Weihnachtskrimi: Stille Nacht, eisige Nacht – Teil #15

Lesen und Spenden - mit dem Hallertauer Adventskrimi von Christiane Fux! Begleitet Kommissar Reineder durch seinen mysteriösen Fall, die Hallertau und unsere 24 Türchen. Und wenn es euch gefallen hat, schließt euch unserer Autorin an, die ihr Honorar ganz im Geiste der Weihnacht für ein Kinderhospiz spendet.

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Allgemein von hallertau.de, Dezember 15, 2019

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Teil 15

Auf dem Pfaffenhofener Christkindlmarkt herrschte unter dem Motto „Wichtlzeit und Weihnachtszauber“ vorweihnachtliches Getümmel. Die historischen Hausfassaden rings um den Marktplatz waren farbenfroh illuminiert. Reineder schob sich durch die Menschenmassen. Vor allem die Buden mit Essbarem und Glühwein waren dicht umlagert: extralange Bratwürste, Baumstriezel, Reiberdatschi, heiße Maroni. Dazwischen Buden, die allerlei weihnachtliches Kunsthandwerk feilboten. Reineder ignorierte seinen knurrenden Magen. Er war schließlich nicht zum Vergnügen hier. Er hielt Ausschau nach seiner Frau. Daheim hatte er einen Zettel von ihr auf dem Küchentisch gefunden. „Bin mit Susi auf dem Weihnachtsmarkt in Pfaffenhofen“, hatte da gestanden. Mit der Susi! Und was bitteschön war mit diesem ominösen Benedict, mit dem sie sich heute verabredet hatte? Reineder schämte sich zwar, seiner Frau so hinterherzuspionieren, aber tatenlos zuhause zu sitzen, abzuwarten und Nägel zu kauen, war auch keine Option.
Auch die Suche nach dem Metzger hatte sich festgefahren. „Der wohnt schon seit über einem Jahr nicht mehr hier“, hatte die Ehefrau erklärt. Sie habe ihn rausgeschmissen, nachdem er ihren Schmuck beim Pfandleiher verhökert hatte. „Da waren noch Sachen von meiner Großmutter dabei“, hatte sie erbost gesagt. „Und all das, um seine Spielschulden zu bezahlen!“ X-mal habe er ihr hoch und heilig versprochen, die Zockerei sein zu lassen! „Aber das hat er einfach nicht gepackt. Ich hab ihm ja gesagt, er soll eine Therapie machen. Das hat er auch, aber die hat er auch bald wieder geschmissen. Solange er nicht klarkommt, braucht er nicht wiederzukommen, hab ich ihm gesagt. Zum Glück gehört das Haus mir, sonst hätte er das auch schon verspielt. Genau wie seine Praxis.“
„Was für eine Praxis?“, hatte Reineder sich in den Redeschwall gedrängt.
„Na, er ist doch Tierarzt – oder besser – er war es. Die Praxis war hoch verschuldet, da sitzt längst ein anderer drin.“
Tierarzt – bei dem Hinweis hatten sich Bibis und Reineders Blicke bedeutungsvoll getroffen. „So ein Tierarzt hat die Fähigkeiten und das Wissen für eine sachgerechte Amputation“, hatte die Bibi gesagt, als sie wieder im Auto saßen. Denn dass da kein Amateur am Werk gewesen war, das hatte ihnen der Rechtsmediziner mit auf den Weg gegeben. „Außerdem wissen wir jetzt, wie er zu seinem Spitznamen gekommen ist: der Metzger!“, fuhr sie fort.
„Na, für einen Tierarzt ist das nicht gerade eine Ehrenbezeichnung. Der wäre wohl auch ohne Spielschulden pleite gegangen“, hatte Reineder gemutmaßt. „Welche alte Dame bringt schon ihren Mops zum Metzger?“
„Glaubst du der Frau, dass sie nicht weiß, wo ihr Mann steckt?“
„Ich glaube, die hat so die Schnauze voll von ihm, dass sie sich darüber keine Gedanken macht.“ Also hatten sie den Metzger alias Johannes Brunner zur Fahndung ausgeschrieben. Was es mit der Hand auf sich hatte, blieb weiterhin rätselhaft. Niemand hatte eine Entführung angezeigt und es gab auch keine Vermisstenmeldung, die auch nur halbwegs zu den amputierten Gliedmaßen in der Rechtsmedizin passte. So blieb ihnen nichts anderes übrig als abzuwarten.

Reineder wurde abrupt aus seinen Gedanken gerissen, als ein angesäuselter Mann mit Rentiergeweihmütze ihn anrempelte. Dabei kollidierte dessen senfverzierte Bratwurst mit Reineders nagelneuer Daunenjacke. Ein fettiger gelber Fleck breitete sich darauf aus. „Entschuldigen Sie, mein Herr“, sagte der Mann mit starkem osteuropäischen Akzent, aber in einwandfreiem Schuldeutsch. „Ich übernehme die – Bezahlung für die Waschung.“
„Passt schon“, sagte Reineder zerstreut, „die kommt in die Waschmaschine.“ Er kämpfte sich weiter, suchte Gang um Gang systematisch ab. Es war inzwischen schon nach neun Uhr. Was sollte er machen, wenn er seine Frau nicht fand? Er wollte Kimmi nicht anrufen, sondern sie unvorbereitet antreffen. Auf frischer Tat ertappen, wenn da etwas mit diesem Benedict lief. Er blieb stehen. „Was treibst du hier eigentlich, Reineder, du alter Depp?“, sagte er zu sich. Zog sein Handy hervor, um jetzt doch seine Frau anzurufen. Auf dem Display wurde eine Mailboxnachricht von einer anonymen Nummer angezeigt. Reineder hörte sie ab. „Na also“, sagte er dann.


Die Autorin

Christine Fux (zur Website), aufgewachsen in Hamburg, lebt und schreibt seit mehr als 20 Jahren in München. Dank ortskundiger Freunde ist ihr inzwischen auch der besondere Charme der Hallertau vertraut. Die Medizinjournalistin hat bislang vier Kriminalromane rund um den ermittelnden Bestatter Theo Matthies im Piper-Verlag veröffentlicht. Nebenbei strickt sie raffinierte Dinnerkrimispiele für zuhause unter der Marke „Mörderische Dinnerparty“.

Das gesamte Honorar für diesen Adventskalender geht als Spende an die Stiftung „Ambulantes Kinderhospiz München“. Die in ganz Bayern tätigen Helfer unterstützen Familien mit schwerst- und todkranken Kindern, damit die kleinen Patienten statt im Krankenhaus im Kreise ihrer Familien versorgt werden können.

Wenn auch du dieses wichtige Projekt unterstützen möchtest, kannst du dich hier informieren: www.kinderhospiz-muenchen.de. Oder spende direkt und unkompliziert unter unserer personalisierten Spendenaktion „Lesen und Spenden – mit dem Hallertauer Adventskrimi!“.

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