Weihnachtskrimi: Stille Nacht, eisige Nacht – Teil #8

Lesen und Spenden - mit dem Hallertauer Adventskrimi von Christiane Fux! Begleitet Kommissar Reineder durch seinen mysteriösen Fall, die Hallertau und unsere 24 Türchen. Und wenn es euch gefallen hat, schließt euch unserer Autorin an, die ihr Honorar ganz im Geiste der Weihnacht für ein Kinderhospiz spendet.

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Allgemein von hallertau.de, Dezember 8, 2019

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Teil 8

Bibi hatte ihren alten Volvo direkt gegenüber vom Wettbüro in Mainburg geparkt. Ihre Hand tastete in der Kekstüte und fischte die letzten Krümel heraus. Ein paar Meter weiter war ein Supermarkt, in dem sie sich gern mit Nachschub versorgt hätte. Aber das kam nicht infrage. Sie musste das Wettbüro im Auge behalten.
Lange musste sie nicht warten. Die Tür öffnete sich und ein Mann mit Halbglatze trat heraus. Er blickte noch einmal argwöhnisch über die Schulter, dann schlug er den Mantelkragen hoch, vergrub die Fäuste tief in der viel zu dünnen Jacke und ging schnellen Schritts davon. Schon war Bibi ihm auf den Fersen. Sie kannte den Kerl, ein armes Würstchen, das sich mit Taschendiebstählen über Wasser hielt, um seine Spielsucht zu finanzieren. Wenn er aus dem Wettbüro in die Kälte flüchtete, dann gab es dafür zweifellos gravierende Gründe. Bibi marschierte etwa 200 Meter hinter ihm her in Richtung des Marktplatzes, dann beschleunigte sie ihren Schritt und legt dem Mann die Hand auf die Schulter. „Servus, Gustl.“
Gustl kreischte erschrocken auf. „Bibi, verdammt, was schleichst dich denn so von hinten an. I hätt fast an Herzkaschper bekommen!“
„Du hast es ja verdammt eilig aus dem Laden herauszukommen.“
„Eilig? Schmarrn. Ich hatte heute einfach kein Glück im Spiel.“ Gustl lächelte kläglich. Der eisige Wind zerrte an den dünnen Strähnen seines verbliebenen Haars.
„Vielleicht kann ich dir ein bisschen aushelfen?“ Die Bibi zog langsam 20 Euro aus der Tasche ihrer Jeans. Gustl starrte begierig auf den Schein. Viel war es nicht, aber wenn er auf das richtige Pferd setzte, könnte er damit ein hübsches Sümmchen gewinnen. Natürlich war ihm klar, dass er das Geld nicht ohne Gegenleistung bekommen würde. Tatsächlich hatte er wirklich eine Information zu bieten, die der Polizei etwas wert sein dürfte. Der Blick, den er auf das Smartphone des Kommissars erhaschen konnte, hatte bei ihm die Alarmglocken schrillen lassen. Die Sache mit der abgehackten Hand gefiel ihm ganz und gar nicht. In solche Dinge wollte er nicht verwickelt werden. Andererseits war er wirklich vollkommen abgebrannt. Und für ein späteres Rennen hatte er einen todsicheren Tipp für einen Außenseiter bekommen. Vielleicht war heute doch sein Glückstag! Irgendwann musste schließlich auch die längste Pechsträhne zu Ende sein!
„Der Zwanziger da, der wird nicht reichen“, sagte er.
„Das sehen wir dann. Aber erst gehen wir einen Kaffee trinken.“
„Du zahlst“, sagte Gustl.


Die Autorin

Christine Fux (zur Website), aufgewachsen in Hamburg, lebt und schreibt seit mehr als 20 Jahren in München. Dank ortskundiger Freunde ist ihr inzwischen auch der besondere Charme der Hallertau vertraut. Die Medizinjournalistin hat bislang vier Kriminalromane rund um den ermittelnden Bestatter Theo Matthies im Piper-Verlag veröffentlicht. Nebenbei strickt sie raffinierte Dinnerkrimispiele für zuhause unter der Marke „Mörderische Dinnerparty“.

Das gesamte Honorar für diesen Adventskalender geht als Spende an die Stiftung „Ambulantes Kinderhospiz München“. Die in ganz Bayern tätigen Helfer unterstützen Familien mit schwerst- und todkranken Kindern, damit die kleinen Patienten statt im Krankenhaus im Kreise ihrer Familien versorgt werden können.

Wenn auch du dieses wichtige Projekt unterstützen möchtest, kannst du dich hier informieren: www.kinderhospiz-muenchen.de. Oder spende direkt und unkompliziert unter unserer personalisierten Spendenaktion „Lesen und Spenden – mit dem Hallertauer Adventskrimi!“.

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