Was Deutsche in Amerika für den Fußball tun

Unser Redakteur Michael Urban machte in seinem Urlaub einen Abstecher ins Black Forest in Brooklyn, um ein Gefühl dafür zu bekommen, welche Opfer die Fans im Big Apple für das entscheidende Gruppenspiel Deutschland - Südkorea brachten, um am Mittwochmorgen live dabei sein zu können.

Reportage von Lisa Schwarzmüller, Juli 12, 2018
Aus! Das Spiel ist aus!

Deutschland ist raus. Mit 0:2. Gegen Südkorea im entscheidenden Gruppenspiel. Ob sich das für die vielen Fußballfans gelohnt hat, die gestern pünktlich zum Anpfiff den Arbeitsplatz verließen?

Nicht nur die Hallertauer waren ganz heiß darauf, die Mannschaft bei der Fußball-WM gewinnen zu sehen. Unser Redakteur Michael Urban meldete sich am 27.6. aus seinem Amerika-Urlaub in New York und hat auch dort Menschen mit ganz verschiedenen Hintergründen getroffen, die sich ihren Traum vom deutschen Fußballglück um 10 Uhr vormittags Ortszeit trotz beruflicher Verpflichtungen erfüllen wollten.

Ein Anwalt

Stefan ist Deutsch-Amerikaner. Für ihn ist vollkommen klar, wen er in Russland anfeuert. Die Homebase des Anwalts ist Brooklyn. Vor allem mit seinen Kollegen musste er sich absprechen, um den Anpfiff nicht zu verpassen. „Ich lüge nicht, ich will das Spiel wirklich sehen und werde danach aus dem Home Office arbeiten“, meinte er. Die hatten Verständnis für Stefans Begeisterung, und so durfte er Zeuge sein, wie Müller und Co. sich ihre historische WM-Schlappe einfingen. Das hat sich auf jeden Fall gelohnt.

Ein Fotograf

Dirk ist Berufsfotograf in einer der aufregendsten Städte der Welt. Von Brooklyn aus wollte er das Fußballmärchen von Kasan verfolgen, wenn die deutsche Mannschaft all ihre Hater Lüge straft und Südkorea mit einem Schützenfest aus dem Turnier katapultiert. Dafür hat er ein wichtiges Fotoshooting auf 14 Uhr verlegt, für die volle Dröhnung deutschen Fußballs. Bitte lächeln!

Ein Urlauber

Der Name Miguel hört sich vielleicht an, als stünde dort jemand in Mexiko-Grün oder Portugal-Rot. Tatsächlich schlägt Miguels Herz aber Schwarz-Rot-Gold. Für ein Jahr reist der junge Mann durch Amerika und Kanada. „Work and Holiday“ nennt sich dieses Konstrukt. So etwas erfordert viel Planung, vor allem, wenn die Deutsche Nationalmannschaft sprichwörtlich nach den Sternen greift. Seit einem halben Jahr hat Miguel das Spiel Südkorea-Deutschland dick in seinem Kalender markiert, damit nichts zwischen ihm und Jogis Jungs stehen kann – außer sieben Stunden Zeitverschiebung und einem ganzen Kontinent.