Silkes Quarantäne-Tagebuch #10: Essen von der Nachbarin und Gespräche mit Freunden

Zuerst kam die Nachricht, dass fünf Wochen schulfrei sind. Dann wanderte unsere Autorin mit ihrer Familie vom Tirol-Urlaub direkt in die häusliche Quarantäne. Die nahtlos in die Ausgangssperre für ganz Bayern überging. Wie lebt es sich daheim hinterm Zaun? – das erzählt sie hier täglich.

Silke Weiher
Allgemein von Silke Weiher, März 26, 2020

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Mittwoch, 25.3.2020 – Tag 10

Warten auf Nachschub

Heute ist unser Glückstag! Die Nachbarin fragt, was sie uns vom Supermarkt mitbringen soll.

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll! Klopapier ist bald alle. Die Geduld ebenfalls, aber beides wird wohl schwierig zu besorgen sein. Ich schreibe Süßigkeiten auf die Liste. Gibt es Unsichtbarkeits-Spray für die Kinder? Die Kugelbahn-Euphorie der letzten Woche ist nämlich abgeflaut. Bernhard wollte sie heute mit LEGO ködern, aber nach zehn Minuten hatten die Jungs keine Lust mehr. Stattdessen haben sie schon wieder Hunger. In den Nachrichten wird gemeldet, dass eine alte Dame aus dem Altenheim bei uns ums Eck vermisst wird. Ach deshalb sind gestern Abend die Hubschrauber über unserem Haus gekreist. Ich dachte schon, die wollen alle ins Klinikum Großhadern.

Gespräche mit Freunden

Am Nachmittag klingelt das Handy. Der Sohn meiner Freundin will mit meinem Sohn sprechen: Er vermisst seinen Kindergartenkumpel. Die beiden halten Videokonferenz über WhatsApp: Der eine: „Was machst du gerade?“ Der andere: „Ich telefoniere mit dir!“ Das Gespräch stockt, weil der Ton immer sehr verzögert reagiert. Ich bin mal gespannt, was heute Abend passiert, wenn vier Mädels gleichzeitig drauflosreden …Trotzdem ist es schön, mal ein paar andere Gesichter zu sehen. Abends um neun bin ich aufgeregter als vor einer Party. Mein Glas Wein, die Tafel Schokolade und ich sitzen vor dem Laptop und warten, dass es klingelt. Wir warten. Und warten. Weiß eigentlich jemand, wie das funktioniert, wenn man mit mehreren Personen gleichzeitig einen Videocall macht? Um fünf nach neun schreibe ich in unseren WhatsApp-Chat, wo sie bleiben, die Mädels. Um zehn nach neun haben wir es geschafft: Meine Freundinnen und ich – vereint auf dem Bildschirm. Jede ein Glas in der Hand und ein Leuchten im Gesicht. Oh, wie hab ich sie vermisst! Ich hatte eigentlich erwartet, dass wir alle durcheinander reden, nichts verstehen und ziemlich schnell wieder auflegen, weil es eben nicht dasselbe ist, als wenn man sich live sieht. Aber erst um elf lege ich glücklich, beschwipst und schweren Herzens auf. Was für ein toller Abend! Ganz anders als unsere üblichen Treffen, aber wunderschön und unvergesslich! Es war so tröstlich, sie alle gesund und munter zu sehen. Über unseren Alltag zu reden, der jetzt für jede so anders ist. Wir haben sehr viel gelacht, uns wie immer prima verstanden – überraschenderweise auch akustisch. Die Übertragung war super! Facetime zoomt die Person, die spricht, immer ein Stück größer, das hilft sehr, damit niemand unterbrochen wird. Auch Zeitverzögerung gab es kaum. Ich bin gespannt, ob das mit dem Buchclub und Zoom morgen Abend auch so gut funktioniert. Aber ich freu mich schon jetzt.

Das gibt der Kühlschrank her:

Frühstück: Osterfladen und frische Semmeln mit Marmelade – dank Morgengold-Lieferdienst!

Mittagessen: Butterbrezen mit kaltem Leberkäse.

Abendessen: Tortilla-Wraps.

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