Weihnachtskrimi: Stille Nacht, eisige Nacht – Teil #5

Lesen und Spenden - mit dem Hallertauer Adventskrimi von Christiane Fux! Begleitet Kommissar Reineder durch seinen mysteriösen Fall, die Hallertau und unsere 24 Türchen. Und wenn es euch gefallen hat, schließt euch unserer Autorin an, die ihr Honorar ganz im Geiste der Weihnacht für ein Kinderhospiz spendet.

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Allgemein von hallertau.de, Dezember 5, 2019

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Teil 5

In der Hallertau stand inzwischen die Wintersonne tief am Himmel und tauchte die Landschaft in ein milchiges Licht. Sie beschien ein Hopfenfeld, in dem ein dicker Mann, geführt von seinem Hund, kreuz und quer seine Bahnen zog. Beobachtet wurde das seltsam anmutende Gespann von drei Saatkrähen, die im Geäst eines kahlen Baumes hockten und von Zeit zu Zeit krächzende Kommentare abgaben.

Mensch und Hund waren nicht zum Vergnügen unterwegs. Bei dem Mann handelte es sich um Polizeiobermeister Huber, während die Belgische Schäferhündin auf den Namen Frieda hörte. Sie war ein ausgebildeter Leichenspürhund. Das Team suchte nach weiteren Körperteilen, die zu der Hand passten, die man hier in der vergangenen Nacht gefunden hatte. Irgendwo musste der Rest des Opfers schließlich abgeblieben sein.

Natürlich war es Frieda, die hier, die Nase dicht am Boden, die Hauptarbeit verrichtete. Mit ihren zweieinhalb Jahren war sie noch jung, doch Huber hielt sie für hochbegabt. „Der beste Hund, mit dem ich je zusammengearbeitet habe“, pflegte er im Brustton der Überzeugung jedem zu erzählen und ging damit den Kollegen in der Hundestaffel auf die Nerven. Frieda war in der Lage, Leichen aufzuspüren, die zwei Meter tief im Boden vergraben waren, Verunglückte im Wasser zu finden und Blut hinter überstrichenen Wänden zu wittern. Nachdem sie monatelang mit Duftproben verstorbener Menschen auf den Geruch des Todes geschult worden war, war dies nun Friedas erster echter Einsatz. Sie umkurvte eifrig die Hopfenstangen und ignorierte souverän die aufregenden Gerüche, die sie von ihrer Arbeit ablenken wollten. Hier war gerade erst ein Feldhase vorbeigehuscht, dort lag unter der dünnen Humusschicht der Bau einer Feldmaus. Es zuckte ihr in den Pfoten, ein bisschen zu buddeln, aber nein, es galt eine Aufgabe zu verrichten, die höchste Konzentration erforderte! So anstrengend war die Arbeit, dass auch der beste Spürhund nach zwanzig Minuten eine Pause brauchte. Frieda wollte gerade anzeigen, dass eine solche jetzt mal wieder fällig wäre, als ihr eine Ahnung von Leichenduft in die Nase stieg. Mit einem Ruck blieb sie stehen. Und hob die Nase witternd in die Luft. Da war es wieder! Aufgeregt zerrte sie an der Leine. Jetzt schnell hinterher, bevor der Wind sich drehte und sie die Spur wieder verlor!

„Nun mal immer ruhig mit den jungen Hunden“, sagte Polizeiobermeister Huber, beeilte sich aber, seiner elektrisierten Hündin zu folgen. Wie von einem Magneten gezogen, steuerte Frieda auf ein Gebüsch am Rande des Feldes zu. Die Ahnung des Duftes wurde stärker und verdichtet sich zur Gewissheit: Hier, gleich hier konnte sie das Gegenstück zu dem speziellen Geruch finden, den der Chef ihr vor einer guten Stunde präsentiert hatte! Dazu hatte es ausgereicht, ihr einen Wattebausch unter die Supernase zu halten, mit dem man zuvor über die abgetrennte Hand gewischt hatte. Und da war es! Frieda bellte das Ding an, das da halb verborgen unter dem Gebüsch lag. „Was – das?“ Huber schnaubte. Dann zog er sich Gummihandschuhe an und beförderte das Fundstück in einen Asservatenbeutel.


Die Autorin

Christine Fux (zur Website), aufgewachsen in Hamburg, lebt und schreibt seit mehr als 20 Jahren in München. Dank ortskundiger Freunde ist ihr inzwischen auch der besondere Charme der Hallertau vertraut. Die Medizinjournalistin hat bislang vier Kriminalromane rund um den ermittelnden Bestatter Theo Matthies im Piper-Verlag veröffentlicht. Nebenbei strickt sie raffinierte Dinnerkrimispiele für zuhause unter der Marke „Mörderische Dinnerparty“.

Das gesamte Honorar für diesen Adventskalender geht als Spende an die Stiftung „Ambulantes Kinderhospiz München“. Die in ganz Bayern tätigen Helfer unterstützen Familien mit schwerst- und todkranken Kindern, damit die kleinen Patienten statt im Krankenhaus im Kreise ihrer Familien versorgt werden können.

Wenn auch du dieses wichtige Projekt unterstützen möchtest, kannst du dich hier informieren: www.kinderhospiz-muenchen.de. Oder spende direkt und unkompliziert unter unserer personalisierten Spendenaktion „Lesen und Spenden – mit dem Hallertauer Adventskrimi!“.

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