Weihnachtskrimi: Stille Nacht, eisige Nacht – Teil #19

Lesen und Spenden - mit dem Hallertauer Adventskrimi von Christiane Fux! Begleitet Kommissar Reineder durch seinen mysteriösen Fall, die Hallertau und unsere 24 Türchen. Und wenn es euch gefallen hat, schließt euch unserer Autorin an, die ihr Honorar ganz im Geiste der Weihnacht für ein Kinderhospiz spendet.

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Allgemein von hallertau.de, Dezember 19, 2019

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Teil 19

Johannes Brunner, alias der Metzger, gab Vollgas. Was bei einem uralten Motorroller der Marke Piaggio nicht allzu viel Tempo bedeutet. Dennoch war er jetzt froh, dass er die Kiste wieder flott gemacht hatte, nachdem er sein Auto verkaufen musste. Seit die Praxis insolvent gegangen war, brauchte er ohnehin keinen Wagen mehr.
Brunner biss die Zähne zusammen und gab Vollgas. Er musste zusehen, dass er möglichst viel Strecke zwischen sich und die Bullen brachte. Die Polizei! Unter seinem Helm lachte er freudlos auf. Er, Johannes Brunner, Tierarzt, Familienvater und Kirchgänger, war auf der Flucht vor der Polizei!
Erst hatte er seinen Augen nicht getraut, als er durchs Küchenfenster sah, wie sich die beiden Gestalten aus dem Nebel lösten und der Hütte näherten. Zuallererst hatte er an die Schläger des Buddhas gedacht, die ihm nun endgültig ans Leder wollten. Doch das war bloß ein gedanklicher Reflex – tatsächlich hatte er seine Schulden bei dem Typen beim zweiten Anlauf bezahlen können – inklusive der horrenden Zinsen. Natürlich war ihm klar, worum es hier wirklich ging. Die Schlagzeile im Internet hatte ihn wie ein Schlag in die Magengrube getroffen. Verdammt, man hatte die Hand gefunden! Das hätte nicht passieren dürfen! Und wie zum Teufel hatten die ihn so schnell aufgespürt? Eine Baumwurzel ließ sein Vorderrad gefährlich nach rechts ausbrechen. Kurz schlingerte der Roller. Dann gewann Brunner wieder die Kontrolle über das Gefährt.
Er überlegte fieberhaft, wohin er fliehen konnte. Zum Glück kannte er sich im Forst bestens aus. Als Kind hatte er in den Ferien hier viel Zeit bei seiner Großmutter verbracht. Im Sommer hätte er kein Problem gehabt, sich hier wochenlang zu verstecken. Im Winter sah es anders aus. Er dankte dem Gott, an den er längst nicht mehr glaubte, dass beim Roller auch der Helm und die dicken Motorradhandschuhe bereitgelegen hatten. Bei der beißenden Kälte wären ihm die Hände sonst bald abgestorben.
Links und rechts huschten die schneebestäubten Bäume an ihm vorbei. Ein paar erste Sonnenstrahlen tauchten alles in ein rosiges Licht. Doch Brunner hatte keinen Blick für die Schönheit des morgendlichen Waldes. Grimmig gab er noch mal Gas, bog mit der Höchstgeschwindigkeit von 46 km/h um eine Kurve – und musste abrupt abbremsen. Fast wäre er gestürzt. Der Motor erstarb mit einem gequälten Röcheln. Quer über den Feldweg geparkt stand ein alter Volvo. „Scheeeeiiße!“, brüllte Brunner. Hinter sich hörte er in der plötzlichen Stille das Knirschen von raschen Schritten.


Die Autorin

Christine Fux (zur Website), aufgewachsen in Hamburg, lebt und schreibt seit mehr als 20 Jahren in München. Dank ortskundiger Freunde ist ihr inzwischen auch der besondere Charme der Hallertau vertraut. Die Medizinjournalistin hat bislang vier Kriminalromane rund um den ermittelnden Bestatter Theo Matthies im Piper-Verlag veröffentlicht. Nebenbei strickt sie raffinierte Dinnerkrimispiele für zuhause unter der Marke „Mörderische Dinnerparty“.

Das gesamte Honorar für diesen Adventskalender geht als Spende an die Stiftung „Ambulantes Kinderhospiz München“. Die in ganz Bayern tätigen Helfer unterstützen Familien mit schwerst- und todkranken Kindern, damit die kleinen Patienten statt im Krankenhaus im Kreise ihrer Familien versorgt werden können.

Wenn auch du dieses wichtige Projekt unterstützen möchtest, kannst du dich hier informieren: www.kinderhospiz-muenchen.de. Oder spende direkt und unkompliziert unter unserer personalisierten Spendenaktion „Lesen und Spenden – mit dem Hallertauer Adventskrimi!“.

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