämlich nur in der Farbe Schwarz zu sehen.

Zwischen der Kleiderkammer und der Causa Maaßen

Dass Nahles sich in derart politisch turbulenten Tagen sozusagen eine Auszeit nahm, darf schon als bemerkenswert gelten. Vielleicht hoffte sie insgeheim auch auf die den Organismus beruhigende Wirkung des Hopfens. Wie auch immer, der Pfaffenhofener SPD-Kreisvorsitzende Markus Käser, freute sich sichtlich darüber, dass Nahles seine bereits vor Monaten ausgesprochene Einladung angenommen hat. Zwei weitere, für Termine in Bayreuth und Fürth ließ sie zugunsten von Pfaffenhofen platzen. Einer guten Partei-Arbeit im Landkreis sei es geschuldet, so Pfaffenhofens Bürgermeister Thomas Herker (SPD), dass Nahles sich für Pfaffenhofen entschied: „Wir haben in den letzten zehn Jahren 50 Prozent Mitgliederzuwachs im Ortsverein Pfaffenhofen; das gibt es in ganz Bayern nicht.“ Und das habe sich bis nach Berlin herumgesprochen.

An ihrem Besuchstag zur ersten Station, der Pfaffenhofener Kleiderkammer, reiste sie von München an, wo sich Nahles zuvor mit den Spitzen-Vertretern der bayerischen SPD, Natascha Kohnen und Markus Rinderspacher, im Landtag getroffen hatte um dort unter anderem über bezahlbaren Wohnraum und frühkindliche Bildung zu sprechen. Viel mehr interessierte aber insbesondere die Pressevertreter ihre Ansicht zu vereinzelten Forderungen auch aus der eigenen Partei nach einem Ende der großen Koalition und die Causa Maaßen. Es gebe „einzelne Stimmen, die sich da laut zu Wort gemeldet haben“, sagte Nahles nach ihrer Beratungsrunde mit der Bayern-SPD. Und es gebe jetzt einen Konflikt, „der niemandem hilft.“ Von einer Austrittswelle aus der Partei sei ihr nichts bekannt. Für vollkommen unverständlich hält Nahles das Verhalten von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), was sie auf der Fahrt im Bus nach Eja auch deutlich artikulierte.

Lob für Käsers Genossenschafts-Initiative

Lob indes bekam von der SPD-Chefin Käsers Genossenschafts-Initiative zum Wohnungsbau: „Das ist vielleicht ein echter Ausweg. Da sind halt keine Gewinninteressen im Spiel. Momentan, wo die Zinsen auch so niedrig sind, wird mit Immobilien total spekuliert.“ Normalverdiener wohnten sich arm, weil die Mieten stärker steigen als die Löhne.

In Eja angekommen, ließ sich Andrea Nahles von Johann Brenner rundum über den Hopfen informieren und steckte dabei auch ihre Nase in die frischen, aromatischen Hopfendolden, die sie zuvor fachgerecht zwischen ihren Fingern zerrieb. Obwohl sie ja selbst bekannte: „Da bin ich keine Expertin, das ist vollkommen neu.“ Auf die launige Bemerkung eines Begleiters, es handle sich bei den Dolden dabei um die „bayerische Droge“, scherzte Nahles zurück: „Ihr seid alle Schnüffler!“

Erstmals kam sie somit an diesem Nachmittag dem Cannabis-Verwandten selbst in luftiger Höhe so nah wie nie zuvor. Dazu diente – immer unter Beobachtung einer aufdringlich summenden Drohne – auch eine Hopfenkanzel, auf der sich die Politikerin, durchaus erkennbar, nicht immer ganz wohl fühlte.

Am Ende ihres Besuches gab es zur Entspannung dann zusammen mit den Genossinnen und Genossen das Endprodukt in Form eines Bieres den zu verkosten, ehe sich die SPD-Vorsitzende eilends wieder auf den Weg nach Berlin machte.

 

Fotos @Alfred Raths