Silkes Quarantäne-Tagebuch #11: Gewicht steigend, Stimmung sinkend

Zuerst kam die Nachricht, dass fünf Wochen schulfrei sind. Dann wanderte unsere Autorin mit ihrer Familie vom Tirol-Urlaub direkt in die häusliche Quarantäne. Die nahtlos in die Ausgangssperre für ganz Bayern überging. Wie lebt es sich daheim hinterm Zaun? – das erzählt sie hier täglich.

Silke Weiher
Allgemein von Silke Weiher, März 27, 2020

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Donnerstag, 26.3.2020, Tag 11

Stimmung sinkend

Sie lassen alles liegen. Überall. Batterien auf dem Flurboden. Bücher auf der Couch. Spielsachen im Kinderzimmer. Und Klamotten überall! Es macht mich waaaaahnsinnig. Aber ich bin auch nicht besser: Mein Laptop steht die meiste Zeit des Tages in der Küche halb auf der Herdplatte zwischen Mehl, Milch und Butter und ich arbeite, während ich parallel Kuchen backe oder Butterbrote schmiere oder Dinge in der Pfanne brutzle. Ich habe noch nie so viel anbrennen lassen wie in diesen Tagen … Mein Mann hat inzwischen das Kinderzimmer des Viertklässlers zum Hauptsitz seiner Firma erklärt und unser Sohn kann eigentlich nur noch zum Schlafen rein. Im Gegenzug hat der den Rest des Hauses zum Kinderzimmer umfunktioniert. Womit wir wieder beim Chaos wären. Wir drehen uns im Kreis. Eine logische Folge nach elf Tagen im selben Boot, äh Haus.

Aber heute haben wir endlich das „Quarantäne-Projekt Keller“ gestartet. Der Keller wird entrümpelt! Wollten wir eigentlich schon in Woche 1 in Angriff nehmen, haben wir aber nicht geschafft. Das einzige, was abends IMMER geschafft ist, sind Bernhard und ich. Aber der Keller kommt uns nicht aus, das hab ich mir heute früh geschworen und umgehend bereut. Ich denke nicht, dass wir das Chaos vor Weihnachten in den Griff bekommen.

Gewicht steigend

Gefühlt koche ich die ganze Zeit! JEDER hat IMMER Hunger hier. Ich selbst auch: Langeweile macht Appetit. Quarantäne macht nicht schlank. Gleichzeitig wird im Radio gemeldet, dass die Lieferdienste der Schulen mit Geld unterstützt werden, weil sie jetzt niemanden mehr haben, den sie beliefern können. Also, ich wüsste da jemanden! Ihr braucht nur einmal hier durch die Straße gehen und ihr seid euer Essen los!

Wir brauchen auf jeden Fall neue Beschäftigungstherapien: Lesen! Macht zwar nicht schlanker, aber auch nicht dümmer. Am Montag haben wir in zwei Buchläden aus dem Ort bestellt, die liefern. Aber die Bücher sind immer noch nicht da. Ich habe gestern schon angerufen und nachgefragt, ob vielleicht jemand die Sachen abholen soll, aber sie liefern lieber. Na, wenn das Zeug nicht bald kommt, muss ich doch auf Amazon ausweichen. „Mami, hast du schon in den Briefkasten geschaut?“, fragt mich der Viertklässler. Ähm. Guter Punkt, mein Sohn. Das Kind kommt mit einem Berg an Post zurück ins Haus – zum letzten Mal hatten wir wohl am Montag nach der Post geschaut. Rätselblöcke, Bücher, alles längst geliefert. Na, die Buchläden scheinen ihr Homeoffice besser im Griff zu haben als wir …

Das gibt der Kühlschrank her:

Frühstück: French Toast mit Ahornsirup und aufgebackene Semmeln mit Salami.

Mittagessen: Wieder mal Butterbrote.

Abendessen: Lasagne vom Metzger, Fertigpizza und dazu für jeden einen Alibi-Salat.

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