Unsere Gründer #2: Wasser & mehr mit aquapiù

Portrait von Michael Urban, Juli 9, 2019
Fotos@ Lisa Schwarzmüller & Michael Urban

Unsere Gründerserie geht in die nächste Runde – dieses Mal mit Marco Weigand und seinem Projekt Aquapiù. Seit Ende 2017 hat sich Marco – halb Deutscher, halb Italiener – in seinem Heimatort Rohrbach selbständig gemacht und baut sein Geschäft rund um das Thema Wasserspender aus. In Regensburg hatte Marco Geisteswissenschaften (Politik, Englisch, Italienisch) studiert, doch bald fand er den Weg in den Vertrieb und zu Firmen wie Eismann, Lavazza und Brita. Schon früh hatte er dort die Chance, Verantwortung zu übernehmen und Personal zu führen, Dinge, die er jetzt in seinem eigenen Unternehmen wie nie zuvor umsetzen kann und muss.

Hallertau.de: Hi Marco! Wie bist du auf das Thema „Wasserspender“ gekommen?

Marco Weigand: Ganz einfach. Ich war früher in der Kaffeebranche tätig und da hat man nebenbei mit Wasser zu tun. Irgendwann bin ich bei einem großen Wasserspenderunternehmen gelandet und war als Vertriebsleiter und Key Account Manager für den Raum Süddeutschland zuständig.

Nicht schlecht… wie kommt man von dort auf die Idee und nimmt das Risiko in Kauf, sich selbständig zu machen?

Durch Zufall habe ich den italienischen Inhaber vom Wasserspenderhersteller Bevco kennengelernt. Wir haben uns viel unterhalten und schließlich beschlossen, etwas gemeinsam am deutschen Markt zu machen und ihn aufzubauen. Nachhaltigkeit wird immer wichtiger und das ist einfach ein interessanter Markt. Zudem wollte ich schon immer etwas Eigenes machen – und dann bin ich einfach ins kalte Wasser gesprungen.

Im wahrsten Sinne des Wortes! Wie bist du auf den Namen deiner Marke „aquapiù“ gekommen?

Das wenn man so genau wüßte… (lacht) Das ist einfach so beim Brainstorming entstanden. „Aqua“ kommt ja aus dem Italienischen, der Hersteller ist Italiener, der Verantwortliche für den technischen Bereich ist einer, ich bin ein halber. Das hat dann irgendwie gepasst. Und „più“ heißt „mehr“, wir wollen also mehr als nur das Thema „Wasser“ machen. Wir wollen sehr guten Service und Zubehör rund ums Thema Wasser bieten. Es sollen sukzessive mehr Produkte werden, zum Beispiel rund um den Kaffee.

„Ich bin Batman. Nur wechseln meine Rollen nicht zur Nacht, sondern stündlich.“

Wie lange gibt es euch schon?

Seit Ende 2017.

Wie ist dein Bauchgefühl bezüglich der letzten eineinhalb Jahre?

Sehr Gut! Sonst würde ich es nicht weiter machen. (lacht)

Wie würdest du deinen Aufgabenbereich beschreiben?

Wir sind ein kleines Team. Alles, was nicht Technik ist, bin quasi ich. (lacht) Die Hauptaufgabe ist aber der Vertrieb, das heißt Geräte verkaufen und vermieten. Aber auch Einkauf, Personal, Buchhaltung gehören dazu. Das taugt mir aber. Ich treffe gerne Entscheidungen und hoffe, immer möglichst viele gute zu treffen.

Wer genau steckt hinter aquapiù? Du bist ja der Geschäftsführer, wer noch?

Einen ganz wichtigen Part übernimmt Giuseppe Quarta, der für die Technik verantwortlich ist und allerhand Probleme erkennt und löst sowie Weiterentwicklungen macht. Eine weitere große Rolle spielt Bevco als unser Partner, der uns mit den Geräten versorgt.

Techniker Giuseppe Quarta bei der Wartung der Geräte.

Was genau macht dein Produkt aus?

Zuerst gibt es das sichtbare Produkt, einen Wasserspender, der an die Wasserleitung angeschlossen wird. Das Wasser wird gefiltert, es wird gekühlt, vor Keimen geschützt und kann gesprudelt werden. Aber es geht um mehr. Wir wollen zum einen das Bewusstsein verändern, wie Unternehmen Wasser konsumieren und zum anderen den Gesundheitsaspekt verbessern, indem die Leute ihren Mindestbedarf an Flüssigkeit pro Tag leichter decken. Es gibt kaum etwas mit einem ähnlich guten Preis-Leistungsverhältnis für Unternehmen, das zur selben Zeit so nachhaltig ist und von den Mitarbeitern so positiv aufgenommen wird. Wasserspender vermeiden Müll, zum Beispiel in Form von Plastiktrinkflaschen und haben einen deutlich günstigeren CO²-Footprint. Unser Ziel ist es, in Richtung Nachhaltigkeit einiges beizutragen. Wir wollen unseren Kunden immer einen Top-Service bieten und immer so gut sein, dass uns jeder Kunde gerne weiterempfiehlt.

Wie kommt man an deine Geräte?

Wir haben keinen online-shop, aber jeder, der Interesse hat, kann sich auf unserer Homepage www.aquapiu.de über uns und unsere Produkte informieren und gerne Kontakt aufnehmen. Unser Hauptbusiness ist aktuell B2B, meistens arbeiten wir mit Unternehmen ab zehn Mitarbeitern aufwärts zusammen. Aber auch die privaten Haushalte haben wir auf dem Schirm.

„Ich bin felsenfest überzeugt, dass überall dort, wo eine Kaffeemaschine steht, in der Zukunft auch ein Wasserspender stehen wird. So vermeiden wir Müll und nutzen mit unserem Leitungswasser ein tolles Produkt, das regionaler nicht sein könnte.““

Ohne lang zu überlegen: welche Adjektive fallen dir zu deiner Firma ein?

Schnell. Zuverlässig. Innovativ. Professionell.

Was ist von Kunden oder aus dem Umfeld schon zurückgekommen?

Da ist alles dabei. Für mein Umfeld war klar, dass ich mal selbständig etwas machen werde. Die meisten sagen, dass sie Respekt davor haben. Ich habe es ja aus stabilen Lage heraus gemacht, hatte sichere Jobs mit gutem Gehalt. Das Feedback war eigentlich sehr positiv. Klar gibt es Leute die sagen: „Wieso Wasserspender? Es gibt doch einen Wasserhahn!“ Und das ist auch ok. Das Tolle ist das positive Feedback der Kunden – das war bis jetzt immer positiv.

Was für besondere Herausforderungen gab es für dich?

Als mein früherer Techniker aufgehört hat. Da musste ich mich auch noch um die Technik kümmern. Und ich bin kein Techniker. Ich kann das Ganze installieren und das auch gut, aber so ein Gerät auseinandernehmen und wieder zusammenbauen, das ist für mich ein Rätsel. Das waren drei bis vier extrem stressige Monate, was ich auch körperlich gemerkt habe. Aber das gehört halt auch dazu. Ebenso wie Kunden und Leads erzeugen echte Handarbeit ist. Wir haben kein großes Budget für Marketing wie große Firmen. Auch die Personalsuche ist extrem schwierig, die meisten Fachkräfte haben sichere Jobs bei guten Arbeitgebern und finden zwar die Atmosphäre bei einem Startup vielleicht toll, aber sehen auch das Risiko, dass sich das Geschäftsmodell vielleicht nicht durchsetzt. Das sind durchaus legitime Gedanken, macht aber die Sache nicht einfacher. Zudem haben wir vor 14 Monaten noch ein Kind bekommen – das war natürlich auch eine Herausforderung. Jetzt fällt es mir deutlich schwerer, von zu Hause wegzufahren, weil das Kind dort ist. Und für meine Partnerin ist es nicht einfach, weil ich die Priorität auf die Firma legen muss. Mein Urlaub ist oft nur einen Tag oder ein verlängertes Wochenende lang. Aber ich kann nicht anders – wenn ich was anpacke, mag ich die Dinge gut und richtig machen und Erfolg haben. Dafür ist halt leider Gottes erst einmal die Arbeit notwendig.

Da hast du einiges auf der Platte. Wieviele Wochenstunden bringst du denn so zusammen?

Also… ich arbeite schon mal nicht, während ich schlafe…(lacht) Und wenn ich es mal zum Sport schaffe. Aber sonst dreht sich fast alles um die Arbeit. Wenn ich abends dasitze, schaue ich nicht fern, sondern mache Recherchen oder mir Gedanken über den anstehenden Tag oder erstelle Präsentationen und Flyer. Mir fällt das aber oft gar nicht auf und es macht mir Spaß. Ich empfinde das nicht als belastend.

Du lässt dich also nicht aufhalten. Was sind deine Pläne für die Zukunft?

Auf jeden Fall wollen wir weiter stetig wachsen, vielleicht noch ein bißchen schneller. Wir wollen deutschlandweit ein Händlernetzwerk aufbauen. Wir haben ein tolles Produkt, das auch noch gut aussieht, deshalb wollen wir das Ganze vorantreiben. Ein weiterer Verkäufer wäre gut. Aber der kostet und die Erfolge kommen eben sukzessive, da muss man sich gut überlegen, wann man investiert. Und je mehr Geräte man auf dem Markt hat, desto dringender brauchen wir dann einen zweiten und dritten Techniker und so weiter. Denn das Serviceniveau muss gleich hoch bleiben. Das Timing der Entscheidungen muss also stimmen.

„Eine Vision von mir ist es, in jeder großen Stadt einen Verkäufer und Techniker zu haben.“

Dieser Beitrag entstand in Kooperation mit dem KUS in Pfaffenhofen.