Weihnachtskrimi: Stille Nacht, eisige Nacht – Teil #13

Lesen und Spenden - mit dem Hallertauer Adventskrimi von Christiane Fux! Begleitet Kommissar Reineder durch seinen mysteriösen Fall, die Hallertau und unsere 24 Türchen. Und wenn es euch gefallen hat, schließt euch unserer Autorin an, die ihr Honorar ganz im Geiste der Weihnacht für ein Kinderhospiz spendet.

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Allgemein von hallertau.de, Dezember 13, 2019

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Teil 13

„Was, hier?“ Kommissarin Bibiana Berg runzelte die Stirn. Langjährige polizeiliche Erfahrung hatte sie zwar gelehrt, dass man vom Äußeren eines Menschen nicht auf sein Wesen oder seinen Lebensstil schließen sollte, aber eine so gediegene Wohnsituation hätte sie dem leicht verwahrlosten Mann mit dem finsteren Blick, den sie gestern beim Schafkopfen getroffen hatte, nicht zugetraut. Es handelte sich um ein Einfamilienhaus in der Bürgermeister-Kiefer-Straße. Von der Kurve aus konnte man einen Blick auf die sanft gewellte Landschaft erhaschen. In die Weiß- und Grautöne brachten lediglich die letzten verbliebenen Herbstblätter ein paar Farbtupfer. Das Idyll lag am Rand der beschaulichen Ortschaft Au in der Hallertau. Diese war berühmt für ihre Schlossbrauerei, die das Stadtbild mit ihrem Türmchen prägte. Trotz der prominenten Lage hatte man Mühe, einen Pächter zu finden, der sich in der Gastwirtschaft halten konnte. Auch die Brauerei, eine urbayrische Institution, hatte inzwischen einen chinesischen Investor, was für einiges Aufsehen gesorgt hatte.
An der Tür des Hauses, vor dem die Kommissare parkten, hing ein adventlich geschmückter Kranz. Er bildete einen absurden Kontrast zu dem zähnefletschenden Halloween-Kürbis, der noch immer auf einer Balkonbrüstung kauerte. Auf dem Rasen neben dem Haus stand ein großes Trampolin.
Die polizeilichen Recherchen hatten ergeben, dass Johannes Brunner – alias der Metzger – 42 Jahre alt war, verheiratet und hier mit seiner Frau und einer 11-jährigen Tochter lebte.
„Ich finde nicht, dass es hier aussieht wie bei einem Handabschneider“, sagte Bibi.
„Wenn jemand was zu verlieren hat, dann brennt ihm schneller die Sicherung durch“, erwiderte Reineder. „Und Brunner hat offensichtlich was zu verlieren.“ Er deutete auf das Haus. „Der Mann ist ein notorischer Spieler“, fuhr er fort. „Du hast gesagt, dass er gestern wieder eine erhebliche Summe verloren hat.“ Tatsächlich war der Metzger im Verlauf des Schafkopfabends immer fahriger geworden. Und hatte daraufhin noch mehr verloren. Schafkopfen war wie Poker: Es kam nicht nur auf ein gutes Blatt an. Entscheidend waren vor allem die richtige Strategie, eine psychologische Kriegsführung und das sprichwörtliche Pokerface. Und genau daran schien es beim Metzger zu hapern. Nach dem letzten Spiel hatte er die Karten auf den Tisch geschmissen und war daraufhin von zwei kräftigen Männern aus der geheimen Schafkopfhochburg eskortiert worden.
„Dann wollen wir mal“, sagt Reineder und öffnete die Autotür. „Übrigens, du hast noch Schokolade am Kinn.“ Bibi drehte sich den Rückspiegel zu, damit sie sich anschauen konnte, und wischte die Reste ab. Dann folgte sie ihm.
Auf ihr Klingeln öffnete eine Frau, die Ende dreißig sein mochte. „Ja bitte?“, fragte sie. Reineder hielt ihr seinen Polizeiausweis hin. „Reineder, Kriminalpolizei“, sagte er. „Frau Brunner?“
Die Frau zog schützend ihre Strickjacke über der Brust zusammen. „Worum geht es?“
„Wir suchen Ihren Mann.“
„Da sind Sie nicht die einzigen.“


Die Autorin

Christine Fux (zur Website), aufgewachsen in Hamburg, lebt und schreibt seit mehr als 20 Jahren in München. Dank ortskundiger Freunde ist ihr inzwischen auch der besondere Charme der Hallertau vertraut. Die Medizinjournalistin hat bislang vier Kriminalromane rund um den ermittelnden Bestatter Theo Matthies im Piper-Verlag veröffentlicht. Nebenbei strickt sie raffinierte Dinnerkrimispiele für zuhause unter der Marke „Mörderische Dinnerparty“.

Das gesamte Honorar für diesen Adventskalender geht als Spende an die Stiftung „Ambulantes Kinderhospiz München“. Die in ganz Bayern tätigen Helfer unterstützen Familien mit schwerst- und todkranken Kindern, damit die kleinen Patienten statt im Krankenhaus im Kreise ihrer Familien versorgt werden können.

Wenn auch du dieses wichtige Projekt unterstützen möchtest, kannst du dich hier informieren: www.kinderhospiz-muenchen.de. Oder spende direkt und unkompliziert unter unserer personalisierten Spendenaktion „Lesen und Spenden – mit dem Hallertauer Adventskrimi!“.

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