Hallertau-Insider #6: 5 Fakten über Schrobenhausen

Wir setzen die Reise durch die Holledau fort. Der Hallertau.de-Stadtstreicher ist diesmal in Schrobenhausen gelandet und hat dort so einige Entdeckungen gemacht.

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Feature von Alfred Raths, September 13, 2019

Eine pittoreske Stadtmauer aus dem 15. Jahrhundert rahmt die mehr als 16.000 Einwohner zählende Stadt ein, die einst auch den „Münchner Malerfürsten“ Franz von Lenbach in seinen jungen Jahren beherbergte. Weithin bekannt aber ist die Stadt durch den Spargel geworden. Darüber hinaus findet sich dort auch so manche Überraschung.

Wusstet ihr, dass…

1 | AUCH STÖRCHE EHEKRACH HABEN KÖNNEN?

Bei Familie Adebar auf dem Schrobenhausener Rathausdach hängt manchmal nicht nur der Haussegen schief. Auch die Nester, die das Storchenmännchen in diesem Frühjahr immer wieder auf dem Dachfirst des derzeit leergeräumten Rathauses aufzubauen versuchte, waren baulich eher bedenklich. Der Grund für die dann aufkeimenden Eheprobleme lag in der Rathaussanierung. Das alteingesessene Storchenpaar wurde nämlich kurzerhand auf’s Nachbardach umgesiedelt. Leider war das Weibchen mit dem neuen Wohnsitz auf dem ehemaligen Gasthof Zur Post nicht einverstanden. Darum versuchte das Männchen, am angestammten Platz ein Nest für die gefiederte Familie einzurichten. Wie die Geschichte ausging? Besucht Schrobenhausen und seht selbst! Nur so viel sei verraten – es gab auch in diesem Jahr wieder Nachwuchs bei Familie Adebar!

2 | SICH IN DER LACHEN TRADITION UND MODERNE MUNTER MIT WASSER BESPRITZEN?

Wer einen beschaulichen Ort in Schrobenhausen sucht, um ein paar Minuten inne zu halten und sich auf einer Bank auszuruhen, der landet vielleicht im Duftgarten in der Lachen. Dies ist das älteste Viertel der Innenstadt. Dort stehen sich zwei ganz unterschiedliche Zeitgenossen gegenüber: Tradition und Moderne. Auf einem künstlerisch gestalteten Brunnen des Bildhauers Richard Gruber mit dem Motiv „Schusterbua trifft Händimadl“ vereinen sich im Duftgarten Gegenwart und Vergangenheit in Form zweier Bronzefiguren. Die kleine grüne Oase ist ein besonderer Anziehungs- und Ruhepunkt mit aromatisch duftenden Pflanzen.

3 | EIN EBENSO BRUTALES WIE BEKLEMMENDES VERBRECHEN DIE LEUTE NOCH HEUTE IN SEINEN BANN ZIEHT?

Sechs Tote, darunter ein Kind, wurden vor nahezu einem Jahrhundert in einer Einöde bei Schrobenhausen gefunden. Die schrecklichen Morde von Hinterkaifeck an einer Bauernfamilie sind bis heute ungeklärt. Die Tat zählt zu den mysteriösesten Mordfällen Deutschlands und ist noch heute ein Nervenkitzel für Touristen. Maria Weibl, Landkreisführerin in und um Schrobenhausen, kennt die Hintergründe des ungeklärten Mehrfachmordes aus dem Jahr 1922 und bietet für Unerschrockene regelmäßig nächtliche Laternen-Wanderungen zum Tatort des grausamen Verbrechens an. Nach einer kulinarischen Stärkung folgt der Fußmarsch bei Dunkelheit durchs Paartal. Über Felder, Wiesen und finstere Wälder geht es bis nach Hinterkaifeck. Auf der Krimi- und Dinner-Tour erfahren die Teilnehmer dann alles rund um die Mordnacht auf den 1. April des Jahres 1922.

4 | SCHROPBENHAUSENER SPARGEL NICHT NUR AUF DEM TELLER EINE GUTE FIGUR MACHT?

Von April bis Ende Juni dreht sich im Spargelland rund um Schrobenhausen, dem größten zusammenhängenden Anbaugebiet in Bayern, fast alles um das „königliche“ Gemüse. Im Jahr 1560 nur kulinarisch gewürdigt und als „liebliche Speis für Leckermäuler“ bezeichnet, wurde das weiße Stangerl im Laufe der Jahrhunderte auch zum beliebten Kunstobjekt. Im Europäischen Spargelmuseum in Schrobenhausen kann man zahlreiche Originalgemälde und Reproduktionen bekannter Spargelbilder bewundern. Im 17. Jahrhundert noch klassisch auf Leinwand abgebildet ließen sich die Künstler des 20. und 21. Jahrhunderts zu ernsten, abstrakten und auch humorvollen Darstellung anregen: Spargel zum Kreuz gebunden oder als männlicher Phallus, reizvoll als männlicher Bronzetorso von Nello Finotti und mittlerweile auch als Christbaumschmuck und Hundespielzeug. Bei einem Spaziergang durch Schrobenhausens Innenstadt kann man übrigens den größten und umstrittensten Spargel bewundern – eine marmorne Stele. Das 1,60m große Phallus-Symbol des Bildhauers Karl-Heinz Torge zeigt eine Spargelstange in deren Spitze Venusfigürchen eingearbeitet sind.

5 | EIN BEINAHE IN VERGESSENHEIT GERATENER KREUZWEG SEINE GANZ EIGENE GESCHICHTE HAT?

In der Mitte des 19. Jahrhunderts entstand die Idee, entlang des Högenauer Weges sozusagen aus dem Nichts einen Kreuzweg am Kalvarienberg zu schaffen. Gerade einmal 150 Jahre später war diese Idee fast schon wieder vergessen. Doch die Schrobenhausener Kolpingfamilie erinnerte sich daran und nahm sich des Kleinods an. In mehr als zehnjähriger Arbeit wurden ungeheurere Leistungen erbracht. Ein Bürgerprojekt entstand, bei dem ein Wert von weit über 100.000 Euro mit ehrenamtlichem Engagement erbracht wurde. Dazu kamen zahlreiche Materialspenden und personelle Unterstützung von unterschiedlichen Firmen. Obendrauf gab es einen Barmitteleinsatz von gerade einmal wenigen Tausend Euro. Damit wurde das Projekt erfolgreich umgesetzt und im Jahr 2013 eingeweiht.

Urheber- bzw. Quellenvermerke:
– Störche: Pixabay
– Brunnen Lachen: Fotoclub Schrobenhausen
– Hinterkaifeck: Stadt Schrobenhausen
– Spargelvarianten: Stadt Schrobenhausen
– Kalvarienberg: Stadt Schrobenhausen