Silkes Quarantäne-Tagebuch #12: Kinder, Konferenzen und Kündigung

Zuerst kam die Nachricht, dass fünf Wochen schulfrei sind. Dann wanderte unsere Autorin mit ihrer Familie vom Tirol-Urlaub direkt in die häusliche Quarantäne. Die nahtlos in die Ausgangssperre für ganz Bayern überging. Wie lebt es sich daheim hinterm Zaun? – das erzählt sie hier täglich.

Silke Weiher
Allgemein von Silke Weiher, März 28, 2020

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Freitag, 27.3.2020, Tag 12

Kinder!

Genauso wie Bundestag und Bundesrat das Hilfspaket in Rekordzeit abgesegnet haben, winken wir jeden Tag die Anträge unserer Kinder durch: Sie brauchen mehr Süßigkeiten! Okay. Sie bitten um mehr Bildschirmzeit. Genehmigt! Sie wollen lieber spielen als aufräumen. Also gut. Wir sind gnädiger als der Papst. Für die einen bedeutet Ausgangssperre sehr viel Einschränkungen. Für unsere Kinder heißt sie Narrenfreiheit.

Konferenzen

Und es gibt schon wieder Kuchen. Die Eier sind zwar aus und ich habe vergessen, welche auf die Einkaufsliste zu setzen, aber es gibt zum Glück Rezepte ohne Ei. Ich sage nur: Blätterteig-Vanille-Streusel-Tarte. Gerade habe ich sie aus dem Ofen geholt und schon liegt das erste Stück auf meinem Teller. Hach. Kaffeepause! Die ist mir heilig, seit wir in Quarantäne sind. So heilig, dass ich darüber hinwegsehe, dass ich gar keinen Kaffee mag. Aber ich kann ja nicht schon mittags mit dem Wein anfangen. Apropos Wein: Gestern Abend hatte ich das Buchclub-Treffen. Die Gastgeberin kam zu spät, weil die Technik streikte, aber dann waren wir alle da. Über Zoom haben wir über unser Buch gesprochen, das jede von uns in den letzten vier Wochen gelesen hat. Drei Stunden lang! Danach war ich fix und fertig. Ich hatte mich ja schon am Vortag mit den anderen Mädels getroffen und war dermaßen erledigt. Heute habe ich Pause, aber morgen haben wir schon das Skype-Essen mit Bernhards Freunden. Diese ständigen Konferenzen machen mich fertig!

Kündigung

Während ich den Kaffee genieße, streiten mein Mann und mein Sohn. Der Große ist dem Papa beleidigt, weil der „voll unfair“ war. Wahrscheinlich hat Papi „Nein“ gesagt – das sind die nicht mehr gewohnt. Am Ende des Tages kündigt das Kind dem Mann die Büroräume. Laptop, Telefon und Arbeitstasche meines Mannes stellt er in den Flur vor das Kinderzimmer. An der Kinderzimmertür, hinter der mein Mann seit Montag sein Home-Office aufgeschlagen hatte, hängt ein Zettel: „Stop! Papa“ Zum Glück ist Wochenende. Jetzt hat Bernhard zwei Tage Zeit, um sich einen neuen Arbeitsplatz zu suchen.

Das gibt der Kühlschrank her:

Frühstück: Aufgetaute Waffeln und nicht ganz aufgetaute Semmeln.

Mittagessen: Wurstbrote und Kuchen.

Abendessen: Gulasch mit Kartoffelbrei und Nudeln.

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