Weihnachtskrimi: Stille Nacht, eisige Nacht – Teil #12

Lesen und Spenden - mit dem Hallertauer Adventskrimi von Christiane Fux! Begleitet Kommissar Reineder durch seinen mysteriösen Fall, die Hallertau und unsere 24 Türchen. Und wenn es euch gefallen hat, schließt euch unserer Autorin an, die ihr Honorar ganz im Geiste der Weihnacht für ein Kinderhospiz spendet.

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Allgemein von hallertau.de, Dezember 12, 2019

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Teil 12

Der Buddha thronte auch an diesem Morgen wieder hinter seinem Tresen. Reineder stellte sich vor, dass er seinen Platz nie verließ, nicht einmal, um zu schlafen. Wie eine fette Spinne saß er hier und hielt die Fäden seines kriminellen Netzes in der Hand. Na, um den Buddha würden sie sich ein anderes Mal kümmern. Jetzt hatte die Hand Vorrang.
Die Bibi hatte ihn zuvor im Kommissariat über die Entwicklungen des vorangegangenen Abends unterrichtet. „Kruzifix! Er ist mir durch die Lappen gegangen“, hatte es nur in der nächtlichen Textnachricht geheißen. Dahinter hatte ein wütend explodierender Smiley gestanden.
„Ich konnte ja schlecht mitten im Spiel aufstehen und weglaufen, als der Typ abgedampft ist“, hatte sie zerknirscht gesagt. Reineder fiel auf, dass die rostroten Locken heute besonders widerspenstig unter ihrer grünen Mütze hervorstanden. „Das wäre viel zu auffällig gewesen.“ Ganz abgesehen davon, dass sie einen Superlauf beim Schafkopfen hatte, was sie an dieser Stelle aber nicht weiter erwähnte. Der Verdächtige war gegen Mitternacht aufgebrochen. Bibi hatte ihn von ihrem Platz am Nebentisch aus den ganzen Abend gut im Blick gehabt. Er hatte offenbar eine ziemliche Summe verloren und war wütend geworden, als seine Mitspieler die Runde für beendet erklärten. Offenbar hoffte er, wie alle Spieler, seinen Verlust mit einem weiteren Spiel wettmachen zu können. Schließlich hatten die anderen den noch immer fluchenden Verlierer hinauskomplimentiert. Ihr eigener Tisch war zu diesem Zeitpunkt noch mitten im Spiel, und so hatte sie ihm nur hinterherschauen können. Erst eine gute halbe Stunde später war auch in ihrer Runde Schluss gewesen. Aber da war der Metzger längst weg.
„Gut gespielt“, hatte der Mafiapate anerkennend gesagt. „Ihr Gewinn wird Ihnen in den nächsten Tagen zugehen. Sie haben sicher Verständnis dafür, dass wir Auszahlungen nicht hier vornehmen.“ Bibi hatte genickt. Sie war gespannt, über welche dunklen Kanäle die Übergabe laufen würde. Dass sie die Identität des Tütenmanns nicht herausgefunden hatte, wurmte sie.
„Wir haben einen Spitznamen und wissen, wie er aussieht“, hatte Reineder gesagt. „Das sollte reichen.“
Und so waren sie erneut beim Buddha aufgeschlagen.
„Was kann ich heute für Sie tun?“, fragte der, als die beiden Kommissare vor ihm standen.
„Es geht noch immer um den Herrn mit der Plastiktüte.“
„Haben Sie den noch immer nicht gefunden?“
„Oh, wir sind sicher, dass Sie uns dabei helfen können.“ Bibi lächelte süß und giftig.
„Der Metzger. Sagt ihnen der Spitzname etwas?“, ergänzte Reineder.
Der Buddha legte die Stirn in Falten und gab sich den Anschein intensiven Nachsinnens. „Tut mir leid“, sagte er dann. „Der Herr ist mir nicht bekannt.“
„Anfang vierzig, ungefähr eins neunzig, circa 100 Kilo, dunkelbraunes Haar“, ratterte Bibi die Beschreibung herunter.
„Das trifft auf viele zu.“
„… und ein fehlendes Glied am rechten Ringfinger“, ergänzte sie. „Kommen Sie, so was fällt einem doch ins Auge.“
„Tut mir leid.“ Der Buddha schien sich zu amüsieren.
„Wissen‘s was, dann setzen wir uns hier hin und warten auf den Herren. Er scheint ja ziemlich regelmäßig bei ihnen zu verkehren.“ Bibi schlenderte hinüber zu einem Getränkeautomaten, kramte Geld hervor und zog zwei Cola – eine original und eine zuckerfreie. Letztere warf sie dem Kommissar zu. „Bist eingeladen“, sagte sie großzügig. Dann setzt sie sich an einen der Tische und kramte eine Packung Lebkuchenherzen aus der Tasche.
Der Buddha verfolgte ihr Tun belustigt.
Eine halbe Stunde später hatten sie – vor allem Bibi – sämtliche Lebkuchenherzen verputzt und beim Pferderennen durch das Setzen auf einen Außenseiter mit dem vielversprechenden Namen Flying Doughnut 75 Euro gewonnen. Die übrige Kundschaft hatte sich, bis auf einen älteren Herrn mit gewaltigem Schnurrbart, inzwischen verzupft. In Anwesenheit der Polizei fühlten sich auch Leute unbehaglich, die nichts auf dem Kerbholz hatten.
Inzwischen gingen die beiden Polizisten dem Buddha zunehmend auf die Nerven. Zwar war ihm klar, dass die beiden ihre Belagerung nicht endlos ausdehnen konnten. Aber ihre Anwesenheit war schlecht fürs Geschäft. Vor allem aber amüsierte ihn das Spielchen nicht mehr so recht.
„Vielleicht ist mir doch eingefallen, wie der Mann heißen könnte“, sagte er.


Die Autorin

Christine Fux (zur Website), aufgewachsen in Hamburg, lebt und schreibt seit mehr als 20 Jahren in München. Dank ortskundiger Freunde ist ihr inzwischen auch der besondere Charme der Hallertau vertraut. Die Medizinjournalistin hat bislang vier Kriminalromane rund um den ermittelnden Bestatter Theo Matthies im Piper-Verlag veröffentlicht. Nebenbei strickt sie raffinierte Dinnerkrimispiele für zuhause unter der Marke „Mörderische Dinnerparty“.

Das gesamte Honorar für diesen Adventskalender geht als Spende an die Stiftung „Ambulantes Kinderhospiz München“. Die in ganz Bayern tätigen Helfer unterstützen Familien mit schwerst- und todkranken Kindern, damit die kleinen Patienten statt im Krankenhaus im Kreise ihrer Familien versorgt werden können.

Wenn auch du dieses wichtige Projekt unterstützen möchtest, kannst du dich hier informieren: www.kinderhospiz-muenchen.de. Oder spende direkt und unkompliziert unter unserer personalisierten Spendenaktion „Lesen und Spenden – mit dem Hallertauer Adventskrimi!“.

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