Unsere Gründer #3: Kreatives mit „Mit Hand und Herz gemacht“

Lisa Schwarzmüller
Portrait von Lisa Schwarzmüller, Dezember 17, 2019

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Carolin Wessollek ist ein echtes Powerhouse – das muss sie auch sein. Vor einigen Jahren gründete sie Hopfenseil und machte aus ihrer Liebe zu Hunden ein Business, parallel arbeitet als Social-Media-Managerin. Seit diesem Jahr organisiert sie „Mit Herz und Hand gemacht“, ein Netzwerk für Kreative im Landkreis Pfaffenhofen, die lokal ihre handgefertigten Produkte vertreiben wollen. Ach ja, und einen ganz normalen Job bei BMW hat sie auch noch. Wo manch einer mit nur einer Aufgabe schon ins Stolpern geraten würde, jongliert Caro gekonnt mit Selbstständigkeit und Bürojob und beschenkt nebenher auch noch jeden, dem sie begegnet mit einem 100.000-Watt-Lächeln. Wie sie das alles unter einen Hut bringt und warum sie immer wieder nach neuen Abenteuern sucht, hat sie uns im Interview verraten.

Hallertau.de: Hallo Caro! „Mit Herz und Hand gemacht“ – erzähl mal, was dahinter steckt.

Carolin Wessollek: Mit „Hand und Herz gemacht“ ist ein Netzwerk für alle, die im kleinen Stil Produkte von Hand fertigen. Man kann sich untereinander vernetzen und Erfahrungen austauscht. Außerdem kann man sich für mögliche Kunden sichtbar machen und damit seine Leidenschaft und sein Herzensprojekt präsentieren. Wir haben eine Homepage und versuchen verschiedene Aktionen zu realisieren, wie den Stand auf dem Pfaffenhofener Christkindlmarkt. Außerdem haben wir einen gemeinsamen Gutschein, die gute Fee, die man bei allen einlösen kann, die daran teilnehmen. Durch die Homepage, die Aktionen und den Gutschein können wir alle besser in Erscheinung treten.

Wie bist du auf die Idee gekommen? Warum muss man den Kreativen hier überhaupt zur Sichtbarkeit verhelfen?

Es gibt viele Leute, die nebenher etwas handwerklich herstellen, aber immer wieder an sich und dem Produkt zweifeln. Wenn sie aber davon erzählen, schwingt immer ein großes Stück Stolz mit. Die wollen sich das eigentlich trauen, auf den Markt zu gehen, wissen aber nicht so recht, wie es geht. „Mit Herz und Hand gemacht“ soll diese Hemmschwelle überwinden. Dabei geht es gar nicht mal so sehr um den finanziellen Aspekt – es sind die gemeinsame Anstrengung und die Begeisterung für ein Herzensprojekt, die uns verbinden und stärken. Und gerade in Zeiten von Amazon und Co. hat man als Einzelkämpfer kaum mehr die Möglichkeit, für sich selbst eine Plattform zu schaffen. Mittlerweile ist es fast unbezahlbar als Einzelperson im Netz gefunden zu werden.

Das Kreative ist ein mutiger Bereich, um ein Unternehmen zu gründen, oder? Man macht sich viel Arbeit, der finanzielle Output ist aber meist relativ klein.

Das stimmt absolut. Aber ich glaube, wenn man nicht nur den finanziellen Aspekt sieht, sondern auch den Stolz und das Glück, das man dabei empfindet, wenn man die Kreativität ausleben kann, dann ist der große Gewinn auch gar nicht so wichtig. Natürlich muss es sich am Ende immer die Waage halten. Aber aus einem kreativen Ding heraus zum Millionär zu werden, ist sowieso unwahrscheinlich. Trotzdem glaube ich, man braucht Leute, die den Mut haben, in diesem Bereich zu gründen und etwas Neues zu erschaffen.

„Möchte man unbedingt einen großen Konzern noch reicher und mächtiger machen? Oder gebe ich mein Geld gezielter aus und unterstütze lokale Gewerbe, die da viel Herzblut rein stecken und ein individuelles Produkt fertigen?“

Eigentlich bist du Recruiterin bei BMW, bist Social Media Managerin, betreibst dein eigenes Business „Hopfenseil“ und hast jetzt auch noch mit „Mit Herz und Hand gemacht“ gegründet – hat dein Tag mehr Stunden als der von anderen Menschen?

Nein, mein Tag hat auch nur 24 Stunden (lacht). Aber ich glaube, ich nutze meine Zeit sehr effizient und effektiv. Mein Job bei BMW ist super und macht wahnsinnig viel Spaß. Alles andere hat immer einen Berührungspunkt zu einer Sache, die mir besonders wichtig ist. Hopfenseil vereint meine Hundeliebe mit meiner Kreativität und fühlt sich für mich nicht wirklich nach Arbeit an. Außerdem mache ich Menschen gerne glücklich und helfe gerne dabei, ihre Stärken nutzen zu können, das kann ich bei „Mit Hand und Herz“ total ausleben. Mein Herz schlägt einfach für Projekte, in denen ich mich dann auch selbst weiterentwickeln kann. Im Idealfall helfe ich dann mir selbst und jemand anderem, an etwas zu wachsen.

Hast du manchmal Angst, dass deine Idee nicht funktionieren könnte?

Angst – finde ich schwierig. Kenne ich so auch nicht. Das würde voraussetzen, dass es irgendeine schlimme Konsequenz haben könnte, wenn es scheitert. Und nichts von dem, was ich als Projekt anfange, bedroht meine Existenz. Und ich habe einfach ständig Lust dazu, Neues auszuprobieren. Selbst wenn dann irgendwas mal nicht funktioniert, lernt man auch wieder etwas daraus. Natürlich kann man sagen, man wäre gescheitert. Aber das ist nicht meine Einstellung. Wenn bei mir etwas nicht so funktioniert wie gedacht, dann nehme ich das als Erfahrungswert mit und versuche es beim nächsten Mal besser zu machen.

Seit Anfang Dezember ist „Mit Herz und Hand gemacht“ mit einem Stand auf dem Christkindlmarkt in Pfaffenhofen vertreten. Wie war die Resonanz bisher?

Die Resonanz ist super, wenn man den Leuten das Konzept erklärt, sind alle begeistert und finden den regionalen Ansatz und die individuellen Produkte super. Alles, was auf dem Christkindlmarkt passiert, bestärkt mich auch sehr in der Mit-Hand-und-Herz-gemacht-Idee, weil ich glaube, dass die Leute das schätzen, wenn Sachen mit Herzblut gefertigt sind und aus der Gegend kommen.

Lass uns zum Schluss noch einen Blick in die Zukunft wagen: Wo soll es hingehen?

Das ist schwierig zu beantworten. Ich bin niemand, der einen Fünf-Jahres-Plan hat. Die Dinge passieren eh immer anders passieren als gedacht. Und wenn ich einen Plan habe, halte ich mich auch einfach oft nicht dran (lacht). Ganz grob kann man aber sagen, dass ich gerne Hopfenseil wachsen sehen würde, das ist ja mein Baby. Schön wäre, wenn Mit Herz und Hand gemacht im Landkreis Pfaffenhofen zum geflügelten Begriff wird, wenn man beispielsweise ein schönes Geschenk sucht oder wenn man regional etwas unterstützen will. Das große Ziel ist es, etwas zu schaffen, von dem alle Beteiligten profitieren. Natürlich ist da auch der Traum, dass wir einen gemeinsamen Laden eröffnen. Das schwebt mir eigentlich vor und wäre das nächste größere Ziel. Oder wir finden eine Lösung, die etwas anders aussieht, ich bin auf jeden Fall gespannt.

„Man muss ganz oft über seinen Schatten springen. Und je öfter man das macht, desto leichter wird das tatsächlich. Angst ist der falsche Partner für neues.“

„Wenn man es nicht einfach mal macht, weiß man nie, ob es am Ende doch eine tolle Sache war.“

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