Pichlmaier zieht Hopfenernte-Bilanz

Das Who-is-Who der größten Hopfenverwertungsgenossenschaft der Welt traf sich in der Stadthalle in Mainburg. Wie das Jahr 2017 für den Hopfen tatsächlich ausfiel? Die fünf wichtigsten Punkte zum Nachlesen.

Bericht von Simon Westermair, Februar 8, 2019

Der Hopfen, das grüne Gold der Hallertau, wird in fast alle Länder der Welt durch die Hopfenverwertungsgesellschaft e.G. mit Sitz in Wolnzach exportiert. Die steht jedoch nicht nur für die Verarbeitung und den Vertrieb der Hallertauer Doldenprodukte, sondern auch für die Anbaugebiete Elbe/Saale und Tettnang – eine verantwortungsvolle Aufgabe.

Adolf Schapfl, Aufsichtsratsvorsitzender und neuer Präsident des Verbands deutscher Hopfenpflanzer, wies in seiner Begrüßung darauf hin, dass diese Form der Vertreterversammlung die letzte in der Geschichte der HVG e.G. sein wird. Bis zum Ende des Geschäftsjahres wird die Mitgliederzahl 1.500 unterschreiten. Laut Genossenschaftsgesetz wird es dann 2020 eine Generalversammlung geben, zu der die Genossenschaft alle Mitglieder einladen muss. Auf was sich die noch übrigen Mitglieder einstellen müssen? Eine Übersicht.

1. Gegenwind für Volksbegehren Artenschutz

Nach Grußworten von Landrat Martin Wolf und Mainburgs Bürgermeister Josef Reiser versicherte Petra Högl, Mitglied des Landtags und des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, dass innerhalb der Landesregierung schon fleißig an einem Gegenentwurf zum „Volksbegehren Artenvielfalt“ gearbeitet werde. Hopfenpflanzer Schapfl zeigte sich mit Blick auf die Forderungen des Bund Naturschutzes jedoch optimistisch. In der Vergangenheit seien, so Schapfl, schon ganz andere Hürden von den Hopfenpflanzern überwunden worden. Er lobte in diesem Zug die Brauwelt, die mit jedem Kauf von Produkten der HVG direkt den Hopfenpflanzer unterstützt.

2. HVG gewappnet für den Brexit

Eine unterdurchschnittliche Erntebilanz präsentierte indes Vorstandsvorsitzender Dr. Johann Pichlmaier. Wenig beunruhigt zeigte er sich mit Blick auf den drohenden Brexit. In einem umfassenden Bericht zur Hopfenweltmarktentwicklung machte er deutlich, dass „wir mit Großbritannien im Fall des Austritts als Drittland umgehen können“. Positiv hob er das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Japan hervor, das dazu führen könnte, dass die Zölle für den Hopfenexport abgebaut werden.

Mit rund 41.500 Tonnen Hopfen in Deutschland wurde 3 Prozent weniger geerntet als im Jahr 2016,  und das trotz eines Anbauflächenzuwachses von 5 Prozent. Enttäuscht zeigten sich die Pflanzer vor allem aber über die Alphasäurewerte, die durchwegs unter dem langjährigen Durchschnitt lagen. Das führte zu einer drastischen Verknappung der Hochalphahopfen und zu einer Verdreifachung des Freihopfenpreises auf weit über 80 Euro pro kg. Ganz speziell Flavour Hopfen sei mehr als ausreichend vorhanden, jedoch schwer zu vermarkten.

3. Trotz schwieriger Bedingungen positive Bilanz

Wegen einer Sonderabschreibung in Höhe von 1,2 Millionen Euro auf Finanzanlagen durch die Beteiligung an der Bioerdgas Hallertau GmbH, die mit einem Anteil von 10 Prozent der HVG e.G. gehört, einem höheren Hopfenpreis durch die Angebotsverknappung und der Flexibilität der Brauereien konnte trotz schwieriger Bedingungen ein Jahresüberschuss von 3,56 Millionen Euro erzielt werden.

4. Blick aufs laufende Geschäftsjahr

Das Hopfenjahr 2018 wird als sehr schwieriges Jahr in die Geschichte eingehen. Mit Ernteeinbußen von bis zu 20 Prozent durch die lange Trockenheit und guten Ernten in anderen Anbaugebieten der Welt rechnet die HVG mit einem wesentlich schlechterem Ergebnis der Bilanz 2018. „Die Ernte 2018 zeigt einmal mehr, welche Risiken mit der Hopfenvermarktung verbunden sind und dass man gut beraten ist, ausreichende Rückstellungen zu bilden“, so Dr. Pichlmaier.

5. Größte Investition der Geschichte

Abschließend sprach Aufsichtsratsvorsitzender Adolf Schapfl nochmals über die Herausforderungen, die den Hopfenpflanzern in Zeiten des Klimawandels bevorstehen. „Die HVG leistet einen erheblichen Beitrag zur Stärkung der deutschen Hopfenproduktion. So werden momentan mehr als 60 Millionen Euro in den Bau der weltweit modernsten Extraktionsanlage in St. Johann investiert, die größte Investition der HVG e.G in deren Geschichte. Ebenso werden wichtige Hilfestellungen für die Hopfenbewässerung geleistet.“