Soundwatsch’n #3 Boarisch Soul mit Ohrange

Lisa Schwarzmüller
Band-Portrait von Lisa Schwarzmüller, Oktober 9, 2019

Dir gefällt diese Musik, wenn: Clueso, Wanda oder Jason Mraz deine Seele zum Klingen bringen.

Diesen Song musst du dir unbedingt anhören: Diva

„Streckenweis fühlt sichs o, ois dad I automatisch handeln und durch mei Leben wandeln wia a gloane Figur in am Videospui.“

Ohrange

Bromance mit G’fui

Manuel Meier und Sebastian Schierlinger bezeichnen ihre Musik als Love-Folk-Pop, besser kann man sie wohl auch nicht ausdrücken. Was die beiden Jungs da auf Gitarre und Percussion auf die Bühne bringen täuscht über die Tatsache hinweg, dass sie nur zu zweit sind – Pedalboard und Djembe sei Dank. Neben wunderbarem Gesang  überzeugen sie mit einer liebevollen Harmonie, die sich bei Live-Auftritten gern mal über das gesamte Publikum ausbreitet. Ihre Texte gehen dabei ins Herz, sind melancholisch und strahlen Weisheit aus, wenn Manuel mit seinem starken Bariton und Sebastian in zweiter Stimme mit geschlossenen Augen und verträumtem Lächeln die Boxen zum Klingen bringen. Nicht nur musikalisch verstehen sie sich dabei blind. Auf der Bühne drücken sie immer wieder ihre Zuneigung zueinander aus und zelebrieren ihre „Bromance“, die sie in über 10 Jahren Bandgeschichte schon durch dick und dünn gehen ließ und die sie in regelmäßigen „Brobesessions“ pflegen. Noch dazu sind beiden sympathischen Dudes bekennende Weihnachts-Fans, was sie schon seit Jahren zu ihrer eigenen Interpretation von Weihnachtsliedern wie „Es wird scho glei dumper“ in Weihnachts-Konzerten animiert. Man sieht und hört – so recht lassen sich die beiden nicht in eine Schublade stecken und genau das macht sie am Ende so wunderbar erfrischend.

4 1/2 Fragen an Manuel von Ohrange

1 1/2| Warum sind eure Lyrics auf bayerisch? Verändert das die Art, wie ihr Musik schreibt?

Wir haben auf Hochdeutsch angefangen und mit Ohrange knapp vier Jahre hochdeutsche Musik gemacht. Irgendwann kam der Moment, wo wir gemerkt haben, wie gut das Bayerische zu uns passt – ausgelöst in erster Linie durch den Weihnachtssong „Es wird scho glei dumper“.  Ich dachte da: „Wow, irgendwie fühlt sich das viel schöner an.“ Es war sehr nah an mir selber dran. Und so kam es dann dazu, dass ich die nächsten Songs einfach mal auf Bayerisch gespielt habe. Das ging voll locker von der Hand. Bei Tinder würde man sagen: Das war ein Match! Die Art und Weise, wie ich Musik schreibe, hat das auch sehr verändert. Ich muss weniger drüber nachdenken, wie ich etwas formuliere.

2| Was sind eure größten musikalischen Einflüsse?

Erlebnisse, Empfindungen, Emotionen, die man in sich trägt. Ich brauche zum Schreiben immer etwas, das mich bewegt, eine persönliche Note. Rein musikalisch hat man natürlich seine Helden, das fing mit den Red Hot Chilli Peppers, Jack Johnson, Jason Mraz und John Mayer an. Aber das sind am Ende eigentlich auch nur große Namen. Ich höre wahnsinnig viele verschiedene Sachen und bin nie limitiert auf ein Genre. Und was man auch nicht vergessen darf ist Ruhe. Ich kann nur schreiben, wenn ich Ruhe hab und wenn ich meine Gedanken mal fließen lassen kann. Und auch Hubert von Goisern war für mich ein wichtiger musikalischer Einfluss. Den hab ich früher immer gehört, wenn ich mit meiner Mama in die Berge gefahren bin.

3| Wie ist euer Stil entstanden?

Wir wollten uns einfach nie limitieren. Ich schreib die Songs, wie ich grade will. Und wenn das eine Ballade ist, ist das eine Ballade. Und wenn der nächste Song rockiger ist, dann ist er rockiger. Auf unserem aktuellen Album gibt es einen Song, der heißt „Obacht“, das ist ein klassisches Liedermacher-Ding, mit fast schon gesprochenem Text. So eine Vielfältigkeit macht uns aus, wir wollen nicht klingen wie die 15. Kopie eines Albums oder Künstlers, die man schon hundert Mal gehört hat.

4| Wie wichtig ist euch das Thema Dialekt?

Ich hätte früher nie gedacht, dass ich mal im Dialekt schreiben oder singen werde. Aber es gehörte zu meiner persönlichen Entwicklung dazu, es war einfach in mir drin und hat mir geholfen einen Teil von mir selbst zu finden. Wir haben auch beide viel mit Kids zu tun, Basti ist ja Erzieher und hat eigene Kinder. Da merkt man, dass wenige Kinder noch Dialekt sprechen. Das ist voll schade. Wenn wir irgendwo anders sind, feiern wir das total, dass die Leute echt sind und in ihrer eigenen Sprache sprechen. Und in unserer eigenen Heimat fangen wir an, den Dialekt weg zu trainieren. Aber am Ende muss es natürlich jeder für sich persönlich entscheiden.