Weihnachtskrimi: Stille Nacht, eisige Nacht – Teil #16

Lesen und Spenden - mit dem Hallertauer Adventskrimi von Christiane Fux! Begleitet Kommissar Reineder durch seinen mysteriösen Fall, die Hallertau und unsere 24 Türchen. Und wenn es euch gefallen hat, schließt euch unserer Autorin an, die ihr Honorar ganz im Geiste der Weihnacht für ein Kinderhospiz spendet.

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Allgemein von hallertau.de, Dezember 16, 2019

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Teil 16

Der Kommissar erschrak, als sich zwei behandschuhte Hände von hinten auf seine Augen legten. „Erwischt“, sagte eine Stimme an seinem Ohr. „Eheweib“, sagte der Kommissar, „erschreck mich nicht so, sonst bringst mich noch ins Grab.“ Sie lachte und ließ ihn los. Da stand sie vor ihm. Mandelförmige braune Augen strahlten ihn über hohen Wangenknochen an. Die langen schwarzen Haare ringelten sich über den weißen Wollmantel, den nie – Reineder wusste es aus Erfahrung – ein Fleck verunzieren würde. „Ist das Senf auf deiner Schulter?“, fragte sie. „Besser du hältst dich fern von mir“, sagte er. „Auf keinen Fall.“ Sie hakte sich bei ihm unter. „Was für eine schöne Überraschung.“ Sie sah ihn von der Seite an. „Wo doch Menschenansammlungen gar nicht dein Ding sind.“
„So würde ich das nicht sagen.“ Das Problem waren nicht die Menschen, sondern dass in einer Kreisstadt viel zu viele den Kommissar erkannten. Und da kam es auch schon: „Guten Tag, Herr Kommissar.“ Ein rundliches, dick in einen Schneeoverall verpacktes Wesen baute sich vor ihm auf. Dass es eine Frau war, konnte er angesichts der Kleiderschichten nur ahnen. Er erkannte sie an der Stimme. Die wilde Walli gehörte zu den Stammkunden im Revier. Sie tauchte regelmäßig auf, um die Landung von Ufos in ihrem Vorgarten oder eine Überwachung durch den KGB anzuzeigen. „Haben Sie schon einen Ermittlungserfolg erzielt?“
Reineder hatte keinen Schimmer, wovon sie sprach. „Wir sind auf einem guten Wege“, raunte er, „aber behalten Sie das bitte für sich.“
Die wilde Walli strahlte. „Ehrenwort.“
„Entschuldigen Sie, meine Liebe, aber mein Mann und ich haben noch eine Verabredung“, sagte seine Frau freundlich und zog ihn in Richtung Crêpes-Stand. Reineder fühlte, wie die schwarzen Gedanken zur ehelichen Untreue sich im weihnachtlichen Duftgemisch aus Krapfen, Zimt und Glühwein verflüchtigten.
„Das ist der Benni“, sagte seine Frau, als sie am Stand angekommen waren. „Wir kennen uns vom Kirchenchor.“
„Servus“, sagte der Benni. Er war mindestens zehn Zentimeter größer als Reineder und ebenso viele Jahre jünger. Dunkle Locken, jungenhaftes Grinsen. Mit einem Grübchen im Kinn. Reineder hasste ihn auf Anhieb.
„Wir haben uns zufällig hier getroffen“, sagte seine Frau.
„Genau“, beteuerte der Benni und guckte betont harmlos.
‚Du Hund!‘, dachte Reineder.
„Ich muss dann mal weiter“, sagte der Benni.
„Hat mich gefreut“, log Reineder und lächelte schmallippig. Er sah seinem davonschlendernden Rivalen grimmig hinterher.
„Was hast du denn?“ Seine Frau musterte ihn von der Seite.
„Wo ist denn die Susi?“, konterte Reineder.
„Die ist heim. Mit Kopfweh.“
‚Kopfweh, soso‘, dachte Reineder. Er blickte auf das Handy in seiner Hand. „Entschuldige, ich muss leider noch mal los“, sagte er. Dann sah er in die besorgten Augen seiner Frau und der verfluchte Benni war ihm auf einmal egal. „Geht es um die Sache mit der abgehackten Hand?“, fragte sie.
„Woher weißt du davon?“
Sie zuckte mit den Schultern. „Das steht doch überall.“


Die Autorin

Christine Fux (zur Website), aufgewachsen in Hamburg, lebt und schreibt seit mehr als 20 Jahren in München. Dank ortskundiger Freunde ist ihr inzwischen auch der besondere Charme der Hallertau vertraut. Die Medizinjournalistin hat bislang vier Kriminalromane rund um den ermittelnden Bestatter Theo Matthies im Piper-Verlag veröffentlicht. Nebenbei strickt sie raffinierte Dinnerkrimispiele für zuhause unter der Marke „Mörderische Dinnerparty“.

Das gesamte Honorar für diesen Adventskalender geht als Spende an die Stiftung „Ambulantes Kinderhospiz München“. Die in ganz Bayern tätigen Helfer unterstützen Familien mit schwerst- und todkranken Kindern, damit die kleinen Patienten statt im Krankenhaus im Kreise ihrer Familien versorgt werden können.

Wenn auch du dieses wichtige Projekt unterstützen möchtest, kannst du dich hier informieren: www.kinderhospiz-muenchen.de. Oder spende direkt und unkompliziert unter unserer personalisierten Spendenaktion „Lesen und Spenden – mit dem Hallertauer Adventskrimi!“.

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