Weihnachtskrimi: Stille Nacht, eisige Nacht – Teil #4

Lesen und Spenden - mit dem Hallertauer Adventskrimi von Christiane Fux! Begleitet Kommissar Reineder durch seinen mysteriösen Fall, die Hallertau und unsere 24 Türchen. Und wenn es euch gefallen hat, schließt euch unserer Autorin an, die ihr Honorar ganz im Geiste der Weihnacht für ein Kinderhospiz spendet.

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Allgemein von hallertau.de, Dezember 4, 2019

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Teil 4

„A gesunde Hand. Bei lebendigem Leib abgesäbelt.“ Bibi biss sich nachdenklich auf die Unterlippe und ließ den Wagen fünf Meter weiterrollen. Die Kommissarin und ihr Kollege Reineder standen im Stau vor dem Autobahnkreuz Neufahrn. Sie nutzte den Pausenmoment und zog einen Spekulatius aus der Tüte, die sie hinter dem Schaltknüppel ihres Volvos deponiert hatte. Rechtsmedizin, Tatorte – Bibis Appetit war legendär und unverwüstlich. „Ich hoff‘, wir finden den Rest des Mannes nicht nach und nach in handlichen Stücken, wie in einem makabren Adventskalender.“ Sie schüttelte kummervoll den Kopf. Dann schob sie, noch immer kauend, einen Dominostein hinterher. Kommissar Reineder betrachtete das Gelage mit hochgezogenen Augenbrauen. „Hast‘ noch nicht genug von dem Süßkram gefuttert, Bibi?“
„Auf keinen Fall. Immerhin gibt’s so was nur im Advent!“ Sie griff nach einem Lebkuchenherz.
„Von wegen. Du futterst das Zeug schon seit Mitte September. Dass du die Dinger noch sehen kannst!“, stöhnte Reineder. Bibi hielt ihm die Gebäcktüte hin. „Magst‘ auch eins?“
Der Kommissar schüttelte den Kopf. Er hatte schon wieder ein Kilo zugelegt. Im Gegensatz zu seiner Kollegin, die ungeachtet ihres Appetits dürr wie eine Hopfenstange war, musste er aufpassen. Er neigte zum Bauchansatz. Und auch wenn seine bildschöne Frau Kimmi den angeblich süß fand, wollte er das Gefälle der optischen Attraktivität, das ohnehin zwischen den Ehepartnern herrschte, nicht unnötig weiter ausbauen. „Nur weil du in die Breite gehst, muss ja nicht jeder Mensch hungern“, brachte die Bibi die Angelegenheit auf den Punkt. „Iss halt mal was Gescheites, dann hast auch wieder bessere Laune.“

Reineder ließ das Thema fallen und konzentrierte sich auf den Fall. „Die Preisfrage, die sich uns nun stellt, ist natürlich: Ist das Opfer noch am Leben? Wenn ja, ist der Mann wahrscheinlich in höchster Gefahr!“
„Ich tippe darauf, dass er tot ist. Dass der Mann noch gelebt hat, als ihm die Hand abgetrennt wurde, bedeutet ja nicht, dass er das überlebt hat.“
Reineder nickte. „So eine Amputation ist sicher eine blutige Angelegenheit.“
„Wenn es Mord war, dann jedenfalls kein gewöhnlicher. Bei so was geht es um psychotische Rache. Oder irgendein krankes Ritual.“
Reineder stöhnte: Er sah schon die Schlagzeile: Ritualmord in der Hallertau! Das fehlte ihnen gerade noch!
Bibi steckte sich einen weiteren Keks in den Mund und ließ den Wagen ein paar Meter weiterrollen. Reineder machte das ewige Stop-and-go ganz kribbelig. Bibi hingegen nahm es mit Gleichmut – solange die Vorräte reichten. Sonst wurde sie gallig, wusste der Kommissar aus leidvoller Erfahrung. Sie waren auf dem Weg zum Fundort der Hand, wo man mit einer Hundestaffel nach weiteren Leichenteilen suchte. „Die abgetrennte Hand eines Mannes, der vermutlich über einiges Geld verfügt“, fasste Reineder noch einmal die Angaben des Rechtsmediziners zusammen.
„Möglicherweise wurde der Mann entführt und die Hand dient dazu, Lösegeld zu erpressen?“
„Aber dann vergräbt man die doch nicht irgendwo“, hielt Reineder dagegen. „Dann schickt man die an den, den man erpressen möchte.“
„Unsinn. Viel zu riskant. Da reicht heute ein hübsches kleines Video von der Amputation auf dem Smartphone.“
„Na, ich weiß nicht.“
„Oder es ist eine Art Warnung“, spann Bibi weiter. „An die Konkurrenz. Vielleicht haben wir hier in der Hallertau ein Mafiaproblem, von dem wir nichts wissen.“
„Na servus. Die Mafia in der Hallertau“, sagte Reineder. Dann schnappte er sich doch einen Keks und biss krachend hinein. Zur gleichen Zeit schlug einige Kilometer weiter Spürhündin Frieda an.


Die Autorin

Christine Fux (zur Website), aufgewachsen in Hamburg, lebt und schreibt seit mehr als 20 Jahren in München. Dank ortskundiger Freunde ist ihr inzwischen auch der besondere Charme der Hallertau vertraut. Die Medizinjournalistin hat bislang vier Kriminalromane rund um den ermittelnden Bestatter Theo Matthies im Piper-Verlag veröffentlicht. Nebenbei strickt sie raffinierte Dinnerkrimispiele für zuhause unter der Marke „Mörderische Dinnerparty“.

Das gesamte Honorar für diesen Adventskalender geht als Spende an die Stiftung „Ambulantes Kinderhospiz München“. Die in ganz Bayern tätigen Helfer unterstützen Familien mit schwerst- und todkranken Kindern, damit die kleinen Patienten statt im Krankenhaus im Kreise ihrer Familien versorgt werden können.

Wenn auch du dieses wichtige Projekt unterstützen möchtest, kannst du dich hier informieren: www.kinderhospiz-muenchen.de. Oder spende direkt und unkompliziert unter unserer personalisierten Spendenaktion „Lesen und Spenden – mit dem Hallertauer Adventskrimi!“.

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