Welche Perspektiven hat die Landwirtschaft?

Das 10. Landwirtschaftsforum der Volksbank Raiffeisenbank Bayern Mitte widmete sich letzte Woche den Perspektiven der Landwirtschaft. Rund 300 Gäste folgten der Einladung in den Audi-Sportpark.

Bericht von Simone Huber, Januar 15, 2019
Quelle: Volksbank Raiffeisenbank / v.l. Richard Riedmaier, Franz Mirbeth, Helmut Kundinger, Wolfgang Gebhard, Robert Högl, Dietrich Holler, Thomas Lange, Andreas Streb mit Produktköniginnen aus der Region

Die erst jüngst mit der Hallertauer Volksbank fusionierte Volksbank Raiffeisenbank Bayern Mitte begrüßte zu ihrem Landwirtschaftsforum gut 300 Gäste. Vorstandschef Richard Riedmaier betonte: „Wir sind seit 135 Jahren ein starker Partner der Landwirtschaft – und wir wollen es bleiben.“  Verwurzelt im ländlichen Bereich, unterstützt die Genossenschaftsbank Kunden mit Zuschüssen zur Finanzierung von Maschinen und Anlagen im Bereich der modernen Agrartechnik. Es müssen nicht gleich Millionenprojekte sein – bereits bei kleinerem Investitionsvolumen sind Förderkredite möglich.

Vorsicht vor „Digital total“

„Nicht fremdbestimmen lassen“, plädierte Dietrich Holler, Berliner Agrarjournalist und Redner des Abends. Die Digitalisierung hat auch in der Landwirtschaft ihre Spuren hinterlassen. Die neue Technik biete große Möglichkeiten für die Landwirte, doch nicht für alle Probleme im Agrarsektor heißt die Lösung „Digitalisierung“. Gerade Großkonzerne machen sich die Daten zunutze, um ihren Kontrolleinfluss zu vergrößern. Achtsamkeit sei angesagt, um nicht zum „fremdbestimmten Rädchen im großen Getriebe“ zu werden.

Werden Sie nicht zum Sklaven der Digitalisierung!“

Dietrich Holler

Die Zukunft in der Landwirtschaft ist unsicher, deshalb sei ein hoher Beratungsbedarf angesagt. Zumal die Finanzierung in der EU mittelfristig unklar ist. Holler kritisierte zum einen, dass der Produktionsfortschritt gebremst werde. Zum anderen sei die Innovationsbereitschaft gesellschaftlich limitiert.

Als weiteres Problem nannte der Fachjournalist das „liebe Vieh“ und in Zusammenhang damit die Massentierhaltung. Als Landwirt ernähre man die breite Masse. Vollkommen neue Haltungssysteme sind daher angesagt. Berechtigt sei zudem die Wut der Bauern auf Aldi oder Lidl. Landwirte sollten sich nach Meinung des Experten nicht als Supermarkt-Zulieferer verstehen.

„Ein Landwirt ist kein Zulieferer wie in der Autoindustrie.“

Dietrich Holler

David gegen Goliath

Die Situation der Landwirte gleiche europaweit einem Kampf zwischen David und Goliath. Die Landwirtschaft, so Dietrich Holler, habe zu wenig Hoheit über eigene Themen. Zu scharf seien auch die Reglementierungen der EU, zu oft müssten die Landwirte immer noch als „Prellböcke“ vor allem in den Medien herhalten. Doch die frohe Botschaft lautet: Erstklassiger Nachwuchs ist zu erwarten. „Die heutigen Junglandwirte gehören zur bestausgebildeten Generation“, sagt Holler.

Begehrter Boden

Der kontinuierliche Rückgang landwirtschaftlicher Nutzfläche, verbunden mit der Tendenz zu immer größeren landwirtschaftlichen Betrieben, hat die Konkurrenz um den knappen Produktionsfaktor „Boden“ in Deutschland erhöht. Von 2000 bis 2013 sind die Kaufpreise landwirtschaftlicher Nutzflächen nach Angaben des Statis­tischen Bundesamtes um 80 Prozent gestiegen. Führt das zur Entstehung einer spekulativen Blase? Ein System, bei dem die Preisentwicklung der Nutzfläche in Ungleichgewicht zum erwirtschafteten Ertrag steht, also mehr für weniger gezahlt wird, ist – so war man sich auch im Publikum einig – irrational.