Sonntagskolumne: Flittertage dahoam – Altmühltal mit neuem Charme

Urlaub auf den Malediven? Flittern in der Karibik? Nicht dieses Jahr. Wir waren im Altmühltal.

Lisa Schwarzmüller
Kommentar von Lisa Schwarzmüller, August 9, 2020

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„Dem Fernweh folgt das Heimweh.“

Ich darf seit zwei Wochen einen Mann mein eigen nennen. Vollkommen verrückt. Wie es sich für Frischvermählte gehört, haben wir uns Ende Juli ein großes Ziel gesetzt: Flittern. Was zunächst als Zielsetzung nicht allzu groß daher kommt, hat sich dank Covid19, Aus- und Einreisebeschränkungen, Social Distancing und Kurzarbeit für uns aber zu einem kleinen Problem entwickelt. Und neben all den Dingen, die in der Welt so los sind, hat sich auch unsere eigene, kleine Welt in den vergangenen Monaten ganz schön verändert. Der Grund: Sammy.

Sammy kommt aus Griechenland, zerfleddert gerne Schachteln, liebt Naturjoghurt, hat einen Wookie namens Chewie als Lieblingsspielzeug und bleibt ganz ungern allein. Einfach mit in ein Hotel nehmen und unseren Hundemann den ganzen Tag auf dem Zimmer vor sich hin brüten zu lassen, das wäre nicht nur wenig artgerecht, sondern auch unmöglich. Sammy kann bei akutem Herzschmerz nämlich sehr laut johlen und singen. Davon abgesehen: Wäre Sammy überhaupt glücklich, so ganz weit weg von Zuhause? Wären das überhaupt entspannte Tage oder würden wir schon an Tag 2 entnervt die Heimreise antreten? Eventualitäten über Eventualitäten, die uns ganz schön ins Grübeln gebracht haben. Zwei Wochen vor unserer Hochzeit kam dann der zündende Gedanke: Warum immer in die Ferne schweifen? Warum nicht mal die nähere Umgebung erkunden? Nach einer kurzen Internetrecherche war dann auch schnell klar: Das ist es, das müssen wir machen.

Wir fahren ins Altmühltal in ein Fasshotel

Als wir Freunden und Familie von diesem Plan berichteten, ernteten wir eine Menge Gelächter. Meine Schwiegermutter dachte, wir würden sie auf den Arm nehmen. Ein Bekannter meinte: „Wofür braucht ihr ein Fasshotel, da seid ihr doch in 30 Minuten mit dem Auto dort.“ Aber trotz all der ungläubigen Blicke und Seitenhiebe – wir ließen uns von unserem Plan nicht mehr abbringen. Die Preise waren unschlagbar und im Zweifelsfall wären wir auch ganz schnell wieder zu Hause. Noch dazu: Jeden Tag draußen in der Natur herumstromern, uns von einem Biergarten zum nächsten futtern, abends die heiß gelaufenen Füße in der Altmühl kühlen und uns dann in unser total gemütliches Glamping-Fass kuscheln – für uns hörte sich das nicht weniger spannend an, als es jeder Malle-Trip oder Italien-Ausflug es sein hätte können.

Auch wenn wir also nur eine halbe Stunde Reisezeit hatten, die Erinnerungen an unseren Urlaub im Altmühltal werden wir deswegen nicht weniger schätzen als all die Neuseeland-Reisen, Kroatien-Ausflüge und Griechenland-Get-Aways. Unser Fass war nämlich so urig, am letzten Tag wollten wir es fast nicht mehr verlassen. Bei einer Wanderung zum Kloster Weltenburg durften wir das wohl himmlischste Getränk aller Zeiten verkosten – ein eiskaltes, frisches Radler. Und Sammy hatte den größten Spaß dabei, Enten und Fische in der direkt neben uns gelegenen Altmühl zu beobachten oder sich im Fass zu einem kleinen, schlafenden Knödel einzurollen. Kein Wunder, dass es so viele Menschen aus ganz Deutschland hierherzieht.

i-Tüpfelchen obendrauf: Wären wir an den Gardasee gefahren (was auch kurzzeitig zur Debatte stand), hätten wir mit unserem Auto um die 94 kg klimaschädliches CO2 ausgestoßen. Von einer Flugreise wollen wir gar nicht erst reden, da geht es nämlich ganz schnell in eine neue metrische Einheit hoch. Bis nach Beilengries müssen wir uns gerade mal etwas mehr als 7 kg CO2 Emission auf unsere Klima-Karma-Karte schreiben. Und das kombiniert mit der wunderschönen Natur und dem leckeren Essen? Ich glaube, wir werden noch öfter Urlaub daheim machen.

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