Vorfreude auf die Pförringer Adventsbläser

Lisa Schwarzmüller
Allgemein von Lisa Schwarzmüller, Dezember 13, 2019

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Sie sind in der Hallertau eine weihnachtliche Institution, ein kurzer Moment der Besinnung, ein musikalisches Aufatmen zwischen Weihnachtswahnsinn und Festtags-Kommerz. Seit Jahren füllt sich die Wolnzacher Kirche bis auf den letzten Platz, wenn Dirigent Martin Ott und seine Pförringer Adventsbläser ihr alljährliches Konzert zum Besten geben. Das ist liebevoll arrangiert und mit viel Herzblut inszeniert. Ott, der sich hauptberuflich als Pilot verdingt, bringt die rund 30 festen Stammmusiker dabei in Takt und Melodie; die Stücke und ihre Umsetzung sind für eine Amateurgruppierung unerwartet und anspruchsvoll. Wir durften ihm im Vorfeld ein paar Fragen zu seinem Schaffen und seiner Motivation stellen und haben mit ihm über Weihnachten geplaudert.

Martin, was bedeutet Weihnachten für euch?

Weihnachten hat einen Stellenwert im Jahr, wo man sich durch die Adventszeit hindurch eigentlich mal auf das Rückgrat des Lebens besinnt, wie das tatsächlich ist, wenn ein Mensch wie Maria sich öffnet für einen göttlichen Gedanken und was daraus entstehen kann. Dieses „Ja, mir geschehe nach deinem Wort“ hat nachweislich diese Welt verbessert und es würde uns auch heutzutage gut stehen, sich dieser Qualifizierung unseres Lebens nicht zu verschließen. Außerdem ist es einfach schön und tut gut, wenn man daheim mit der Familie zusammen sitzt, sich in der vollen Kirche trifft und sich in die Musik verliert, die uns zu Weihnachten sehr emotional miteinander verbindet.

Der Erlös eures Konzerts geht immer an einen guten Zweck. Kannst du erklären, um was es da geht und was dich daran so berührt hat?

Das geht an den „Caritas Arbeitskreis für Russische Straßen- und Waisenkinder und sozial benachteiligte Bad Gögging e.V.“ – einer Organisation, die sich in St. Petersburg um sozial schwächer Gestellte, Obdachlose und in zunehmendem Maße allein erziehende Mütter kümmert, die nicht mehr wissen, wie sie den nächsten Tag gestalten sollen, weil ihnen das Nötigste zum Leben fehlt. Ich habe deren Elend direkt vor Ort erlebt und da muss man schon eine verdammt harte Schale haben, wenn man sich wegdreht und einfach geht. Dieser Eindruck bleibt an einem Kleben. Wir unterstützen diese Menschen deswegen schon seit 25 Jahren. Besonders beeindrucken mich dabei die Leute, die mit dem Geld, das wir persönlich übergeben, sorgfältig umgehen und gewissenhaft Hilfe leisten und einfach da sind, wenn es darum geht, einem Anderen zu helfen.

Auf welche musikalische Reise begibt man sich denn dieses Jahr bei den Konzerten der Pförringer Adventsbläser?

Wenn man an Blasorchester denkt, hat man ja oft Volksmusik im Kopf. Wir streben aber symphonische Blasmusik an und spannen einen Bogen von Barock über Spätromantik bis zur modernen Musik. In Wolnzach ist auch das Bläserquintett „Brass à Noble“ dabei, das ein beachtliches Repertoire in allen Musikgattungen auf hohem technischen Niveau beherrscht. Und ich meine, dass sich die beiden Ensembles und der Wolnzacher Kirchenmusiker Micha Haupt an der Orgel wunderbar ergänzen, begünstigt durch die Laurentius – Kirche in Wolnzach, die ja ein idealer Aufführungsort ist.

Auf was freut ihr euch denn am allermeisten?

Ich freue mich schon sehr auf das Konzert in Wolnzach. Allein die Art, wie das hier vorbereitet ist und wie die Zusammenarbeit mit Bürgermeister, Pfarrer und Menschen wie Michaela Eisenmann funktioniert ist optimal. Das ist einzigartig! Dazu kommt dieses wunderbare Sich-Fallen-Lassen in die Atmosphäre dieses Kirchenraums und seiner Resonanz. Das gibt einem dann das Gefühl, dass hier nicht etwas inszeniert wird, um Anderen, denen es – weit weg von unserem Wohlstand – materiell sehr schlecht geht, zu helfen. Es drängt sich auch der Gedanke auf, dass man sich zu Weihnachten über die Musik was zu sagen hat. Sich auf dem Beweggrund der Musik zu begegnen, kann auch helfen, die oft spürbare geistliche Not in unserer Gesellschaft zu lindern. Ich freu` mich auf alle, die am Abend des 29. Dezember diese Gedanken und ihre Zeit mit uns Musikanten teilen.

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