Schüler mit vollem Einsatz fürs absurde Theater

Über 20 Schauspieler sowie je zwei Techniker und Regisseure nahmen sich der Komödie "Hamlet = Omlet?" an. Und das obwohl die Theatertruppe aus Schülern des HGW bestand, die sich parallel auf das nahende Abitur vorbereiteten. Da muss Begeisterung vorhanden sein! Und diese spürte man auch.

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Bericht von hallertau.de, Februar 6, 2019

Gastbeitrag von Sarah Rinkl (12. Klasse, HGW)

Ein exzentrischer Regisseur, eine übereifrige Geschäftsfrau, eine gespaltene, wenig motivierte, zweitklassige Schauspielertruppe, ein bockiger Teenager und der widerspenstige Geist des toten Hamlet… Um diese Figuren und noch einige mehr drehte sich das Theaterstück „Hamlet = Omlet?“ der zwölften Jahrgangsstufe unter der Leitung von Herrn Lubnow, das am 29.01.19 seine Premiere am Hallertau-Gymnasium Wolnzach hatte.

Dass es sich bei dieser Interpretation des Shakespeare-Klassikers um eine sehr experimentelle Herangehensweise handelt, wurde gleich in der Auftaktszene klar. Mit viel Humor auf verschiedenen Ebenen ging es. An einem Provinztheater soll „Hamlet“ gespielt werden, wobei eine frühere Version davon bereits als „Omelett“, als chaotische, absurde Fassung beschmunzelt wird. Es geht weiter mit Anspielungen auf der Meta-Ebene, so zum Beispiel warten die Schauspieler gelangweilt „auf Godot“ oder zitieren Inigo Montoya (aus dem Spielfilm Die Braut des Prinzen, 1987) mit seinen ikonischen Worten: „Mein Name ist Inigo Montoya. Du hast meinen Vater getötet. Jetzt bist du des Todes.“

Claudius (Jonas Ott) hat es Metzgersgattin (Andreas Kappelmeier) angetan. Frau Eckermanns Tochter (Laura Reili) kann ihren Augen kaum trauen.
Kunst um jeden Preis

„Hamlet = Omlet?“ soll dann auch tatsächlich die neue Inszenierung des aufstrebenden Regisseurs Kaska heißen. Ein völlig neuer Ansatz soll her, ein Weg, dem Ganzen frischen Atem einzuhauchen. Das Stück muss ein Erfolg werden, denn das kleine Theater, an dem es aufgeführt werden soll, steht kurz vor dem Ruin und muss an allen Ecken sparen, zur großen Unzufriedenheit Kaskas. Geld muss her, denn wie sonst sollen seine (selbstverständlich) genialen Ideen umgesetzt und die unerreichbar hohen Ansprüche erfüllt werden?

Glücklicherweise taucht schnell die Rettung auf, nämlich in Form einer reichen Geschäfts- und Metzgersgattin. Diese erklärt sich bereit, die Inszenierung zu finanzieren, wenn ihre Tochter im Gegenzug die Hauptrolle der Ophelia erhält. Für Kaska ein Zugeständnis – doch was tut man nicht alles um der Kunst willen?

Kurzzeitig scheinen alle Probleme gelöst: den Ideen des Regisseurs sind keine Grenzen gesetzt, all die künstlerischen Pläne können verwirklicht werden. So sollen beispielsweise nicht wie gewöhnlich menschliche Darsteller die Figuren in „Hamlet“ verkörpern, sondern vielmehr Schafe, die statt der berühmten Dialoge nun nicht mehr als ein „Määh!“ zustande bringen. Dass das recht wenig mit der Originalfassung von „Hamlet“ zu tun hat, liegt auf der Hand – zum großen Schrecken des Geists des alten Hamlet, der am Theater sein Unwesen treibt und bald die Putzfrauen für seine üblen Pläne gewinnen will. Um jeden Preis will er die Aufführung verhindern – auch wenn das heißt, dass die Schauspieler unter seinem Plan leiden müssen.

Bei dieser Komödie, zu der die Schüler und Schülerinnen am Dienstag- und Mittwochabend einluden, blieb bei den zahlreich erschienen Zuschauern kein Auge trocken. Ob es der cholerische Regisseur, Figuren wie der verfressene, divenhafte Horatio, die von einem männlichen Schauspieler charmant dargestellte Metzgerei-Chefin Eckermann, die über Beauty-Tipps philosophierenden Schafe oder ein sich immer wieder mit aller Gewalt auf die Bühne schleudernder Polonius waren – viel gelacht wurde bei der Aufführung allemal und man merkten den jungen Schauspielern den Spaß am Spielen an.

Doch natürlich darf bei allem Witz und Klamauk nicht auch ein wenig ernste Kritik fehlen. So sprach das Stück mitunter einige Probleme an, mit denen die Künste heutzutage zu kämpfen haben, wie zum Beispiel dem niedrigen Anspruch der Leute an das Niveau der Unterhaltung, der Tatsache, dass viele Menschen lieber Filme statt Theaterstücke sehen oder dass produziert wird, wofür gezahlt wird – und nicht unbedingt, was einen künstlerischen Wert hat.

Abiturienten mit absurdem Abschied

Mit ihrem letzten Stück verabschieden sich die Schülerinnen und Schüler nun schweren Herzens von der Bühne und dem Publikum am Hallertau-Gymnasium Wolnzach. Viele der spielfreudigen Schauspieler aus dem Kurs „Dramatisches Gestalten“ stehen seit mehreren Jahren auf der Bühne und haben mit „Hamlet=Omlet?“ nicht nur ihr schauspielerisches und technisches Talent, sondern auch ihr Eignung für die Regie bewiesen. Dieses letzte Stück wurde nämlich von den Schülern selbst (Laura Wild und Leonard Zeller) geleitet.

Theatergruppe
Hamlet – Alexandra Pfab
Gertrude – Rebecca Merkl
Hofdame – Leonie Ostler
Rosenkranz – Johanna Weinlich
Polonius – Kai Meier
Horatio – Leonard Feruga
Bernado – Anne Fuchs
Kaska – Carolin Seufer
Assistentin – Sarah Rinkl
Schauspielerin – Enya Reinecken
Model – Bianca Reder
Putzfrau1 – Elena Wilkerling
Putzfrau2 – Franziska Wagner
Hamlets Geist – Sebastian Tröstler
Innere Stimme1 – Nicola Achatz
Innere Stimme2 – Julian Haas
Metzgerstochter – Laura Reili
Metzgersgattin – Andreas Kappelmeier
Claudius – Jonas Ott
Totengräber1 – Verena Kiermeier
Totengräber2 – Leonard Zeller
Publikum – Laura Wild, Sebastian Tröstler, Nicola Achatz, Julian Haas
Technik – Tobias Bischoff, Katrina Häupel
Regie – Laura Wild, Leonard Zeller