Paddeln für den guten Zweck

Für „Kinder in Not“ 2810 km auf der Donau paddeln: klingt unglaublich, ist aber wahr! Die Studenten Sarah Leberer und Martin Müller im Interview.

Interview von Simone Huber, August 28, 2018

Während die meisten Studenten in den Semesterferien am Strand liegen oder Party machen, legen sich Sarah Leberer und Martin Müller lieber für den guten Zweck ins Zeug.

Sarah Leberer studiert Humanmedizin an der Charité-Universitätsmedizin in Berlin und in Trondheim/Norwegen. Aktuell arbeitet sie in Berlin als persönliche Assistentin eines tetraplegischen Patienten und bei der Berliner Stadtmission.
Martin Müller verbindet die beiden Studiengänge Maschinenbau und Sportwissenschaften. 2013 gründete er UMWA: „Unlimited Motion with Ambition“, das Partnerprojekt des Rainbow Children Center in Kenia.

Die beiden hochmotivierten und mit viel Idealismus ausgestatteten Studenten wollen den Weg von der Quelle in Donaueschingen in Baden-Württemberg bis zum Schwarzen Meer zurücklegen und für jeden zurückgelegten Kilometer Geld für hilfsbedürftige behinderte Kinder in Kenia sammeln. Auf ihrer langen Reise machten sie auch Halt in Eining bei Bad Gögging. Eine Challenge, über die uns die Kajak-Enthusiasten im Interview erzählten.

Spendeninfo

Für Kilometerspenden: eine kurze und informelle Mail mit dem gewünschten Betrag an info@unlimited-motion.de. Spendenbescheinigungen stellt das Partnerprojekt nach Angaben von Sarah Leberer und Martin Müller gerne aus.

Nach Abschluss der Tour wird dann anhand unterwegs erfasster GPS-Daten der Betrag berechnet, der dann von den Spendern direkt an das Rainbow Children Center überwiesen wird.

Informationen:
http://www.unlimited-motion.de

Paddeln für den guten Zweck

Hallertau.de: Unvorstellbar, dass man fast 3000 km auf der Donau paddeln kann. Wie kommt man auf so eine Idee?

Sarah Leberer & Martin Müller: Auf einer Wohltätigkeitstour bin ich (Martin) als Privatperson schon einmal 6200 km zu Fuß gelaufen. Das war so eine tolle Erfahrung, dass ich mir dachte, so etwas wieder machen zu wollen. Dann bin ich zum Paddeln gekommen. Ich stamme ja ursprünglich vom Bodensee. Da ist die Donau der Heimatfluss, der in der Nähe entspringt. Da Sarah und ich möglichst viele Kilometer sammeln möchten, war es uns wichtig, einen langen Fluss zu finden.

Da kam die Donau genau richtig?

Ja. Sie ist wie gesagt unser Heimatfluss. Der besondere Reiz besteht darin, den Fluss von der Quelle bis zum Schwarzen Meer zu verfolgen, sich nur mit Hilfe der Armkraft in einem Boot fortzubewegen. Das empfindet unter anderem nach, wie sich körperlich behinderte Kinder im Rollstuhl fühlen, die lediglich ihre Arme, nicht aber ihre Beine bewegen können. Das von uns unterstütze „Rainbow Children Center“ kümmert sich um Kinder mit genau solchen Thematiken.

Paddeln für den guten Zweck

Wie ist es euch bisher ergangen?

Wir sind jetzt seit drei Wochen im Boot. Aktuell hat die Donau wegen der Trockenheit sehr wenig Wasser. Die ersten 130 Kilometer mussten wir mit dem Rad zurücklegen, weil der Pegelstand zu niedrig war. Der Weg führte uns entlang des Donauradwegs von Donaueschingen bis Riedlingen. Alles in allem aber ist die Bootstour bisher sehr anstrengend. Der niedrige Wasserstand bedingt die geringe Flussgeschwindigkeit, man muss viel selber paddeln.

Wie sieht denn euer Zeitplan aus?

Wir haben uns vorgenommen, die Tour in 60 Tagen zu schaffen. Das bedeutet, wir haben ein äußerst straffes Programm: 50 Kilometer am Tag müssen drin sein, damit wir nach Plan an unserem Ziel ankommen. Zehn bis zwölf Stunden im Wasser sind das schon jeden Tag.

Wow! Bei allem Idealismus, was sind die drei größten Herausforderungen auf dieser „Survival Tour“?

Sarah: Für mich sind es die witterungsbedingten Außeneinflüsse, die Etappen nicht schmälern dürfen. Im Grunde die „Natur“ an sich. Wenn es Katzen hagelt müssen wir trotzdem auf´s Wasser. Gewitter haben wir auch schon erlebt.
Martin: Stimmt. Stressig wird es auch, weil man immer den engen Zeitplan im Auge hat. Und letztlich sind Körper und Geist ein wichtiger Faktor. Die Motivation zu finden nicht aufzugeben aber auch, dass der Körper mitmacht.

Paddeln für den guten Zweck

Das heißt, ihr geht manchmal über Grenzen, damit ihr im Zeitplan bleibt?

Nein. Es gibt Situationen, in denen es nicht sinnvoll wäre, weiter zu paddeln, nur weil es der Plan so vorgibt. Wir sind beide sportaffin, mit einem leichten Hang zu Übertreibung (lachen). Wenn man am Ende seiner Kräfte ist, muss auf seinen Körper hören und eine Pause einlegen, sonst wird es irgendwann kritisch.

Ihr paddelt – und andere Leute spenden. Wie muss man sich das vorstellen?

Alle Spendengelder gehen direkt an das „Rainbow Childern Center“, ein Kinderheim, das sich um körperlich behinderte Kinder kümmert. Wir steuern auf unserer Strecke immer mal größere Städte an, dadurch werden Privatpersonen aber auch Firmen auf uns aufmerksam. Der wohltätige Gedanke besteht darin, sportliche Leistung mit der Unterstützung von Projekten zu verbinden und die Leute auf spezielle Problematiken hinzuweisen. Wir bieten lediglich den „Spendenanlass“. Das Projekt bekommt so zwei Gesichter und wird anders wahrgenommen. Wir freuen uns über jeden Euro der gespendet wird. Es gibt ja auch keinen Mindestbetrag.

Eure Endstation ist das Donaudelta, genauer gesagt der Ort Sankt Gheorghe in Rumänien. Bis dahin passiert ihr 10 Länder. Seid ihr auf alles gefasst?

Sicher nicht, doch wir versuchen unser Bestes. In jedem Land wird man anders empfangen, da sind Kulturschocks wohl unvermeidbar (lachen). Serbien ist zum Beispiel ein total kanubegeistertes Land. Insgesamt haben etwa 30 bis 40 kg Gepäck im Boot: zwei Schlafsäcke, eine Isomatte, Regenausrüstung, eine kleine Küche. Wir haben alles auf ein absolutes Minimum reduziert. Jeder hat nur drei oder vier T-Shirts, die müssen reichen. Natürlich brauchen wir einen Wassertank, weil das Donauwasser nicht zum Trinken geeignet ist.
Paddeln ist eine sehr monotone Angelegenheit. Es empfiehlt sich, eher in Etappen zu denken, als die ganze Strecke auf einmal zu betrachten. Ich finde, der Begriff „Meditationsmarathon“ beschreibt ganz gut, was wir tun. Geistig kann man gut runterkommen, doch körperlich verausgabt man sich ziemlich.

„Wir möchten zeigen, dass jeder in der Lage dazu ist, wenn man den Willen hat“

Sarah Leberer und Martin Müller