Schwammerlsaison ist eigentlich immer

Das kommt nicht häufig vor: Ein ambitionierter Schwammerlsucher gibt sein Wissen um jene Organismen preis, die in DNA-Vergleichen näher mit Tieren als mit Pflanzen verwandt sind.

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Interview von Alfred Raths, September 18, 2019

Pilze helfen Bäumen als Partner bei der Wasser- und Nährstoffaufnahme aus dem Boden und bei der Produktion von Hormonen. Zudem wehren sie Krankheitserreger ab. Als Gegenleistung für seine Wohltaten liefert der Baum dem Pilz mit Zucker oder Kohlehydraten wichtige Produkte aus der Fotosynthese. Mancher Mensch sammelt mit Leidenschaft ihre Fruchtkörper. Zu ihnen gehört Bernhard Scholz aus Ilmmünster. Mit ihm sprachen wir zu Beginn der Sammel-Hochzeit.

Die drei wichtigsten Schwammerl-Scholz-Regeln für Schwammerlsucher

  1. Respekt vor der Natur, nimm nie einen Pilz mit den du nicht kennst!
  2. Geh immer mit jemanden zum Sammeln, der sich schon gut mit Pilzen auskennt!
  3. Lege Pilze nie in Plastik- oder Stofftaschen; verwende stattdessen einen Weidenkorb!

Pilze durch die Jahreszeiten

Hallertau de: Hallo Herr Scholz. Seit wann sind Sie schon auf den Spuren der Schwammerl und wie kamen Sie eigentlich dazu?

Bernhard Scholz: Servus. Bereits seit der Kindheit mit den Eltern rings um Schwäbisch Hall, meiner Geburtsstadt. Fast an jedem Wochenende waren meine Eltern, mein Bruder und ich unterwegs.

Toll, so beginnt Leidenschaft. Wo und zu welchen Jahreszeiten suchen Sie in der Region nach den Schwammerln, wie man die Pilze landläufig in Bayern nennt?

Besonders häufig in den Wälder rund um Ilmmünster, dort bin ich auch mal im Unterholz anzutreffen.

Wann ist denn eigentlich die beste Jahreszeit um Schwammerl zu finden?

Schwammerl gibt es tatsächlich das ganze Jahr über. Abgesehen von Baumpilzen ist der einzige pilzfreie Monat ein frostiger Januar. Hier ab März, April findet man den Fichten- und Kiefernzapfenrübling, Morcheln im Mai und dazu der Mairitterling – mein Lieblingspilz, der auch noch hervorragend schmeckt. Peak der Pfifferlinge ist im August, nicht später; der Frostschneckling ist ein klassischer Winterpilz des Novembers und Dezembers.

Besondere Hallertauer Schwammerl

Gibt es Besonderheiten in der Hallertau, die die Suche besonders interessant machen?

Ja, die gibt es. Zum Beispiel Hasen- und Eselsohren, sie wachsen auch in den Kieferwäldern bei Ilmmünster und sehen  großartig aus. Einen rein weißen Birkenpilz habe ich mal im Pfaffenhofener Stadtwald am Trimmdich-Pfad gesehen.

Welche Arten kommen hier bei uns häufig, welche selten vor?

Der Bitterröhrling ist sehr häufig und wird oft verwechselt mit dem Steinpilz, dann der Rotfußröhrling aber auch der Maronen- und Goldröhrling. Selten sind leider die   Milchbrätlinge und der Echte Pfifferling. Ihr Verschwinden kann auf komplexe Umweltgifte und die Gier des Menschen zurückgeführt werden. Zur Vermehrung müssen die Schwammerl auch  aussporen können.

Sind darunter auch Schwammerl, die man als exotisch bezeichnen könnte?

Ja, für mich ist das der gigantische Riesenbovist.

Wie viele Schwammerl darf man denn eigentlich sammeln und aus dem Wald schleppen?

Das ist von Landkreis zu Landkreis verscheiden, grundsätzlich gilt nur für den  Eigenbedarf zu sammeln, das heißt bis maximal zwei Kilo.

In früherer Zeit wurden entlang der Donau beträchtliche Mengen an  Sommertrüffeln gefunden. Haben Sie denn bei uns schon mal Trüffel gesucht und auch gefunden – und verraten Sie uns wo?

Es gibt hier tatsächlich verschiedene Trüffelarten, ich habe aber noch keine gefunden. Sie dürften aber wegen des Naturschutzes ohnehin nicht entnommen werden.

Pilze durch die Jahreszeiten

Stimmt es, wie behauptet wird, dass sich Bier beziehungsweise Alkoholgenuss und Schwammerlessen nicht miteinander vertragen?

Erst mal wäre es schade, denn der Eigengeschmack der Schwammerl würde nicht mehr so wahrgenommen. Per se ist gegen ein Glas Weiß- oder Rotwein nichts einzuwenden.  Doch man weiß noch lange nicht alles über die Wechselwirkungen. Es gibt verscheiden Arten, wo Alkohol absolut nicht passt und gefährlich werden kann. Der Faltentintling ist so eine. Drei Tage vorher und drei Tage nach seinem Genuss darf man kein alkoholhaltiges Getränk trinken.

Und darauf sind wir jetzt besonders neugierig. Was kann man denn mit Schwammerln noch alles anfangen, außer sie zu essen?

Färben mit dem Blutroten Hautkopf beispielsweise, alles Weitere verrate ich morgen bei meinem Vortrag in der Kreisbücherei.

Danke, Herr Scholz.

 

Der Schwammerlspezialist ist morgigen Donnerstag, 19. September, um 19 Uhr in der Pfaffenhofener Kreisbücherei und wird in einem kurzweiligen, mit Anekdoten angereicherten Vortrag, Lustiges, Unterhaltsames und auch Ernstes über heimische Pilze erzählen. Auch Anschauungsmaterial hat er dabei. Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei.