Weihnachtskrimi: Stille Nacht, eisige Nacht – Teil #11

Lesen und Spenden - mit dem Hallertauer Adventskrimi von Christiane Fux! Begleitet Kommissar Reineder durch seinen mysteriösen Fall, die Hallertau und unsere 24 Türchen. Und wenn es euch gefallen hat, schließt euch unserer Autorin an, die ihr Honorar ganz im Geiste der Weihnacht für ein Kinderhospiz spendet.

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Allgemein von hallertau.de, Dezember 11, 2019

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Teil 11

Kommissar Reineder lag auf seiner Seite des ehelichen Bettes und konnte nicht schlafen. Zum einen, weil die Bibi erklärt hatte, heute Nacht in geheimer Mission zu einem illegalen Spielklub loszuziehen, um den Plastiktütenmann aufzuspüren. Und obwohl sie ihm versprochen hatte, diesen keinesfalls aufzuscheuchen, sondern nur seine Identität herauszufinden, bereitete das dem Kommissar Kopfschmerzen.
Immerhin wurde der Mann „der Metzger“ genannt, wie Bibi berichtet hatte. In Kombination mit der toten Hand, die gut gekühlt in der Rechtsmedizin ruhte, ergab das ein unheilvolles Bild. Vielleicht hatte die Bibi doch recht mit ihrer Idee, dass eine Entführung hinter der Sache mit der abgetrennten Hand steckte. Wenn der Metzger tatsächlich Spielschulden beim Buddha hatte und so skrupellos war, wie sein Spitzname vermuten ließ, hatte er dem Opfer vielleicht wirklich ein Körperteil entfernt, um es als Druckmittel gegen zahlungszögerliche Angehörige zu verwenden. Nur wollte dazu nicht passen, dass die Hand vergraben gewesen war, bevor  die Wildsau sie ausgegraben hatte. Ob ein Video der Amputation tatsächlich ausreichen würde, wie die Bibi glaubte? Reineder wälzte sich ruhelos auf die Seite.

Neben den Gedanken an die Bibi hielt ihn noch eine andere, private Sorge wach. Eine Sorge, die ihn im Verlauf seiner Ehe immer begleitet hatte. Meist nur unterschwellig, doch manchmal türmte sie sich enorm auf. So schlimm wie heute war es noch nie gewesen. Kurzum: Reineder fürchtete, dass seine Frau sich in einen anderen Mann verguckt hatte. Nach 13 Ehejahren war dieser Gedanke nicht abwegig und schon gar nicht, wenn er, wie heute Abend, einen heimlichen Vergleich anstellte zwischen ihr und ihm. In ihr vereinte sich das Temperament einer italienischen Mutter mit der zierlichen Anmut eines koreanischen Vaters. Reineder selbst hingegen sah, abgesehen von seinen verblüffend blauen Augen, ziemlich durchschnittlich aus. Der Bauchansatz sowie das zunehmend graue Haar trugen nicht dazu bei, die optische Bilanz zu seinen Gunsten zu verbessern. Ganz zu schweigen davon, dass Kimmi eine Professur für Komposition an der Münchener Musikhochschule bekleidete und etwa doppelt so viel verdiente wie ein Kriminalkommissar. Nach seiner Versetzung war sie klaglos mit ihm in die Hallertau gezogen, obwohl sie nun pendeln musste. „Was willst du bloß mit mir altem Zausel“, fragte er sie mitunter in einem Moment der Schwäche. „Ich liebe dich wegen deiner schönen blauen Augen“, pflegte sie dann in liebevoller Ungeduld zu sagen.

Als er am Abend heimgekommen war, hatte er sie in ein Telefonat vertieft vorgefunden. Und da war es offensichtlich um einen Mann gegangen. „Er ist wirklich wahnsinnig süß“, hatte sie gesagt. „Ich kann es kaum erwarten, ihn morgen wiederzusehen.“ Noch verdächtiger war jedoch, wie sie zusammenzuckte, als sie ihn bemerkte. Sie hatte ihn mechanisch angelächelt und dann das Telefonat mit ihrer besten Freundin Susi hastig beendet. Und das war noch nicht alles: Beim Abendessen (frische Pasta mit Trüffeln) war eine Textnachricht auf ihrem Handy eingegangen, als sie eine Flasche Wasser aus der Küche holte. Reineder war nicht umhingekommen auf das Display zu linsen. Und da stand doch tatsächlich: „Morgen 18.00 Uhr. Ich freue mich!!!“ Der Absender war ein gewisser Benedict. Benedict, das klang irgendwie vornehm und eher nach einem jüngeren Typen. Vor Reineders Augen erschien ein begabtes Musikerbürschlein aus einem ihrer Kurse mit engelsgleichen Locken. Er schüttelte den Kopf. „Mach dich nicht verrückt, du Depp“, murmelte er. Aber der Appetit auf die Spaghetti war ihm vergangen.
Später im Bett hatte er dann den kapitalen Fehler begangen, seine Frau nach ihren Plänen für den nächsten Abend zu fragen. „Oh, ich treff mich mit der Susi“, hatte seine Frau gemurmelt und war dann selig entschlummert. Von wegen Susi! Und so lag Reineder auch um 00:43 Uhr noch wach, als eine Nachricht von der Kollegin Bibi auf dem Mobiltelefon neben seinem Bett aufglomm. Der Kommissar hielt sich das Gerät vor die Augen. ‚Verdammte Axt‘, dachte er.


Die Autorin

Christine Fux (zur Website), aufgewachsen in Hamburg, lebt und schreibt seit mehr als 20 Jahren in München. Dank ortskundiger Freunde ist ihr inzwischen auch der besondere Charme der Hallertau vertraut. Die Medizinjournalistin hat bislang vier Kriminalromane rund um den ermittelnden Bestatter Theo Matthies im Piper-Verlag veröffentlicht. Nebenbei strickt sie raffinierte Dinnerkrimispiele für zuhause unter der Marke „Mörderische Dinnerparty“.

Das gesamte Honorar für diesen Adventskalender geht als Spende an die Stiftung „Ambulantes Kinderhospiz München“. Die in ganz Bayern tätigen Helfer unterstützen Familien mit schwerst- und todkranken Kindern, damit die kleinen Patienten statt im Krankenhaus im Kreise ihrer Familien versorgt werden können.

Wenn auch du dieses wichtige Projekt unterstützen möchtest, kannst du dich hier informieren: www.kinderhospiz-muenchen.de. Oder spende direkt und unkompliziert unter unserer personalisierten Spendenaktion „Lesen und Spenden – mit dem Hallertauer Adventskrimi!“.

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