Silkes Quarantäne-Tagebuch #14: Deprimiert – aber nicht allein

Zuerst kam die Nachricht, dass fünf Wochen schulfrei sind. Dann wanderte unsere Autorin mit ihrer Familie vom Tirol-Urlaub direkt in die häusliche Quarantäne. Die nahtlos in die Ausgangssperre für ganz Bayern überging. Wie lebt es sich daheim hinterm Zaun? – das erzählt sie hier täglich.

Silke Weiher
Allgemein von Silke Weiher, März 30, 2020

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Sonntag, 29.3.2020, Tag 14

Deprimiert…

Heute ist mir wirklich alles zu viel. Eigentlich müsste ich bester Laune sein. Es ist Sonntag, wir dürfen morgen wieder raus! Aber ich bin am Tiefpunkt. Raus gehen heißt ja nicht Freiheit. Die Leine reicht nur bis zum nächsten Supermarkt. Und hier drin wächst mir gerade alles über den Kopf. Es hat sich so viel Arbeit angestaut. Eigentlich bräuchte ich jetzt eine Woche komplett ohne Kinder, um das zu schaffen. Aber die können sich ja nicht in Luft auflösen. Und jetzt stehen auch noch zig Geburtstage an, die nicht gefeiert werden können, aber dafür umso mehr bedacht werden müssen. Meine Freundin wird heute 40. Meine Mama am Dienstag 63. Wir wollten sie nach München ins Hotel schicken, so dass sie mal von vorne bis hinten verwöhnt wird und wir uns mit ihr in der Stadt treffen können. Alles verschoben. Stattdessen werden wir uns nicht einmal sehen. Auch unser Osteressen mit den Freunden fällt aus. Unser Osterurlaub in Österreich ist storniert. Wenn jetzt auch noch Pfingsten am Gardasee ins Wasser fällt, bin ich ein Fall für den Therapeuten.

… aber nicht allein

Aber ich bin nicht alleine: Der Kollege meines Mannes bringt die Post vorbei. Er ist extra 20 Kilometer ins Büro gefahren, um den Briefkasten zu holen und Bernhard die Werbeprospekte zu bringen. Er wäre auch 100 Kilometer gefahren, vermute ich. Die Alternative wäre gewesen, seinem Sohn zuhause Französisch beizubringen. Meine Freundin schickt ein Bild über WhatsApp: „Ich sag’s euch: Wenn die Schulen noch länger geschlossen bleiben, werden die Eltern noch vor den Forschern einen Impfstoff entwickeln!“ Ich bin dabei. Wobei das unfair ist, denn die Kinder sind genau genommen echt brav. Aber sie sind DA! Und selbst das ist mir momentan schon zu viel. Normalerweise treffe ich mich an solchen Tagen mit meinen Freundinnen in irgendeiner Bar. Aber das ist ja keine Option. Es ist erst zehn Uhr morgens.

Das gibt der Kühlschrank her:

Frühstück: Aufgebackene Semmeln und Croissants.

Mittagessen:
Reste vom Thai Curry.

Abendessen: Sushi vom Lieferdienst für die Saté-Spieße.

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