Schöne Spaziergänge in der Hallertau #2: Auf Schatzsuche im Abenstal

Michael Urban
Foto-Reportage von Michael Urban, April 22, 2020

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Schon komisch irgendwie. Jetzt bin ich in der Gegend aufgewachsen und auch viel draußen unterwegs, aber diese kleine Wanderung im und ums Abenstal bei Rudelzhausen hat mich mindestens genauso überrascht und verzaubert wie der erste Spaziergang bei Eichelberg… Was es doch für einen Unterschied macht, sich mal richtig Zeit zu nehmen, ein paar Leute vor Ort genauer zu befragen und mit der Kamera die Umgebung neu und im Detail zu entdecken. Es lohnt sich.

Der alte Bahnhof in Enzelhausen und die Überreste der Mühlen schaffen einen historischen Kontext. Im Abenstal selbst gibt es gemütliche Wiesenpfade mit kleinen Brücken, welche die Auenlandschaft zugänglicher machen. Der blühende Raps und Löwenzahn legen mit ihrem fließenden Gold leuchtende Teppiche auf die Frühlingslandschaft, an denen man sich nicht sattsehen kann. Und zu guter Letzt haben wir auf der Karte noch ein paar Orte entdeckt, zu denen ihr einen kulinarischen Abstecher machen und an denen ihr Schätze in Form von regionalen Produkten entdecken könnt. Gemeinsam mit unserem freien Autor Tobias Roßmann waren wir wieder unterwegs – auf der Jagd nach möglichst vielen bleibenden Eindrücken.

Karte

1 | Da Maierwirt

Der Maierwirt in Enzelhausen – für seine Weißwursttradition weithin bekannt – ist unser Startpunkt. Die Parkplätze dort sind nicht immer so frei verfügbar. Am Freitag von 08:00 bis 14:00 Uhr ist nämlich normalerweise – sprich: außerhalb der Corona-Zeit – das außerordentlich beliebte Weißwurstessen angesagt. Das Maierwirt’sche Weißwurst-Rezept ist streng geheim und wird von der im selben Haus untergebrachten Metzgerei weiter gepflegt. Sitzen kann man in einer urigen Stube oder im Garten, die Stimmung ist familiär, hier geben sich viele Stammgäste die Klinke in die Hand. Zum Kaffee gibt es (kostenlos) hausgemachten Kuchen. Hier geht’s zur Facebookseite vom Maierwirt.

Bild (re.): Tobias Roßmann

2 | Alter Bahnhof Rudelzhausen

Der Maierwirt liegt an der Bahnhofstraße, was gleich der Hinweis auf unsere nächste Station ist: die Überreste der alten Hallertauer Lokalbahn. Es geht 200 Metern weiter Richtung Ortsausgang  – easy Warmup! 1893 begann hier der Bau für die Strecke Wolnzach – Enzelhausen – Mainburg, 1907 folgte der Baubeginn der Strecke Freising – Langenbach – Enzelhausen – Mainburg, um Freising und Moosburg eine Verbindung in die Hallertau zu erlauben. Der Ladehof mit dem Ladegleis dient mittlerweile als Schrottlagerplatz. Dort sind noch einige alte Bahnfahrzeuge zu sehen. „Hallertauer Traditionspflege“ auf ihre ganze eigene Art und Weise betreibt die „Interessengemeinschaft Hallertauer Modelleisenbahner“, die viel Wissen um die „Bockerlbahn“ bewahrt hat.

Bild: Tobias Roßmann

3 | Durch das Abenstal

Nachdem wir ein bisschen Geschichte inhaliert haben, machen wir uns nun auf den Weg zur Abens. Nach 600 Metern lohnt es sich, einmal über die rechte Schulter Richtung Au zu schauen. Dort wacht die weiße, sagenumwobene Schimmelkapelle auf einer kleinen Anhöhe über das Abenstal. Wir wandern auf angenehmen Wiesenpfaden 700 Meter weiter Richtung Rudelzhausen und finden den „Court in the Jungle“: Direkt an der Abens, von Weiden umgeben, liegt ein roter Streetballplatz, auf dem auch eine Tischtennisplatte steht. Definitiv ein gediegener Platz für eine Runde Sport in idyllischer Umgebung.

4 | Gold und Nüsse

Auf dem Weg zu unserer nächsten Station gilt es, Rudelzhausen zu durchqueren und die kleine Straße nach Furth zu finden. Die Strecke ist ungefähr zwei Kilometer lang, lohnt sich aber. Zuerst kommen wir an einer von Löwenzahn durchzogenen Haselnuss-Plantage vorbei. Wer hier querfeldein geht, findet ein weiteres vergoldetes Kleinod: einen kleinen, stillgelegten „Löwenzahn-Hopfengarten“. Einfach schee. Und hoffentlich auch noch länger in dieser Form von Bestand. In Furth kommen wir an den „Haselnuss-Headquarters“ vorbei: dem Haselnusshof Neumeier, der besonderen Wert auf Frische, Geschmack und die Qualität seiner Erzeugnisse legt. Neben der normalen Nuss gibt es auch daraus entwickelte Spezialitäten wie Spirituosen, Mehl, Nudeln, Mus und Öl. Wen das interessiert, der findet auf unserer Seite dazu einen Beitrag. Wir schlendern weiter Richtung Furthmühle und Notzenhausen.

5 | Hennenbach

Ein paar Schritte führt eine kleine Brücke über den Hennenbach und an der Furtmühle vorbei. Große Erlenbäume säumen den sich schlängelnden Bachverlauf, der die Abens speist. Hätten sich die Brüder Grimm nicht besser ausdenken können.

Bild: Tobias Roßmann

6 | Hangmoor bei der Moosmühle

Die Feldstraße zieht sich den Fuß eines Hanges entlang, der nach Notzenhausen führt und einen kleinen Überblick über das charmante Abenstal gewährt. Nach einem knappen Kilometer entdecken wir ein kleines Hangmoor auf Höhe der Moosmühle. Zwischen den Feldern liegt es, mit Moos, Himbeeren, Rossminze und Schilfgras bewachsen, genauso aus der Zeit gefallen da wie die verwilderte Moosmühle.

Der Hopfen hat das Klettern schon angefangen (li. Bild: Tobias Roßmann).
Bild: Tobias Roßmann
Bild: Tobias Roßmann
Bild: Tobias Roßmann

7 | Biohof Kreitmair in Notzenhausen

Wer gut drauf ist und einen Abstecher zu einem weiteren Kreuz auf der Schatzkarte machen will, geht noch 500 Meter weiter nach Notzenhausen. Dort betreiben die Kreitmairs einen Gasthof und einen Biohof inklusive Hofladen (hier geht’s zum Beitrag). Seit Mai 2017 gibt es hier Bio-Schweinefleisch von den hauseigenen Schweinen, Holunder und Aroniabeeren von den eigenen Plantagen und weitere regionale Produkte. Aus dem Holunder entstehen Sirupe, Gelees, Liköre, Essige, Aufstriche und vieles mehr. Recht neu in Notzenhausen ist die Taverna Sirktaki, ein Fischstüberl direkt an einer Holunderplantage. Auf dem Weg dorthin überrascht unseren Vogelexperten Tobi der Ruf eines Wendehalses, eine Spechtart, die in Europa mittlerweile sehr selten ist.

Rechts: Holunderstrauch.
Bild (re.): Tobias Roßmann

8 | Rapsfeld an der Landkreisgrenze

Von der Moosmühle quert man auf Furten und Brücken das Abenstal zum Radlweg nach Puttenhausen, dem wir nach links Richtung Rudelzhausen folgen. Bald kommt man vom Landkreis Kelheim wieder in den Landkreis Freising. Nach einem Kilometer biegen wir an einem langgezogenen Rapsfeld rechts in den Feldweg Richtung Langholz ab. Wer sich zwei Kilometer Fußweg, eine Waldstrecke und Abstecher nach Ober- und Niederhinzing sparen möchte, der kann auch gleich nach Rudelzhausen zurückkehren. Wir sind natürlich wuid und wollen in den Woid.

9 | Langholz

Es geht den Königerwiesgraben entlang, bis ein verwunschener Hohlweg uns in das Langholz führt. Nach 1.2 Kilometern halten wir uns an einer T-Kreuzung links, biegen nach 700 Metern noch einmal rechts ab und finden unseren Weg Richtung Niederhinzing. Außerdem ein kleines Tal, durch das der Hundsbach der Abens zufließt. Tobi und mich inspirieren allerdings noch mehr die geisterhaften, alten Landwirtschaftsgeräte und Fichten-Hohlwege – wir durchqueren weiter das Langholz und steigen den steilen Hang eines hellgrün leuchtenden Buchenwalds nach Oberhinzing hinab.

Bild (re.): Tobias Roßmann
Bild (re.): Tobias Roßmann
Bild: Tobias Roßmann
Bild: Tobias Roßmann

10 | Schamberger Kräuterhof in Oberhinzing

Unser Abstecher am Schamberger Hof beginnt mit einem freundlichen Empfang von Luise und Richard Raab, die uns ihren Hof fotografieren lassen. Wir finden heraus, dass die Raabs ein paar Felder verpachten – an den Biobauern Kreitmair in Notzenhausen. Da waren wir doch gerade noch … auf der anderen Seite der Abens. Ha! Die Raabs verkaufen hier Wildkräuter für den eigenen Garten, Buchs, Kürbisse und Obst von den eigenen Streuobstwiesen. Eine davon schauen wir uns auf Richards Empfehlung hin genauer an, denn diese Obstwiese liegt gleich am Ortsausgang Richtung Traich/Steinbach und direkt hinter der kleinen, sauber hergerichteten Hofkapelle des Schamberger Hofes. Ihr Alter sieht man der Marien-Kapelle nicht an. 1858 wurde sie das erste Mal urkundlich erwähnt, in den letzten Jahrzehnten machten einige Überschwemmungen Renovierungsarbeiten nötig, die durch die Familie Raab samt Freunden gestemmt wurden. 2003 wurde das kleine Schmuckstück von Pfarrer Georg Weinzierl neu eingeweiht. Es soll Besuchern ein „Ort des Friedens und der Freude“ sein, wo Menschen innehalten können – und wenn es auch „nur einen Augenblick lang“ ist.

Am Schamberger Hof finden wir frische Kresse und ein paar neue Hochbeete.

11 | Kottermairs Biohof in Niederhinzing

Auf geht’s zur letzten Station, dem Biohof Kottermair (zum Beitrag) in Niederhinzing. 1.3 Kilometer lang spazieren wir wieder Richtung Abenstal, bis uns ein Schild den Weg zum Biohof Kottermair weist. Passenderweise steht es auf einer von gelb strahlendem Löwenzahn gefluteten Wiese. Der Biohof verkauft nicht nur Gemüse, sondern auch Freiland-Eier und das gesamte Käsesortiment in Bioqualität. Zu finden sind die Produkte im kleinen, aber feinen Gewölbe-Hofladen oder auf diversen Märkten in der Hallertau. Gemütlich lassen wir die letzten 1.5 Kilometer zum Maierwirt ausklingen und entbieten dem Abenstal noch einen letzten, sonnengegerbten Abschiedsgruß.

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