5 Fragen an den Hopfenexperten Adi Schapfl zum Coronajahr

Der Hopfenanbau durchlebt im Moment keine einfache Zeit. Wenn weiterhin Hilfskräfte fehlen, könnte eventuell die gesamte Jahresproduktion ausfallen.

Michael Urban
Interview von Michael Urban, März 30, 2020

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Normalerweise stellen wir drei Fragen an unsere Interviewpartner. Normal ist aber relativ wenig derzeit. Darum dürfen es dieses Mal auch ein paar Fragen mehr sein, wenn es um eines der Dinge geht, die die Hallertau ausmachen – nämlich um die Landwirtschaft und den Hopfen. Außerdem fällt es nicht ganz leicht, bei all den Entwicklungen den Überblick zu behalten. Deshalb haben wir das Gespräch mit jemandem gesucht, der als Präsident des Verbandes Deutscher Hopfenpflanzer e.V. das große Bild sieht, aber als aktiver Landwirt auch im Kleineren denken muss – für seinen eigenen Betrieb. Hier sind also unsere fünf Fragen an Adolf Schapfl.

1 | hallertau.de: Hallo, Herr Schapfl! Keine einfache Zeit für die Landwirtschaft. In der Hallertau fehlen aufgrund der Corona-Krise tausende Saisonarbeiter. Wie ist die Lage im Hopfenanbau?

Ich fange mal so an: DANKE! Danke an alle, die sich jetzt dafür einsetzen, der Landwirtschaft den Stellenwert einzuräumen, den sie verdient hat – als Versorger, als systemrelevante Institution. Noch sind zwar die Auswirkungen der Entwicklung durch Corona in den Lebensmittelgeschäften kaum zu spüren, wenn man mal von den „Hamstern“ absieht. Aber langsam bekommen die Menschen schon eine Vorstellung davon, dass es ohne Landwirtschaft für die Versorgung mit qualitativ hochwertigen Lebensmitteln düster ausschaut.

Es ist natürlich keine einfache Geschichte für uns Hopfenbauern, denn wir unterscheiden uns ein wenig von anderen Bereichen der Wirtschaft. Wenn ein Friseurgeschäft, ein Restaurant oder ein Schuhgeschäft für vier oder sechs Woche zusperren muss, ist das dramatisch, weil dem Unternehmen und deren Mitarbeitern die Einnahmen für diesen Zeitraum fehlen. Für die Landwirtschaft und speziell den Hopfen ist aber dieser Zeitpunkt jetzt im Frühjahr noch kritischer: Wenn der Aufleitdraht jetzt nicht angehängt und eingesteckt wird, ist das ganze Hopfenjahr kaputt. Wenn der Hopfen in ein paar Wochen nicht angedreht werden kann, dann fehlen den Hopfenpflanzern die Einnahmen eines ganzen Jahres, und nicht „nur“ die aus vier bis sechs Wochen.

2 | Was tut sich konkret im großen Rahmen, um der Herausforderung zu begegnen?

Die Kommunikation. Sie ist momentan das Wichtigste. Die Telefondrähte zwischen Hopfenpflanzerverband, Landes- und Bundesministerien und den Verbänden laufen heiß. Wir haben darüber hinaus praktisch jeden Studentenverband, jede Universität des Landes angerufen und angeschrieben, um Studenten für die Arbeit im Hopfen zu gewinnen. Wir stehen mit Arbeitsämtern in Verbindung, wir nutzen die neue Onlineplattform der Maschinenringe (daslandhilft), um Hopfenpflanzer mit Arbeitskräftebedarf und Arbeitssuchende zusammenzubringen. Wir informieren unsere Pflanzer per Fax, Mail und über die Sozialen Medien täglich über die neuesten Entwicklungen. Das ist momentan besonders wichtig, weil wir oft erleben, dass das, was heute als die Lösung eines Problems galt, morgen schon nicht mehr aktuell ist.

Und auch hier bin ich für Initiativen, wie beispielsweise die des „Woizara Burschenvereins“, extrem dankbar. Die haben den Hopfenpflanzern ihre Hilfe in einem Video angeboten, welches wir über unseren Facebook-Kanal verbreitet haben. Die Rückmeldungen sind unglaublich und zeigen einen neuen Zusammenhalt quer durch alle Bevölkerungsbereiche. Fernsehen und Zeitungen berichten. Insgesamt können wir unsere aktuellen Sorgen und Nöte dadurch einfach besser in der Politik platzieren. Das ist wichtig, damit der Hopfen als ein hochwertiges landwirtschaftliches Produkt wahrgenommen wird.

3 | Gibt es staatliche Hilfe?

Ganz so weit sind wir noch nicht. Momentan brauchen wir eher Muskel-Hilfe. Stand heute sind wir Hopfenpflanzer in der Lage, unser Pensum zu schaffen, indem wir zusammenhalten und uns gegenseitig helfen.

4 | Nun sind Sie selbst ja auch Hopfenbauer. Wie gehen Sie diese Zeit im eigenen Betrieb an? Wie aufwendig sind z.B. Hygiene-Maßnahmen?

Wir haben das Glück, dass wir einige der aktuellen Arbeiten, wie beispielsweise das Drahtaufhängen, schon Ende des letzten Jahres gemacht haben. Dazu kommt, dass mir vier meiner sechs Saisonarbeitskräfte zur Verfügung stehen. Da kommt uns sicher zugute, dass wir unsere Leute aus Polen schon lange kennen, quasi eine familiäre Bindung zu ihnen haben, weil schon der Vater bei uns auf dem Hof war. Desinfektionsmittel stehen an den Waschbecken und ansonsten ist es bei den Arbeiten im Hopfen ja eh so, dass man sich nicht gegenseitig auf dem Schoß hockt, sodass der Sicherheitsabstand leicht zu wahren ist.

5 | Auf einer Skala von 1 (unkritisch) bis 10 (katastrophal):  Wie gefährlich schätzen Sie die Corona-Krise für den Hopfenanbau ein?

Im Moment bin ich bei einer 5. Das Zusammenhelfen und auch das Glück, dass es im Moment draußen noch nicht so warm ist, lassen mich noch auf ein einigermaßen befriedigendes Hopfenjahr hoffen. Kritisch wird’s in ein paar Wochen, wenn wir tausende Saisonkräfte zum Andrehen der Hopfenpflanzen brauchen. Da kann es dann rasch Richtung 10 gehen!

Das Interview wurde bzgl. Lesbarkeit redigiert.

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