Wolfgang Spies, der Hobby-Nikolaus

Wolfgang Spies hat ein ehrenwertes Hobby. Als Wolnzachs wunderbarer Weihnachtsmann hat er schon unzählige Kinderaugen zum Leuchten gebracht. Auch Erwachsene wurden von ihm schon gerügt. Aber immer mit einem Augenzwinkern.

Simone Huber
Portrait von Simone Huber, Dezember 6, 2019

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„Niggolo bum bum…“

Jedes Jahr am 6. Dezember wird es ernst. Dann schmeißt sich der ansonsten unauffällige und sympathische Wolfgang Spies in Umhang, Bart und Mitra und tadaaa… verwandelt sich binnen weniger Minuten in einen ehrfurchtsvollen Parade-Nikolaus.  Seine Montur besitzt er schon seit 40 Jahren. „Sie ist immer noch nicht aus dem Leim gegangen“.

Wenn man 40 Jahre als Heiliger Nikolaus Hausbesuche abstattet, erlebt man allerhand Kurioses. Bei Wolfgang Spies aus Wolnzach, von seinen Freunden auch Wulli genannt, stapeln sich zu Hause die Zettel mit Reimversen über Lob und Tadel der Kinder. Selbst Erwachsenen hat er schon die Leviten gelesen. „Früher habe ich auch für den Fußballverein und die Stammtischbrüder den Nikolaus gespielt und Gedichte verfasst. Beim Vorlesen aus meinem Büchlein muss ich manchmal direkt selber schmunzeln wenn es um die Schandtaten mancher Zeitgenossen geht“, erinnert sich Spies. „Einmal hab ich mir bei einem Vereinsmitglied einen Schiefer eingezogen als ich darüber berichtete, wie er nach einer durchzechten Nacht mit dem Auto betrunken in den Graben gefahren ist und kurzerhand dort übernachtet hat.“ Darüber regte sich der Gescholtene mächtig auf. Spies nimmt es mit Humor: „Als Nikolaus erfülle ich eben auch nur meine Pflicht“, lacht er.

Der Nikolaus gehört zur Kindheit einfach dazu

„Kinder sollen an den Nikolaus und das Christkind glauben dürfen“, findet Wolfgang Spies. Sie sind Teil der Kindheit. In unserer aufgeklärten Zeit wissen Kinder jedoch kaum mehr um die Bedeutung des Heiligen Nikolauses. Das merkt auch Wolfang Spies. „Es stimmt, dass viele Kinder heute nicht mehr so viel Respekt haben vor dem Nikolaus wie zu meiner Zeit.“ Trotzdem flößt die Figur Respekt ein. „In aller Regel werden die Kinder ganz andächtig, wenn ich ins Haus eintrete“, erzählt Wolfgang. Einen Krampus hat er nicht. Er möchte die Kinder nicht unnötig verschrecken. „Meine Engerl ham aufgsch´riebn was ihr das ganze Johr habts driem…“ heißt es im Eingangsvers des Nikolauses ehe dieser zuerst die schlechten, dann die guten Taten vorträgt.

Hat sich das „Berufsbild Nikolaus“  verändert?

„Furchteinflößender durfte der Nikolaus früher sein. Und er durfte auch mehr schimpfen oder dem Kind mal einen Klaps geben. Außerdem war es Tradition, dass der Nikolaus bei Ankunft mit seiner Kette gegen die Fenster gescheppert hat“, bestätigt Wolfgang Spies. Heute passiert das kaum mehr. Spies ist jedoch kein „Berufsnikolaus“. Er kommt auch Anfrage von Bekannten und früher auch Vereinen.

Wichtigste Eingeschaft als Nikolaus? „Abgebrüht muss man sein“, sagt Spies. Selbst als Heiliger sei man nicht vor Überraschungen gefeit. Einmal hat ein Junge freien Herzen heraus gesagt: „Papa, der Mann hat die gleichen Schuhe an wie der Wulli“. So etwas kommt vor. „Seither ziehe ich mir immer andere Schuhe an!“

„Ich bin gerne Nikolaus, weil ich jedes Mal schön finde, das Blitzen in den Augen der Kinder zu sehen, wenn ich vor ihnen stehe“.

Wolfgang Spies

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