Weihnachtskrimi: Stille Nacht, eisige Nacht – Teil #20

Lesen und Spenden - mit dem Hallertauer Adventskrimi von Christiane Fux! Begleitet Kommissar Reineder durch seinen mysteriösen Fall, die Hallertau und unsere 24 Türchen. Und wenn es euch gefallen hat, schließt euch unserer Autorin an, die ihr Honorar ganz im Geiste der Weihnacht für ein Kinderhospiz spendet.

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Allgemein von hallertau.de, Dezember 20, 2019

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Teil 20

Der Falke kreiste hoch über den Wipfeln. Er war hungrig und hoffte, auf einer Waldlichtung ein unvorsichtiges Eichhörnchen zu schnappen. Die Feldmäuse, die sonst seine bevorzugte Beute waren, blieben unter der Schneedecke auf den Feldern verborgen. Die braunroten Eichhörnchen hingegen waren im verschneiten Winterwald besonders gut sichtbar. Und da hüpfte tatsächlich ein unvorsichtiges Exemplar vom Baum herab. Es bewegte sich schnuppernd über die Waldlichtung. Im Herbst hatte es hier einige Vorräte versteckt, die es nun verputzen wollte. Der Falke machte sich bereit für den Sturzflug. Doch da erstarrte das rotbraune Tierchen tief unter ihm plötzlich, huschte zurück ins schützende Dickicht. Die Chance war vertan. Unter ihm im Forst war plötzlich ungewöhnliche Aktivität ausgebrochen. Zwei Objekte lärmten kreuz und quer durch den Wald: Das eine, größere, immer dem anderen, kleineren, aber deutlich lauteren, hinterher. Der Falke stieß einen frustrierten Schrei aus. Bei dem Getöse konnte er sein Frühstück fürs Erste vergessen.

„Verdammt, der Kerl kennt sich hier wirklich aus!“ Seit einer Dreiviertelstunde jagten die beiden Kommissare den Metzger nun schon durch den Wald. Zwar hatte Bibis in weiser Voraussicht quergestellter Volvo ihn einen Moment aufgehalten. Doch bis sie atemlos bei ihrem Wagen angelangt waren, hatte der Flüchtige seinen Motorroller längst durch das niedrige Gestrüpp neben dem Weg gewuchtet und gab erneut Gas.

Bibi und Reineder hatten synchron die Autotüren aufgerissen und waren hereingesprungen. Reineder hatte die Beifahrertür noch nicht einmal zugezogen, da hatte die Bibi auch schon das Gaspedal so durchgedrückt, dass der Wagen einen Satz gemacht hatte. Und nun hoppelten sie über die Feldwege des Forstes, immer dem Metzger hinterher. Zwar hatte der Volvo mehr PS als der Roller, doch der Metzger schlug ihnen immer wieder ein Schnippchen, wenn er unverhofft auf einen anderen Pfad abbog. An der Mariahilfkapelle hätten sie ihn fast geschnappt. Doch da sprang ihnen ein Reh vor die Räder. „Jesses!“, fluchte die Bibi und trat scharf auf die Bremse.
„Hat hier nicht der Herrgott einen armen Teufel vor Raubmördern bewahrt?“, fiel Reineder die Legende zur Kapelle ein. „Wenn der Herrgott hier seine Finger im Spiel hat, hat er die Seiten gewechselt“, konterte die Bibi.

Johannes Brunner wurde langsam müde. Mit seinem Gefährt über die Forstwege zu brettern war wahrlich keine Freude. Bei der nächsten Abzweigung schlug er einen Haken und hielt dann schnurstracks auf Strassberg zu. Er hoffte, dass er den Roller in der Ortschaft stehen lassen, und fürs Erste in einem Versteck verkriechen konnte. Er musste nachdenken, er musste dringend nachdenken! Der zuvor fast eben verlaufene Forstweg begann sich deutlich zu senken. Durch das Gefälle legte der Roller bedenklich an Tempo zu. Brunner merkte, dass mit den Bremsen etwas nicht stimmte. Verflucht! Inzwischen näherte er sich bereits dem Waldrand. Nur noch 50 Meter trennten ihn von der Gabelung, scharf links Richtung Moosham, scharf rechts Richtung Ilmendorf. Hastig hantierte er am Bremshebel. Nichts! Sich an den Lenker klammernd schoss er unkontrolliert geradeaus. Dann wurden der Metzger und sein Gefährt nach vorne katapultiert – geradewegs in das größte Becken des Teichguts Einberg. Schon schlug das Wasser über Mann und Zweirad zusammen. Ein paar Enten flatterten mit empörtem Quaken auf. Dann herrschte Stille.


Die Autorin

Christine Fux (zur Website), aufgewachsen in Hamburg, lebt und schreibt seit mehr als 20 Jahren in München. Dank ortskundiger Freunde ist ihr inzwischen auch der besondere Charme der Hallertau vertraut. Die Medizinjournalistin hat bislang vier Kriminalromane rund um den ermittelnden Bestatter Theo Matthies im Piper-Verlag veröffentlicht. Nebenbei strickt sie raffinierte Dinnerkrimispiele für zuhause unter der Marke „Mörderische Dinnerparty“.

Das gesamte Honorar für diesen Adventskalender geht als Spende an die Stiftung „Ambulantes Kinderhospiz München“. Die in ganz Bayern tätigen Helfer unterstützen Familien mit schwerst- und todkranken Kindern, damit die kleinen Patienten statt im Krankenhaus im Kreise ihrer Familien versorgt werden können.

Wenn auch du dieses wichtige Projekt unterstützen möchtest, kannst du dich hier informieren: www.kinderhospiz-muenchen.de. Oder spende direkt und unkompliziert unter unserer personalisierten Spendenaktion „Lesen und Spenden – mit dem Hallertauer Adventskrimi!“.

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