Dieter Rehm: Alles andere als Alltag

Vergangenen Freitag eröffnete die außergewöhnliche Ausstellung von Dieter Rehms Fotografien im deutschen Hopfenmuseum und sorgte für einen echten Wow-Effekt.

Lisa Schwarzmüller
Bericht von Lisa Schwarzmüller, Mai 15, 2018

Eigentlich kommt Dieter Rehm ja aus der Malerei. Das hinderte den Präsidenten der Akademie der Bildenden Künste in München aber nicht daran, kreative Begegnungen auch auf anderen Medien festzuhalten.

Er selbst bezeichnet seinen Arbeitsprozess als meditatives Erlebnis. Inspiration holte sich Rehm dafür von dem britischen Improvisationsensemble AMM. „It had been an ordinary enough day in Pueblo, Colorado“, so heißt eines ihrer Alben, das 1979 erschien. “Dieser Satz hat mich irgendwie nie los gelassen”, erklärte der vielfach ausgezeichnete Künstler im Rahmen der Vernissage. Alltägliche Situationen mit einer zwanglosen Gestaltung in Szene setzen, das ist sein ambitionierter Anspruch.

„Es war uns wichtig, dass man die ganze Facette seiner Arbeit betrachten kann“, erklärte Gastgeber Eduard Kastner in diesem Zusammenhang. So findet man nicht nur „klassische Rehms“ – Momentaufnahmen von seinen Reisen durch die Welt – sondern auch bearbeitete Bilder, in denen der Künstler seine Werke ins negative Farbspektrum versetzt – und das obwohl Rehm laut eigener Aussage mit Fotografie eigentlich nie etwas am Hut hatte.

Pragmatisch aber wirksam – anders kann man das visuelle Ergebnis seines Wirkens nicht bezeichnen. „Wenn man mit einer Großbildkamera fotografiert ist man quasi gezwungen, ein Motiv zu finden. Sonst schleppt man das ganze Equipment ja umsonst mit“, scherzte Rehm. Am Ende hat er dann nur 16 Schuss pro Tag, wenn er sich auf die Jagd nach seinen Motiven begibt, und die werden dann ganz schnell zu „Bestandsaufnahmen eines Gefühls“.

Gefühle beschworen aber nicht nur die Rehms Bilder hervor. Eduard und Dennis Kastner verwöhnten ihre Gäste mit einem internationalen Buffet und für das musikalische Feeling sorgte das Trio „Red Gumbo“ um Frontmann Dackel Hirmer, deren Blues und Soul fast nicht zu widerstehen war. Für ein weiteres akustisches Highlight sorgte an dem kurzweiligen Abend niemand geringerer als Dieter Rehm selbst. Mit einigen seiner Mitstreiter aus der „Akademieband“ griff er höchstpersönlich in die Saiten und verwandelte die Frühjahrsvernissage des Wolnzacher Anzeigers innerhalb weniger Akkorde in ein kleines Rockkonzert.