„Wenn ich das alles erzähle, sitzen wir morgen noch da!“

Seit einem halben Jahr schwingt Katharina Maier ihr Zepter als Hopfenkönigin über die Hallertau - erlebt hat sie dabei schon so einiges. Ein Interview über ihre Regentschaft und die Herausforderungen, vor denen sie als Pflanzerin steht.

Interview von Lisa Schwarzmüller, Februar 22, 2019
Zur Zeit sind Katharinas Hopfenfelder leer. Zeit für ein Interview und eine Halbzeitbilanz.

Strahlend bis über beide Ohren öffnet uns Katharina zum Interview die Tür und begrüßt uns freundlich, wenngleich heiser. Die Party in Eschelbach mit den Schäfflern vergangene Woche hat ihre Spuren bei der amtierenden Hopfenkönigin hinterlassen. Ihrer Begeisterung tut das aber keinen Abbruch, als sie mit ansteckender Euphorie von ihrem ersten Halbjahr als Produktkönigin erzählt. Auf hallertau.de zieht Katharina Bilanz. Wie war’s denn so bisher?

„Je mehr Menschen etwas über den Hopfen erfahren, umso besser.“

hallertau.de: Ein halbes Jahr Hopfenkönigin. Wie war’s?

Katharina Maier: Wenn ich das alles aufzähle, sitzen wir morgen noch da. (lacht) Das Highlight war auf alle Fälle die Wahl. Und was mir wohl auch im Kopf bleiben wird, war das Oktoberfest. Da bin ich zusammen mit der bayerischen Bierkönigin beim Trachten- und Schützenumzug durch ganz München gefahren. In Slowenien waren wir bei einem kleinen „nachgemachten“ Oktoberfest und haben andere Hopfenbauern und ihre Betriebe kennengelernt. Da hab ich einen tollen Eindruck bekommen, wie es woanders zugeht.

Du bist die erste Hopfenkönigin, die selbst ein „Profi“ ist und eine landwirtschaftliche Ausbildung hat. Hat das deine Aufgabe als Produktkönigin verändert? Wolltest du irgendwas bewegen?

Ja, auf alle Fälle! Als Hopfenbäuerin ist es mir wichtig, dass ich unsere Landwirtschaft gut vertrete. Je mehr Menschen etwas über den Hopfen erfahren, umso besser. Es ist wichtig für das Produkt und uns Pflanzer, dass der Hopfen einen gewissen Stellenwert hat und die Gesellschaft etwas Positives mit ihm verbindet.

Zurzeit haben die Bauern in der Gesellschaft einen schwierigen Stand. Was sind die großen Herausforderungen?

Für uns Hopfenpflanzer ist die größte Herausforderung die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln. In der Winter- bzw. Landwirtschaftsschule lernen wir, wie man Pflanzenschutz sinnvoll einsetzt – mit Wirkstoffwechseln, damit die Pflanze nicht resistent wird. Weil der Hopfen so eine kleine Kultur ist, interessieren sich Pflanzenschutzhersteller gar nicht so für Entwicklung und Zulassung in dem Bereich. Die große Herausforderung bleibt also, dass wir eine Bandbreite an Mitteln haben, damit wir einen Wirkstoffwechsel beitreiben können.

Hopfenkönigin: Botschafterin der Landwirte

Landwirtschaft ist nicht einfach, vor allem wenn man von der Gesellschaft oft kritisiert wird. Wie bekommst du das als Produktkönigin mit? Muss man sich da viel verteidigen?

Als Produktkönigin nicht, da hat man große Akzeptanz. Als Landwirtin schon. Ich habe den „Herschinger Grundkurs“ besucht, da ging es um Persönlichkeitsbildung, Agrarpolitik und die Vertretung der Landwirtschaft nach außen. Für das Endprojekt waren wir am Stachus in München und sollten die Menschen direkt in der Stadt über die Landwirtschaft aufklären. Da habe gemerkt, wie sehr der Bezug dazu fehlt. Auf dem Land ist das zum Glück noch anders – man kennt den Bauern, da ist es noch einfacher, sich in die Lage hinein zu versetzen.

Wäre das Stadtleben nichts für dich? So als Botschafterin der Bauern vielleicht?

Ich würde nur auf dem Land leben wollen. Für ein Jahr mal in der Stadt zu wohnen, wäre okay. Aber da könnte ich auch nicht meinen Traumberuf ausüben. Ich will draußen sein. Wenn ich im Hopfengarten bin und schaue während der Arbeit mal hinauf in die Sonne, da geht mir total das Herz auf. Ich bin mein eigener Chef und arbeite eng mit meiner Familie zusammen. Das würde ich nicht hergeben wollen.

Apropos zwischenmenschliche Beziehungen. Wie geht es dir denn mit den anderen Produktköniginnen? Du lernst bestimmt viele Leute kennen.

Mit die schönste Freundschaft habe ich mit der Vize-Hopfenkönigin Maria Kirzinger. Es ist toll, dass wir als Hopfenköniginnen nicht alleine sind. Wenn ich auf Veranstaltungen gehe und Maria ist dabei, dann ist es gleich viel schöner. Aber auch mit der Bierkönigin und der Milchkönigin war ich jetzt viel zusammen, die mag ich total gern.

Gibt es irgendetwas, worauf du dich in der zweiten Hälfte deiner Amtszeit freust?

Im April fliege ich zur Craft Brewers Conference nach Denver, das wird bestimmt aufregend.

Abschließende Frage: Hast du schon eine Ahnung, wie das Bewerberfeld für deine Nachfolge aussieht?

Ich hab gehört, dass sich bisher für die kommende Wahl zwei Kandidatinnen aufstellen lassen wollen. Aber es ist ja auch noch ordentlich Zeit bis dahin.

Das Interview wurde bezüglich Länge und Lesbarkeit redigiert.