Silkes Quarantäne-Tagebuch #5: Stress, Panik, Happy End

Zuerst kam die Nachricht, dass fünf Wochen schulfrei sind. Dann wanderte unsere Autorin mit ihrer Familie vom Tirol-Urlaub direkt in die häusliche Quarantäne. Die nahtlos in die Ausgangssperre für ganz Bayern überging. Wie lebt es sich daheim hinterm Zaun? – das erzählt sie hier täglich.

Silke Weiher
Reportage von Silke Weiher, März 20, 2020

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Freitag, 20.3.2020, Tag 5

Erst Stress und dann Panik

Heute läuft’s nicht! Fängt schon beim Frühstück an:  Bernhard muss sofort ans Telefon und kommt bis nachmittags um drei nicht mehr aus dem „Büro“. Ich spiele wie immer mit den Kindern nach dem Frühstück eine Runde Siedler. Danach muss der Große den Rest des Schul-Wochenplans abarbeiten und stellt fest, dass er die letzten vier Tage viel zu wenig gemacht hat. Heute Abend muss er mit allem fertig sein – so unsere Auflage. Jetzt rödelt er. Der Kleine hat keine Hausaufgaben, also spiele ich das nächste Spiel. Um halb eins will ich endlich an den Laptop, aber dem Kleinen ist laaaangweilig und der Große braucht Hilfe, weil er nicht weiß, wie man Zirkel und Geodreieck benutzt. Der Kleine hat Hunger. Der Große hat keinen Bock mehr. Zwei Stunden später schreie ich unkontrolliert herum, weil ich als Kinderanimateurin, Erzieherin, Köchin, Lehrerin UND Texterin völlig überfordert bin.

Um drei löst mich mein Mann ab. Und bedankt sich für meine Geduld. Wenn der wüsste.

Von vier bis halb sieben tauche ich ab und schreibe. Und frage mich gleichzeitig, wie es wohl all den Alleinerziehenden geht …

Und dann ein Happy End

Abends ist alles wieder gut. Eine Freundin hat für uns im Supermarkt eingekauft. Nachdem die Ausgangssperre für Bayern verkündet wurde, strömten die Hamster noch einmal in Scharen in die Supermärkte und ich habe unser Experiment „Zwei Wochen ohne Einkauf“ überstürzt abgebrochen. Panik ist ansteckender als Corona. Die Nachbarin hat sich für uns eine Stunde beim Metzger angestellt. Es gibt Spaghetti Bolognese – die letzte Portion Nudeln aus dem Vorratsschrank, denn im Supermarkt gab es keinen Nachschub. Auch Hefe ist immer noch aus. Klopapier hatte ich gar nicht erst auf dem Zettel stehen. Aber dafür haben wir jetzt frisches Obst und Gemüse in allen Variationen: Sogar Beeren! Fühlt sich an wie Geburtstag!

Das gibt der Kühlschrank her:

Frühstück: Aufgetaute Waffeln mit frisch gepresstem O-Saft.

Mittagessen: Wurstsemmeln mit frischer Wurst vom Metzger.

Abendessen: Spaghetti Bolognese mit Parmesan!

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