Silkes Quarantäne-Tagebuch #13: Die Nachbarn haben Corona und wir haben Mundschutz

Zuerst kam die Nachricht, dass fünf Wochen schulfrei sind. Dann wanderte unsere Autorin mit ihrer Familie vom Tirol-Urlaub direkt in die häusliche Quarantäne. Die nahtlos in die Ausgangssperre für ganz Bayern überging. Wie lebt es sich daheim hinterm Zaun? – das erzählt sie hier täglich.

Silke Weiher
Allgemein von Silke Weiher, März 29, 2020

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Samstag, 28.3.2020, Tag 13

Die Nachbarn haben Corona

Jetzt ist es offiziell: Unsere Nachbarn haben wirklich COVID-19. Heute kam das Testergebnis – nach einer Woche warten. Somit sind sie die ersten echten Menschen, die wir kennen, die das Virus haben. Und da dachte ich die ganze Zeit, dass WIR die Gefahr sind. So hat uns die Quarantäne auch beschützt, sonst hätten wir die Nachbarn sicher getroffen. Unsere Söhne sind fasziniert von der Neuigkeit: Der Vierjährige schreit vom Trampolin mit 100 Dezibel über den Zaun zu seinem Freund: „Deine Mama hat C O R O N A !“ Jetzt weiß es auch der Rest der Siedlung. Zum Glück dürfen wir ab Montag wieder einkaufen gehen. Jetzt können wir sie mit Lebensmitteln versorgen – sie müssen ja noch einige Zeit zu Hause bleiben, auch wenn sie fast schon wieder gesund sind. Wie lange eigentlich genau? Im Netz steht 14 Tage. Aber ab wann? 14 Tage nach dem Test? 14 Tage nach den ersten Anzeichen? 14 Tage, nachdem das Ergebnis positiv ist? Ich finde trotz langer Suche keine eindeutigen Antworten.

Und wir bestellen Mundschutz

Wenn wir jetzt nicht noch Husten bekommen, dürfen wir ab Montag wieder raus. Puh, ich weiß gar nicht, ob ich das will. An Tagen, an denen das Wetter so schön ist wie heute, vermisse ich nichts. Und da draußen erwartet uns ja nicht gerade das pralle Leben. Dafür jede Menge Bakterien und Viren. Nach zwei Wochen in unserem Kokon kommt mir die Welt da draußen wild, gefährlich und unberechenbar vor. Ich bestelle uns bunten Mundschutz in einem Stoffladen. Mit Taucherbrille und Gummistiefeln müsste das gehen, oder? Doch dann verlasse ich das Haus doch früher als erwartet. Der Thai-Lieferdienst, bei dem wir bestellt haben, kann doch nicht liefern, und so hole ich das Essen spontan persönlich ab. Als ich ins Auto steige, fühle ich mich, als würde ich illegal für einen internationalen Drogenring Geschäfte drehen. Auch der Mundschutz ist noch nicht geliefert. Ich wasche mir die Hände, halte acht Meter Abstand zum Kunden, der vor mir am Tresen steht, werfe einen Schein über den Tresen, als ich an der Reihe bin, und hechte zurück ins Auto. Puh! Jetzt aber schnell nach Hause. Sicher ist sicher.

Das gibt der Kühlschrank her:

Frühstück: Osterfladen, Krapfen und frische Semmeln vom Lieferdienst.

Mittagessen: Brezen und Obstteller.

Abendessen: Ente und Thai-Curry vom Lieferdienst.

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