Weihnachtskrimi: Stille Nacht, eisige Nacht – Teil #22

Lesen und Spenden - mit dem Hallertauer Adventskrimi von Christiane Fux! Begleitet Kommissar Reineder durch seinen mysteriösen Fall, die Hallertau und unsere 24 Türchen. Und wenn es euch gefallen hat, schließt euch unserer Autorin an, die ihr Honorar ganz im Geiste der Weihnacht für ein Kinderhospiz spendet.

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Allgemein von hallertau.de, Dezember 22, 2019

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Teil 22

Kommissar Reineder saß im Gang des Klinikums Ingolstadt, in das man den Metzger, wie Reineder ihn im Geiste noch immer nannte, gebracht hatte. Er starrte auf das Display seines Mobiltelefons, auf dem soeben eine Textnachricht aufgepoppt war. „Gehen heute Abend nach dem Chor etwas trinken.“ Und dann ein Smiley mit Kussmund. Bedeutete das, der Chor zog gemeinsam in eine Kneipe? Oder dieser Benni und seine Frau kehrten zu zweit irgendwo ein? Oder – was am schlimmsten wäre – dieser Benni und seine Frau gingen ganz woanders hin?

Reineder schrak zusammen, als das Handy in seiner Hand zu brummen begann. Es war der Leiter der Spurensicherung, die die Hütte im Wald untersuchte. „Also umgebracht worden ist hier wohl niemand. Zumindest gibt’s keine Blutspuren“, berichtete er. Wir haben alles mit Luminollösung besprüht, aber geleuchtet hat da absolut nix.“ Luminol, in Kombination mit Wasserstoffperoxid, reagierte mit den Eisenbestandteilen des Bluts und ließ auch winzige Blutspuren im Dunklen leuchten. Reineder seufzte. Für das anstehende Verhör wäre es hervorragend gewesen, dem Verdächtigen ein Indiz für den Mord unter die Nase reiben zu können.
„Allerdings haben wir im Schuppen eine interessante Entdeckung gemacht.“ Der Forensiker machte eine dramatische Pause.
‚Spuck‘s aus, Junge‘, dachte Reineder, hielt aber die Klappe. Jeder wusste, dass es die Sache unnötig verzögerte, wenn man den Leiter der Spurensicherung bedrängte.
„Eine Arzttasche. Darin herrschte ein ziemliches Durcheinander, kann ich dir sagen. Unter anderem haben wir darin ein Set Skalpelle gefunden. Wir haben einen Schnelltest vorgenommen und es besteht kein Zweifel.“ Es folgte eine weitere dramatische Pause. Reineder verdrehte die Augen.
„Es ist menschliches Blut! Und was, frage ich dich, hat menschliches Blut an einem Tierarztskalpell zu suchen?“
‚Bingo!‘, dachte Reineder.
„Wir müssen nur einen Crosscheck mit der DNA der Hand machen – aber ich wette darauf, dass wir einen Treffer haben.“

Die Tür des Krankenzimmers öffnete sich und eine Ärztin trat heraus. Eine sportlich wirkende Endfünfzigerin, deren graublonden Haare zu einem strengen Zopf geflochten waren. Sie reichte Reineder mit resolutem Druck die Hand.
„Wie geht es dem Mann?“, fragte der Kommissar.
„Um es kurz zu machen: Der Patient scheint mit dem Schrecken und einer leichten Unterkühlung davongekommen zu sein.“
„Ich muss ihn dringend vernehmen. Das Leben eines Menschen könnte von seiner Aussage abhängen.“
Die Ärztin hob die Brauen. „Geht es um diese Hand, die man auf irgendeinem Acker gefunden hat?“
Bis hierher war das Gerücht also auch schon gedrungen. „Dazu darf ich ihnen leider nichts sagen.“
Die Ärztin musterte ihn. „In Ordnung“, sagte sie dann. „Ich würde den Mann gern noch zur Beobachtung hierbehalten, aber aus meiner Sicht spricht nichts gegen ein Gespräch.“
Bibi kam hinzu, zwei Kaffeebecher in den Händen.
„Wir können rein.“ Reineder wies mit dem Daumen zur Tür. Bibi stellte die Becher mit bedauerndem Blick auf einem Servierwagen. „Na dann mal los.“


Die Autorin

Christine Fux (zur Website), aufgewachsen in Hamburg, lebt und schreibt seit mehr als 20 Jahren in München. Dank ortskundiger Freunde ist ihr inzwischen auch der besondere Charme der Hallertau vertraut. Die Medizinjournalistin hat bislang vier Kriminalromane rund um den ermittelnden Bestatter Theo Matthies im Piper-Verlag veröffentlicht. Nebenbei strickt sie raffinierte Dinnerkrimispiele für zuhause unter der Marke „Mörderische Dinnerparty“.

Das gesamte Honorar für diesen Adventskalender geht als Spende an die Stiftung „Ambulantes Kinderhospiz München“. Die in ganz Bayern tätigen Helfer unterstützen Familien mit schwerst- und todkranken Kindern, damit die kleinen Patienten statt im Krankenhaus im Kreise ihrer Familien versorgt werden können.

Wenn auch du dieses wichtige Projekt unterstützen möchtest, kannst du dich hier informieren: www.kinderhospiz-muenchen.de. Oder spende direkt und unkompliziert unter unserer personalisierten Spendenaktion „Lesen und Spenden – mit dem Hallertauer Adventskrimi!“.

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