Review: Star Wars – The Last Jedi

Star Wars – selten hat es eine Franchise-Reihe geschafft, die Welt derart zu polarisieren und auf Trab zu halten. Wir haben uns Teil 8 mal genauer gesehen.

Kritik von Michael Urban, Mai 1, 2018

Regisseur Rian Johnson (bekannt für BRICK, LOOPER) hat Disney mit THE LAST JEDI angeblich so überzeugt, dass sie mit ihm eine neue Star-Wars-TV-Serie und -Trilogie planen. Und auch wenn THE LAST JEDI die Gemüter wohl etwas spalten dürfte, ist der achte Ausflug mit der Macht eines der Filmerlebnisse in 2017, das man nicht verpasst haben sollte. Weder als Fan, noch als normaler Kinobesucher.

Die Handlung in Episode VIII könnte locker für zwei Filme reichen. Der Fülle an Figuren wird versucht, durch drei größere Handlungsstränge in den 152 min Laufzeit gerecht zu werden. An einem Hauptplot – die Flucht des Widerstandes unter General Leia Organa (die kürzlich verstorbene Carrie Fisher) vor der Ersten Ordnung unter dem Obersten Führer Snoke (Andy Serkis) und seinem Protegé (Adam Driver) – hängen zwei weitere Sub-Plots. In einem davon wollen Fliegerass Poe Dameron (Oscar Isaac), Ex-Storm-Trooper Finn (John Boyega) und Wartungsmechanikerin Rose (Kelly Marie Tran) einen Weg finden, Snokes Flotte zu sabotieren. Im anderen versucht die angehende Jedi Rey (Daisy Ridley), den grimmigen Eremiten Luke Skywalker (Mark Hamill) als Meister und Unterstützung für den Kampf gegen Snoke und die dunkle Seite der Macht zu gewinnen.

Filmkritik The Last Jedi
Gelungene Figuren

Es ist offensichtlich, dass bei dieser Menge an Charakteren nicht alle dieselbe Zeit auf dem Bildschirm und Würdigung erfahren können. Vom Obersten Führer Snoke hat man sich mehr erwartet, auch wenn er ein paar spektakuläre Momente hat. Sein General Hux (Domhnall Gleeson) gerät oft zu einer Witzfigur. Vize-Admiral Holdo (Laura Dern) spielt eine wichtige Rolle für die mit reichlich Frauenpower eingedeckte Seite des Widerstands, muss aber auch mit wenig Raum auskommen. Dafür bekommen die Zuschauer genügend Zeit mit alten Bekannten wie Chewbacca oder neuen Wesen wie den Pinguin-ähnlichen Porgs, der angenehm geerdeten Rose oder dem Computer-Piraten DJ (Benicio Del Toro).

Während die restlichen Hauptrollen eine ansprechende Leistung zeigen, gilt es besonders Adam Driver und Mark Hamill hervorzuheben. Driver legt eine explosive, unpolierte Rücksichtslosigkeit an den Tag, die sich in seinem Kostüm und Lichtschwert widerspiegeln. Seine quer-geschnittenen, traumähnlichen Dialogsequenzen, in denen er sich als beschädigte und teuflisch-verführerische Figur inszeniert, gehören zu den stärksten Szenen des Films. Mehr als die Stirn bietet ihm Hamill, der als ebenso verletzlicher Exilant eine ergreifende, authentische und die wohl bisher beste Darstellung von Lukas Skywalker abliefert. Er schafft es, den mürrischen, etwas verwilderten, sich mit den großen Mysterien des Universums quälenden Onkel mit augenzwinkerndem Humor und Herzlichkeit zu versehen, ohne dabei in übertriebenes Pathos zu verfallen. Dies tut vor allem dem Ende des Filmes gut, das Hamill bravourös ausspielt.

Anspielungen und Überraschungen

THE LAST JEDI überzeugt dadurch, dass seine reimenden Szenen auf frühere Filme nicht nur hinweisen, sondern auch offen und kritisch sind und aufgrund zahlreicher überraschender und lustiger Wendungen als angenehmes Hintergrund-Echo mitschwingen. John Williams, der schon in den ersten sieben Filmen als Komponist diente, bestärkt dies mit einem musikalischen Fingerzeig hier und einem Wink dort. So schafft es Episode 8 einen neuen, emotions- und ideengeladenen Weg zu gehen, wie es die vorigen Episoden noch nicht getan haben.

Fragezeichen

Mit einigen Punkten werden einige Hard-Core-Fans nicht ganz zufrieden sein. Punktuell muss man sich bezüglich mancher Logik (Zeit für einen Kuss direkt vor den Linien des Gegners?) wundern. Der Ausflug zum Casino-Planeten hängt etwas in der Schwebe, passt zeitlich nur gerade so zu den anderen Handlungssträngen und man versteht erst ganz am Ende seine Relevanz – vielleicht das Resultat einiger notwendiger Kürzungen im Schnitt? So manch interessante Figur oder Idee erhält wenig Behandlung, Snoke und die Jedi-Schriften verkommen fast zum McGuffin (Objekte/Personen, welche die Handlung vorantreiben, ohne selbst von besonderem Nutzen zu sein).

Filmkritik - The Last Jedi
Fazit

Eine der größten Herausforderungen hat THE LAST JEDI gemeistert: nämlich nicht nur zu versuchen, den übergroßen Erwartungen der Fans und des Studios gerecht zu werden, sondern auch kreativ und mutig zwischen den oft zitierten Polen von Licht und Dunkel, Gut und Böse, Komödie und Tragödie, Lehrer und Schüler, Tyrannei und Widerstand zu überraschen. Von Beginn an setzt er stark auf Humor, lässt aber Raum für ernste, bedeutsame Momente. Hier und da muss man ein halbes Auge zudrücken, aber die von Figuren getriebenen Auseinandersetzungen und die messianische Nachfolgekrise über den letzten, titelprägenden Jedi sind so fesselnd wie die Macht selbst.