„Rohrbach hilft Rohrbach“ – ein Projekt für mehr regionale Eigeninitiative und Solidarität

Michael Urban
Interview von Michael Urban, April 1, 2020

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Als in der Corona-Zeit viele Läden und Restaurants schließen mussten, war für Beate Kempf, Stefanie Grindinger und Susanne Götz klar, dass in Rohrbach etwas geschehen muss. Und kann. In Windeseile errichteten sie mit www.rohrbach-hilft-rohrbach.de eine Plattform, um den örtlichen Einkauf und Konsum weiterhin möglich und auf Online-Angebote und Lieferservices aufmerksam zu machen. Schließlich gilt es, die Rohrbacher Händler und Gastronomen – und damit die Vielfalt und Wirtschaftskraft Rohrbachs – zu erhalten. Wir haben die drei unternehmungslustigen Netzwerkerinnen (info@rohrbach-hilft-rohrbach.de) ins Interview genommen und herausgefunden, dass aus ihrem Aufruf zu mehr Engagement und Solidarität für die Corona-Zeit schon ein wenig mehr geworden ist.

Hallertau.de: Hallo, die Damen! Danke, dass ihr euch über verschiedene Kanäle Zeit genommen habt. Erklärt einfach mal kurz: Wer seid ihr eigentlich und was wollt ihr mit eurer Initiative bewirken?

Beate Kempf: Wir sind drei Frauen, die nicht einfach dasitzen und abwarten wollten. Mit Steffi, dem lebenden Redaktionsbüro, und Susanne, einer sehr kreativen Grafikerin, hatte ich schon bei ein paar anderen beruflichen oder privaten Projekten zu tun. Und ich wusste, dass wir ähnlich „unkompliziert“ ticken. Jede managt nebenbei ja noch Familie und Beruf. Wir haben uns noch kein einziges Mal persönlich getroffen, sondern alles per WhatsApp und E-Mail gesteuert und organisiert. Nach einer Woche tauschten Steffi und Susanne erstmal Fotos aus. Bis dahin war mir überhaupt nicht bewusst, dass sich die beiden gar nicht persönlich kennen. Das Ziel ist ganz klar: wir wollen die örtlichen Gewerbetreibenden in der Krise unterstützen und die Rohrbacher zum #kaufinrohrbach aufrufen und motivieren.

Coole – und auch aktuell äußerst hilfreiche – Idee! Wie seid Ihr überhaupt darauf gekommen?

Stefanie Grindinger: Durch die #supportyourlocal-Bewegung auf Instagram und Facebook. Mir war es schon immer wichtig, möglichst regional zu kaufen. Ich finde es toll, dass Rohrbach mit seinen 6.000 Einwohnern zum Beispiel eine eigene Buchhandlung und ein Bastelgeschäft hat. Es hat mich persönlich sehr betroffen gemacht, dass die Einzelhändler, Gastronomen, Friseure, usw. im Zuge der Corona-Krise von heute auf morgen schließen mussten und damit Existenzen bedroht sind. Wahrscheinlich wird Rohrbach nach der Krise nicht mehr das Angebot haben, das es heute hat, wenn wir jetzt nicht zusammenhalten. Darauf möchten wir die Bürger aufmerksam machen. Mit Beate und Susanne habe ich zwei Mitstreiterinnen, deren Herz ebenso an Rohrbach hängt.

Und die Idee konntet ihr so schnell umsetzen, weil…

Stefanie Grindinger: … wir drei mit Leidenschaft bei der Sache sind, der Workflow stimmt und wir so viel positives Feedback bekommen. Das motiviert ungemein.

Stefanie Grindinger auf Bildfang.
Beate Kempf im Home Office.

Das alles klingt nach einer sehr organischen Entwicklung. Könnt ihr ungefähr sagen, wieviel Zeit ihr in der Woche in das Projekt investiert?

Susanne Götz: Oh, das kann man so pauschal gar nicht beantworten, denn jeder von uns ist mit Freude und Engagement dabei. Irgendwie geht es immer so nebenbei, wenn mal tagsüber die Kinder schlafen oder sie sich grad selbst beschäftigen können. Oder abends – da bekommt man einfach Lust, mal was anderes als Family-Management zu machen. Zusammen haben wir viele Ideen, und wer gerade Zeit hatte, hat die gesammelten Ideen dann in die Tat umgesetzt. Beate hat anfangs sehr viel Zeit in die Umsetzung und Gestaltung der Website investiert und Steffi konnte durch Ihre redaktionellen Erfahrungen die Website schnell mit Inhalten füllen. Innerhalb von zwei Tagen haben wir schon gesehen: Das könnt‘ echt was werden! Und die vielen positiven Reaktionen motivieren einen täglich, weitermachen zu wollen.

Bei so einer schnellen Entwicklung ging es sicherlich rund. Welche waren die schönsten und welche die frustrierendsten Momente?

Beate Kempf: Die schönsten Momente sind natürlich, wenn wir erfahren, dass es wirklich zu Einkäufen gekommen ist, die auf die Aktion zurückzuführen sind. Dann freuen wir uns und fühlen uns bestärkt weiterzumachen. Der frustrierendste Augenblick war bei mir persönlich, als ich genau nach einer Woche des Projektstarts auf Covid19 positiv getestet wurde. Durch einen milden Verlauf konnte ich weiter von der Couch aus am Laptop helfen. Zudem weiß ich jetzt selbst am besten, wie wichtig die lokalen Angebote mit Lieferservice kontaktlos bis an den Gartenzaun sind.

Davon könnte doch einiges nachhaltig Bestand haben. Wo kann es für das Projekt während und nach der Coronazeit noch hingehen – worin seht ihr Potential?

Susanne Götz: Rohrbach-hilft-Rohrbach ist jetzt schon mehr als die Anfangsidee. Das Projekt entwickelte sich schnell weiter und wird immer mehr eine „Aus-Rohrbach-für-Rohrbach“-Plattform. Erzieher aus den Kindergärten lassen sich kreative Ideen für ihre Kinder in Rohrbach einfallen, wie z.B. Lieder und Gartentipps für zu Hause. Selbstgemachtes aus Rohrbach wird mehr wahrgenommen und jeder Rohrbacher, der unternehmerisch tätig ist, kann sehr schnell seine kurzfristigen Aktionen für die Bürger hier online stellen. Ich selbst bin mit meiner Familie erst seit knapp acht Jahren in Rohrbach und war immer neugierig und interessiert daran, wer was in Rohrbach so macht und welches Angebot man vor Ort nutzen kann. Jetzt entdeckt man alles auf einer Website und ich muss zugeben, dass ich selbst erst jetzt das ein oder andere erfahren und Neues in Rohrbach kennengelernt habe.

Vielleicht noch ein Tipp: Was könnt Ihr anderen raten, die Ähnliches vorhaben?

Beate Kempf: Fangt an! Es lohnt sich.

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