Notaus für Bullshit

Politisches Kabarett der Extraklasse bot Kabarettist Frederic Hormuth mit seinem aktuellen Programm "Bullshit ist kein Dünger" im Unterpindharter Landgasthof Rockermeier. Das Publikum war gefordert.

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Bericht von Alfred Raths, Februar 11, 2019

Quasi per Tastendruck auf den signalroten Notausschalter hält Frederic Hormuth für etliche Augenblicke das Weltgeschehen an, gibt spitze Antworten auf allerlei Bewegendes des Alltags. Konkret geht der Kabarettist dabei der Frage nach, woran man Bullshit, also sinnloses Geschwätz, erkennen kann. „Es steht ja jeder unter Bullshit-Verdacht“, so der Kabarettist. Wem könne man vor diesem Hintergrund überhaupt noch trauen? Der Kirche, dem Diesel oder gar Horst Seehofer? Vermutlich nichts und niemandem in Zeiten permanent gefälschter Nachrichten. Bullshit habe eben mit Wahrheit so viel zu tun wie ein Thermomix mit Kochen.

Bei Hormuth wird es politisch

Mit seinem aktuellen kabarettistisch-musikalischen Programm – Premiere war voriges Jahr am 21. September – giftet der nach Südhessen emigrierte Mannheimer gegen Gauland und seine Spießgesellen. Halt machte er dabei keineswegs vor der Wir-schaffen-das-Kanzlerin. Insbesondere aber deren Amtskollegen im Weißen Haus hat es Hormuth angetan.

Donald Rumsfeld dagegen zitiert er beispielhaft für Politikergeschwätz vom Blatt, so verworren ist es. Der US-amerikanischen Politiker sagte seinerzeit als Verteidigungsminister zum vermuteten – und wie sich später herausstellte, niemals existenten – Giftgas-Arsenal des irakischen Staatschefs Saddam Hussein: „Es gibt bekanntes Bekanntes. Es gibt Dinge, von denen wir wissen, dass wir sie wissen. Wir wissen auch, dass es bekannte Unbekannte gibt. Das heißt, wir wissen, es gibt Dinge, die wir nicht wissen. Aber es gibt auch unbekannte Unbekannte, Dinge also, von denen wir nicht wissen, dass wir sie nicht wissen.“ Bekanntermaßen folgte kurz darauf die US-Invasion und es begann der Dritte Golfkrieg.

Wie war das nochmal mit der „Heimat“? 

Doch auch den Heimatbegriff stellt der Künstler infrage. Ist Heimat dort, wo das Schützenfest zum Verweilen lockt oder dort, wo es die beste Pizza beim Italiener gibt? Frederic Hormuth, mehrfach ausgezeichnet für sein Können und Gewinner des Hallertauer Keinkunstpreises 2015, ist tiefsinnig und verlangt seinem Publikum mit „Bullshit ist kein Dünger“ genaues Hinhören ab. Dafür gab es am Ende des fast zweistündigen Programms tosenden Applaus für den Fünfzigjährigen.