Silkes Quarantäne-Tagebuch #4: Tauschgeschäfte und Lieferschwierigkeiten

Zuerst kam die Nachricht, dass fünf Wochen schulfrei sind. Dann wanderte unsere Autorin mit ihrer Familie vom Tirol-Urlaub direkt in die häusliche Quarantäne. Die nahtlos in die Ausgangssperre für ganz Bayern überging. Wie lebt es sich daheim hinterm Zaun? – das erzählt sie hier täglich.

Silke Weiher
Reportage von Silke Weiher, März 19, 2020

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Donnerstag, 19.3.2020 – Tag 4

Tauschgeschäfte

Heute hat mir die Nachbarin sechs Orangen geschenkt! Das heißt, morgen gibt es wieder frischen O-Saft zum Frühstück! Wie hab ich mich gefreut! So sehr, dass ich ihr als Dankeschön gleich unsere letzte Packung Hefe überlassen habe. Wie hat DIE sich gefreut! Weil sie morgen Pizza machen kann, denn Hefe gibt es in ganz München wohl nicht mehr. Auch nicht bei der Ökokiste, die sie abonniert hat. Ich wollte mich gleich anmelden – dann hätten wir in den nächsten Tagen frisches Obst und Gemüse vom Bauern aus Dachau. Aber ich werde enttäuscht: Schon auf der Startseite der Amperhöfe steht, dass keine neuen Kunden mehr angenommen werden. Ich versuche es in Nandlstadt bei Schönegge. Fehlanzeige, die liefern nicht bis zu uns nach Gräfelfing. Und auch andere haben Aufnahmestopp für neue Kunden. Langsam werde ich doch nervös – wir haben noch ein paar Äpfel, eine Karotte, eine rote Beete, 8 Kartoffeln und ein paar lose Trauben. Die Sahne geht aus, Puderzucker haben wir auch nicht mehr, die Wurst ist morgen alle. Ich bin wirklich gespannt, was uns nach zwei Wochen im Supermarkt erwarten wird.

 

Lieferschwierigkeiten

Abends brauche ich eine Stunde, um mich beim Rewe-Lieferservice anzumelden und den Warenkorb zu füllen. Als ich einen Liefertermin auswählen will, sagt mir das System, dass bis 1. April alles dicht ist. Und für danach kann man noch nicht reservieren. Zum Glück kann man den fertig gepackten Einkauf auch abholen lassen. Dazu muss ich allerdings eine andere Filiale auswählen. Die liegt in einem anderen Ort. Ich finde doch noch eine bei uns in der Nähe. Aber dazu muss ich den Warenkorb wieder neu füllen… Eine weitere Stunde später habe ich erfahren, dass sämtliche Abholtermine ausgebucht sind. So kann man seine Abende auch verbringen. Aber immerhin komme ich so nicht dazu, die Nachrichten zu schauen.

Fragt sich bloß, woher wir jetzt unsere Einkäufe bekommen.

Das gibt der Kühlschrank her:

Frühstück: Zwei Krapfen und einen Hefezopf in der Gefriertruhe gefunden. Yeah! Die letzten Wurstscheiben. Himmlisch! O-Saft aus dem Tetrapack. Besser als nichts.

Mittagessen: Butterbrote und Apfelschnitze.

Abendessen: Penne mit Räucherlachs und Sahnesoße.

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