Silkes Quarantäne-Tagebuch #8: Schule ist schön

Zuerst kam die Nachricht, dass fünf Wochen schulfrei sind. Dann wanderte unsere Autorin mit ihrer Familie vom Tirol-Urlaub direkt in die häusliche Quarantäne. Die nahtlos in die Ausgangssperre für ganz Bayern überging. Wie lebt es sich daheim hinterm Zaun? – das erzählt sie hier täglich.

Silke Weiher
Allgemein von Silke Weiher, März 24, 2020

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Montag, 23.3.2020 – Tag 8

Schule in Schön

15 Uhr. Das Kind rennt noch im Schlafanzug herum. Jetzt lohnt es sich auch nicht mehr, das zu ändern. Schon wieder verfliegt ein Tag. Hätte mich vorher jemand gefragt, ich hätte geschworen, dass sich die Zeit ewig zieht. Aber das Gegenteil ist der Fall: Mit Schule, Spielen, Arbeiten, Essen herzaubern und dauernd Arbeit unterbrechen laufen die Tage wie im Zeitraffer an uns vorbei. Auch das Wochenende war im Nu rum. Aber es hat gutgetan: Die Nachrichten flogen nicht ganz so schnell rein. Wir mussten uns nicht ständig entscheiden zwischen Job und Kindern. Und der Große hatte eine kleine Pause von der Schule. Doch jetzt geht es in eine neue Runde: Heute kam per Mail der neue Wochenplan der Schule. Gefühlt doppelt so viel Stoff wie letzte Woche. Ich bin mal gespannt, ob der Viertklässler sich seine Zeit diesmal besser einteilt: Einen Tag lernt er HSU, zwei Tage Mathe und zwei Tage Deutsch, sagt er. Und für Hilfsarbeiten spannt er den fünfjährigen Bruder ein: Der durfte heute alle seine Zirkelkreise in Mathe ausmalen. Hausaufgaben-Sharing sozusagen. Das Highlight ist die Anton App. Die hat die Lehrerin empfohlen, und er ist begeistert: knobelt sich durch altersgerechte Schulaufgaben und verdient sich Münzen, die er anschließend online verspielen darf – noch nie war Schule so schön!

Warten auf den Corona-Test

Unsere Nachbarn haben es nicht so gemütlich in ihrem Quarantäne-Haus. Sie warten noch auf ihr Corona-Testergebnis. Einerseits hoffen sie, dass es positiv ist, dann hätten sie es hinter sich. „Andererseits konnte ich heute Nacht nicht schlafen“, erzählt mir Annette, als wir uns draußen vor unseren Briefkästen treffen. Sie hat inzwischen Kopfschmerzen, Husten, Fieber und fragt sich, ob es noch schlimmer werden wird. Tja, da ist sie, die berühmte Angst vor der Ungewissheit. Ich kann es verstehen: Wie sich eine Grippe anfühlt, wissen wir, und das beruhigt – auch wenn es uns noch so mies geht. Ich bin auf das Ergebnis auf jeden Fall genauso gespannt wie sie.

Das gibt der Kühlschrank her:

Frühstück: Die Reste vom Butterkuchen und frische Semmeln. Der Bäcker hat wieder pünktlich geliefert.

Mittag: Butterbrote und Butterbrezen

Abends: Der Rest von den Fleischpflanzerl und den Cannelloni für uns. Reiberdatschi mit Apfelmus für die Kinder.

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