Roots, Riddim und Ras Dashan in der Hallertau

Ras Dashan – das ist Reggae- und Wohlfühlmusik aus der Region. Wir haben die Band vor ihrem Auftritt im Wolnzacher Tandem getroffen und ihren „Roots“ nachgespürt.

Band-Portrait von Lisa Schwarzmüller, Mai 7, 2019

„Nach dem Caipi-Festival in Kösching haben wir auf vier oder fünf Hochzeiten von Menschen gespielt, die sich während unseres Konzerts dort kennengelernt haben“, schmunzelt Bernd. Er ist Sänger von Ras Dashan, einer der bekanntesten Bands der Region und Produzent eines überaus wirksamen, musikalischen Aphrodisiakums. Ras Dashan, das ist Reagge und Ska, das sind eigene Songs und mitreißende Cover. Ihre musikalische Qualität ist unbestritten. Sogar Reggae-Legende Jimmy Cliff erkannte ihr Talent und machte sie zu seiner Vorband. Zahlreiche Bandcontests entschieden sie in den 2000ern für sich, spielten beim legendären Chiemsee Summer, beim Rototom Sunsplash, beim Montreux Jazz Festival, teilten sich Festival Bühnen mit JBO, Juli und Ronan Keating.

Für kleine Gigs oder auch Hochzeiten sind sie sich trotzdem nicht zu schade und so tauchen die Sechs an diesem Mai-Samstag das Tandem in Wolnzach in ihren unverwechselbaren Sound. Wenn sie spielen geht es um Liebe, oder „Irie“ wie es der Rastafari sagen würde.

So klingt die Hallertau

Ras Dashan ist eigentlich der höchste Berg Äthiopiens. Auf der Suche nach einem Bandnamen fand Sänger Bernd ihn auf einem Globus. Dann erfuhr er, dass der Berg für die Äthiopier die Quelle allen Lebens ist. Passend, fanden die Musiker der Ingolstädter Band und berauschen die Welt seit 15 Jahren mit besten Reggae Vibes.

Wolnzach um den Finger gewickelt

Irie – in Jamaica kann das Wort vieles heißen „good“, „cool“, „nice“ – anders gesagt – mir geht es gut, alles ist super. Es ist eine Grundeinstellung zum Leben, die grundsätzliche Annahme, dass das Glas erstmal halbvoll und nicht halbleer ist. Eben das Gefühl, das sich auch in der Brust breit macht, wenn Ras Dashan mit ihrem Song „Shine“ loslegen und Sängerin Bella und Bernd im Duett „I wanna make you smile and shine bright like a shining star“ singen. An diesem Samstagabend stehen sie zwar nicht vor 10.000 Reggae-verrückten Festivalbesuchern, das Tandem in Wolnzach, einer Kneipe im Spannungsfeld zwischen ländlichem Hopfenanbau und kultig-bajuwarischem Laissez-faire, haben sie dennoch schnell in der Hand. Verstecken sich in der selbsternannten Hopfenmetropole doch unerwartet viele Reggae-Fans? Wahrscheinlich nicht. Wahrscheinlich liegt es an Bernd, Bella, Hans, Tony, Matthias und Mike – und „Irie“.

„Ich glaube, der Erfolg auf der Bühne hängt daran, ob man Spaß hat und authentisch ist. Wenn das passt, springt der Funke sofort über“, erklärt Bernd, während die Band vor dem Auftritt zur Stärkung eine Tandem-Pizza verdrückt und mit Marillen-Likör anstößt. „Es gibt tausende Coverbands, die spielen halt ihren Saft runter. Die sind technisch super, aber alles läuft so nebenbei. Wenn du eigne Musik machen willst, musst du hundertprozentig ehrlich zu dir selbst sein. In dem Moment, wo der Song entsteht, darfst du es nicht künsteln.“

„Irgendwann ging es einfach los.“

Ungekünstelt sind auch ihre „Roots“. „Mei, damals haben sich ein paar Leute zum Musik machen getroffen“, erzählt Bernd über die Anfänge. Da war noch gar nicht klar, dass die musikalische Reise mal nach Jamaica gehen sollte. „Das war 2001, da wir noch keinen Plan für irgendwas.“ Dann waren plötzlich ein Bassist und ein Keyboarder da. Erst hat ein Song noch 20 Minuten gedauert, dann etablierten sich plötzlich Strukturen. „Von Funk bis Blues sind wir dann echt alles durchgegangen. Bob Marley, Pink Floyd, Led Zeppelin“, so der Sänger. Yoga-Lehrerin Bella gabelten sie im Swept Away in Ingolstadt auf. 2004 ging dann alles Schlag auf Schlag. Erst entschieden sie den Auqa Turbo Contest für sich, dann den Maxi DSL Contest. 2007 folgte das erste Album. „Und dann waren wir plötzlich auf diesen vielen großen Festivals.“

Ein bisschen ruhiger ist es in den letzten Jahren schon geworden um Ras Dashan. Die Bandmitglieder arbeiten weiterhin in ihren Berufen, wo sie Lautsprecher und Infotainmentsysteme bauen, Kindern das Schlagzeugspielen beibringen oder andere in Yoga unterrichten. Die meisten haben mittlerweile Familie und müssen sich dann schon mal mit Ferien und Schularbeiten arrangieren. So wechselte die Besetzung in den letzten 15 Jahren öfter mal oder erweiterte sich, damit man sich gegenseitig vertreten kann. Ihre Magie haben sie nicht eingebüßt, und so stellen sich bei so manchem Wolnzacher im Tandem die Härchen an den Armen auf, wenn die ersten Ras-Dashan-Riddims zwischen Weißweinschorle und Weizenstutzen erklingen.

Ras Dashan: Die ultimative Playlist

Wir haben Ingolstadts Nr.1 Reggae-Band getroffen und haben sie nach ihren persönlichen Favoriten gefragt. Nach Liedern, die immer gehen und auf keiner Playlist fehlen dürfen. Und ja, ein Marsch und Rage Against the Machine sind auch dabei.