Sound-Watsch‘n #1: Bayerischer Rock mit Karin Rabhansl

Lisa Schwarzmüller
Band-Portrait von Lisa Schwarzmüller, August 22, 2019

Dir gefällt diese Musik, wenn: Stoner-Rock oder Bands wie Radiohead, Pearl Jam und Led Zepplin auf keiner deiner Playlists fehlen dürfen.

Diesen Song musst du dir unbedingt anhören: Wenn i doad bin“

 

G’statten: Karin Rabhansl

Sie ist die Frau mit den Ringelsöckchen: Der Sound von Liedermacherin Karin Rabhansl geht unter die Haut. Die Niederbayerin singt bilingual, bayerisch und hochdeutsch, beides authentisch, beides mit ihrer ganz eigenen Herangehensweise. Richtig stark werden ihre Lyrics trotzdem dann, wenn sie ihren Dialekt ins Rampenlicht stellt. „Auf Bayerisch klingt’s erdiger und man kann besser granteln. Hochdeutsch ist oft luftiger, aber härter vom Klang, dadurch auch nüchterner vom Erzählstil“, verrät die 33-Jährige. Dieses Jahr war sie mit ihrer hervorragend besetzten Band schon auf zahlreichen Bühnen, unter anderem dem Festival Holledau und dem Mainbuger Altstadtfest, so manche Haare ließ sie dabei auf den Armen zu Berge stehen. Ihre Musik ist so innovativ, so klassisch rockig und doch mit so viel Aura, dass die Gitarrenriffs und Drum-Patterns noch lange in der Magengrube nachschwingen. Mit angestaubten Bavaro-Hits und plattem Schlager hat das nichts zu tun.

Geheimrezept „Vielseitigkeit“

Dabei trifft tiefgreifende und verständliche Musik gerade einen Nerv. Auch wenn man sie abschätzig Pop-Poeten nennt, Singer/ Songwriter wie Max Giermann oder Mark Forster, die uns im Autoradio schwache Lebensplattitüden mit den immer gleichen Akkordfolgen auftischen, sind en vogue. Auch Karin startete mit einem gediegeneren Singer/Songwriter-Klang, ihre klare und durchdringende Stimme erzählt aber aus einer wesentlich authentischeren Perspektive als die ihrer Kollegen, die sich in den Deutschen-Single-Charts mittlerweile zu Hauf tummeln.

Da fällt schon mal ein grantiges „Du Arsch!“, bevor sich selbiger zum Teufel scheren soll. In den darauffolgenden Jahren wurde es für Karin dann rockiger, bis sie mit „Tod und Teufel“ (2018) einen für die bayerische Festival-Landschaft prädestinierten Ton anstimmte. Der schwankt irgendwo zwischen ätherischem Gesang  („Liachtal“) und röhrendem Rock n’Roll („Wenn I doad bin“), stimmt bei Besuchen im Altenheim traurig („Aloa“), löst bei der Begegnung mit dem wahrhaftigen Teufel alle Hemmungen. Wie bei vielen ihrer bayerischen Musikerkollegen ist es vor allem ihre Fähigkeit, wahrhaftige Geschichten zu erzählen, die ihrer Musik die nötige Finesse und Aussagekraft verleiht, ohne in den „Facebook-Sprüche-mit-Bildern“-Farbtopf des modernen Deutschpop greifen zu müssen. Karin Rabhansel und ihre Band öffnen mit ihrer Vielseitigkeit eine komplett neue Facette in der immer lauter klingenden Welt der modernen Mundart-Musik.

5 Fragen an Karin Rabhansel

 

1 | Warum sind deine Lyrics bayerisch?

Meine Lyrics sind sowohl bayerisch als auch hochdeutsch. Kommt immer drauf an, wie’s raus kommt. Auf bayerisch klingt’s erdiger und man kann besser granteln. Hochdeutsch ist oft luftiger, aber härter vom Klang, dadurch auch nüchterner vom Erzählstil. Ich find’s super spannend, weil man wunderbar damit spielen kann.

2 | Was sind deine größten, musikalischen Einflüsse? 

Mein größter musikalischer Einfluss ist im Moment die britische Musikerin PJ Harvey. In der Zeit als „Tod & Teufel“ entstanden ist, habe ich auch viel Black Sabbath, Stoner Rock (Kyuss) und Punk (Keine Zähne im Maul aber La Paloma pfeifen) gehört. Ansonsten immer wieder gerne: Radiohead, Feist, Led Zeppelin, Joni Mitchell, Regina Spektor, Sophie Hunger, Tocotronic, Element of Crime, Sheryl Crow, The Cure, Nick Cave, Sonic Youth, Violent Femmes, U.K. Subs, Girlschool, Motörhead, Rage against the Machine, Pearl Jam, usw.

3 | Wie ist euer Stil entstanden?

Schon also ich die Songs für „Tod & Teufel“ geschrieben habe, habe ich gemerkt: Oh, okay, das geht dieses Mal in eine ganz neue Richtung. Es wird rockiger und zum Teil auch etwas düsterer von den Themen. Dann haben uns im Studio eingeschlossen und viel zusammen am Arrangement gebastelt.

4 | Habt ihr Bedenken, dass das Thema Dialekt euch in eurer Zielgruppe limitiert?

Nö, eigentlich gar nicht. Letztens haben wir ein Festival in Dresden gespielt und die fanden die bayrischen Sachen super. Natürlich hatten wir da auch mehr hochdeutsche Songs im Programm, aber wenn man den Leuten kurz was zum Dialekt-Song erklärt, klappt’s auch mit der Verständlichkeit. Und über die Musik geht natürlich auch immer sehr viel.

5 | Wie wichtig ist euch das Thema Dialekt?

Der Dialekt ist sehr wichtig für meine Musik. Manche Songs würden einfach nicht so wirken, wenn sie auf Hochdeutsch oder Englisch getextet werden. „Wenn I doad bin“ z.B. hat dieses Erdige, Heimat-Bluesige auf jeden Fall wegen dem Dialekt. Aufgewachsen in Niederbayern gehört das einfach zu meinen Wurzeln. Du kriegst zwar das Mädchen aus dem Dorf, aber das Dorf nicht aus dem Mädchen.