Von den Kelten kann man lernen

Dr. Rupert Gebhardt entführt in die vielfältige Bilderwelt der Kelten. Es geht um das Wesentliche – davon könnte sich der moderne Mensch eine Scheibe abschneiden.

Lisa Schwarzmüller
Bericht von Lisa Schwarzmüller, Juli 12, 2018

Beim Betrachten der funkelnden Exponate in der aktuellen Sonderausstellung des Manchinger Kelten- und Römermuseums kann einen schon die Ehrfurcht packen. Vor Tausenden von Jahren prägten die Kelten und ihre Kultur unser Land. Ganze Länder, Reiche und Könige kamen und gingen, und trotzdem können wir heute Gegenstände in der Hand halten, die unsere Vorfahren vor all dieser Zeit geschaffen haben.

Eine Auswahl davon präsentiert die Archäologische Staatssammlung bis Ende Januar 2019 in ihrer Sonderausstellung „Die Bilderwelt der Kelten“, die bewusst ganz auf das Wesentliche reduziert wurde. „Mir war wichtig, dass man in dieser Ausstellung wieder sehen lernen kann und sich die Besucher in die Kunstwerke hineindenken“, erklärt Dr. Rupert Gebhardt, leitender Sammlungsdirektor der Archäologischen Staatssammlung München, der hinter dem Konzept steckt. Es geht um nicht weniger als Kunst – und um die Geschichtsschreibung, die die Kelten der Nachwelt hinterlassen haben. „Sie haben keine Schriften angefertigt, anhand derer wir ihr Leben nachvollziehen könnten. Alles, was wir haben, sind Gegenstände“, verdeutlicht Gebhardt bei einem Rundgang durch den stimmungsvollen Raum.

Kelten- und Römermuseum

Vor mehr als zwei Jahrtausenden war unsere Region eine der wichtigsten Zentren für Kelten und Römer in ganz Europa. Die Spuren unserer Vorfahren finden sich seither überall, wenn man genau hinschaut.

Seit 100 Jahren beschäftigen sich Archäologen mit den Fundstücken in und um Manching. Im Kelten- und Römermuseum präsentieren sie ihre Erkenntnisse zu spektakulären Funden wie einem der größten Goldschätze seiner Zeit und zwei einzigartige, beinahe komplett erhaltene, römische Militär-Schiffe

Die Kelten liebten es, ihre Deckel, Tassen und Schlüssel mit kunstvollen, teilweise rituellen Verzierungen zu schmücken. Was die Archäologen daraus lernen, kann auch uns eine Lehre sein. Mittelpunkt dieser Alltagskunst ist die Natur und all ihre Phänomene, und sie lehrt den Betrachter knapp 3000 Jahre später Demut. „Das Leben war damals auf das Wesentliche konzentriert. Vieles drehte sich um das persönliche Überleben. Die Menschen hatten noch eine andere Beziehung zu den Dingen, die sie im Alltag brauchten“, so Gebhardt weiter.

Kein Wunder, wenn man sich die Komplexität der Exponate vor Augen führt. Verzierungen waren nicht nur dafür gedacht, einen Gürtel oder Flaschenverschluss schöner zu machen. Neu zusammengesetzt, gedreht und gewendet erfüllten sie stets einen Zweck und veränderten das entstandene Abbild. Ganze Religionsprinzipien, Weltanschauungen und Riten verstecken sich so in einem kleinen Ding. Die Aufgabe des Archäologen ist es dann, diese kulturprägenden Strömungen zu entschlüsseln. „Das Tollste ist, dass ich diese Sachen in die Hände nehmen darf. Das ist schon ein besonderes Privileg“, erklärt Gebhardt abschließend auf die Frage hin, was ihm an seiner Arbeit die größte Freude bereitet.

Offene Führungen starten ab dem 23.09.2018. Auch Gruppenführungen sind nach schriftlicher Voranmeldung buchbar. Zusätzlich bietet das Museum Workshops mit Führungen für Kinder und Jugendliche an. Weitere Infos und Anmeldungen finden Sie auf der Homepage www.museum-manching.de.