Schlossbrauerei Au jetzt chinesisch

Die Weichen für die Zukunft sind gestellt – Die Schlossbrauerei Au / Hallertau, die mehr als 400 Jahre bayerische Firmengeschichte schrieb, geht zum Teil an einen chinesischen Investor.

Bericht von Simon Westermair, März 4, 2019
Bild: Pixabay

Die Nachricht aus Au kam überraschend und schlug dementsprechend ein. Man hätte auch einen Faschingsscherz vermuten können.Kurios ist die Tatsache, dass die traditionsreiche Schlossbrauerei Au zu noch unbekannten Teilen in die Hände chinesischer Investoren geht. Zu den „Kernpunkten der neuen Strategie“ des Betriebs zählen die Belieferung neuer Märkte, aber auch der Ausbau der regionalen Stellung der Brauerei im Heimatmarkt und die Investition in neueste Techniken. Der derzeitige Geschäftsführer Michael Freiherr Beck von Peccoz werde diesen Prozess „begleiten“.

Auszug aus der Pressemeldung der Schlossbrauerei Au / Hallertau

„[…] Die Schlossbrauerei Au hat mit der FCAA Castle Brewing Company einen Investor gewinnen können, der als Holding die deutschen Aktivitäten der chinesischen Einzelhandelsgruppe Dashang Group mit Sitz in Dalian, China bündelt.

Die Dashang Group ist vergleichbar mit der hiesigen Metro. Sie verfügt über eine Vielzahl von eigenen Supermärkten und weitere wichtige Absatzkanäle in ganz China. Ziel sei es, die Qualitätsbiere der Schlossbrauerei Au-Hallertau als eigene Marke flächendeckend in ganz China zu positionieren.

Diese Strategie hat die Dashang Group mit eigenen europäischen Weingütern bereits erfolgreich umgesetzt.

Es war uns außerordentlich wichtig, dass der Investor in den Brauereibetrieb in Au investieren wird und Arbeitsplätze langfristig gesichert sind. Ausschlaggebend für das Engagement des Investors waren die Geschichte der Brauerei, die lange Tradition der Familie, die hohe Qualität der Biere und nicht zuletzt die weltweite Bekanntheit des Hopfenanbaugebietes Hallertau.“

Auer Tradition trifft auf chinesischen Investor. (Fotomontage der Redaktion; der chinesische Schriftzug bedeutet "Schlossbrauerei")
Wer ist der Neue?

Im Handelsregistereintrag vom 28.11.2018 findet man zur FCAA Castle Brewing Company folgende Information: „Verwaltung eigenen Vermögens und Erwerb, Verwaltung und Veräußerung von Beteiligungen und Anteilen an in- und ausländischen Unternehmen aller Art, insbesondere an der Schlossbrauerei Au, Willibald Beck Freiherr von Peccoz GmbH & Co. KG und an der Verwaltungsgesellschaft Schloßbrauerei Au/Hallertau mit beschränkter Haftung“. Fazit: Es wurde schon länger an der gezielten Investition gearbeitet.

Die Dashang Group, der größte Einzelhändler in Nordostchina, betreibt über 400 eigene Läden in 15 chinesischen Provinzen und ist mit ca. 300.000 Angestellten um ein vielfaches größer als die Schlossbrauerei Au, die aktuell circa 40 Arbeitnehmer beschäftigt.

Fremdes Bier aus der Heimat

In der Schlossbrauerei Au / Hallertau wurden 2015 ca. 55.000 Hektoliter gebraut, davon allerdings auch ein ordentlicher Anteil für fremde Firmen. Zum Beispiel die Ismaninger Brauereigenossenschaft und Singha Beer aus Thailand lassen in Au brauen. Zudem gehen mehr als 20 Prozent der Auer Biere als Export ins Ausland und werden schon jetzt in China und USA vertrieben. Diese Tendenz dürfte sich durch die jüngsten Ereignisse verstärken.