Rauchst du noch oder dampfst du schon?

Wenn es um das Thema Rauchen geht, wird es schnell emotional. Jeder weiß, dass Tabakrauchen ungesund ist. Vermeintlich naht die Rettung. Sind E-Zigaretten so viel gesünder? Wir haben dem „VAPE-Shop“ vom Mainburgern Michael Wallner einen Besuch abgestattet - und nachgefragt.

Simone Huber
Feature von Simone Huber, Oktober 4, 2019

Seit Februar 2019 betreibt Michael Wallner seinen „VAPE-Shop“ in der Landshuterstraße. Er unterhält damit in der Hallertau einen der wenigen E-Zigarettenläden. Das Thema steht scharf in der Diskussion und hat seit der Todesfälle in Amerika weiter Aufsehen erregt. Was er davon hält? Wir haben nachgefragt.

Wieso ein Dampfershop in Mainburg?

Michael Wallner hat früher am Münchner Flughafen gearbeitet. Ein sicherer Arbeitsplatz. Wieso stellt er sich also dem Wagnis, einen E-Zigaretten-Laden zu eröffnen? „Ich wollte in erster Linie regional bleiben. Und zufällig wurde der Laden frei, dann war die Entscheidung relativ spontan“. Die Konkurrenz schläft nicht, beschweren kann er sich trotzdem nicht. „Bisher läuft es gut. Ich glaube schon, dass ich mich halten kann“. Auch bei der Namensfindung hat Michael Waller sich Gedanken gemacht. „Ich habe versucht, das Mainburger Kennzeichen „MAI“ einzubeziehen, das stiftet Identität“.

Im Laden steht eine große Sitzecke bereit. Wallner will seinen Kunden einen Ort zum verweilen anbieten, kaufen muss man in seinem Laden nicht zwingend etwas. Auch für ein Beratungsgespräch und zum Informationsaustausch ist der Chef immer offen, denn Michael Wallner lebt vor allem von der Mundpropaganda. Werbung für E-Zigaretten ist schließlich gesetzlich verboten. Trotzdem steigt die Zahl der „Dampfer“ in Mainburg laut Wallner zusehends. „Wenn einer zum Rauchen aufhört und es ihm besser geht, erzählt er es weiter und so erweitert sich mein Kundenkreis stetig.“ Trotzdem weiß er: „Reich werde ich mit dem Geschäft nicht.“

Die Vision von einem „rauchfreien“ Mainburg

E-Zigaretten sind umstritten. Dass auch sie mit großer Vorsicht zu genießen sind, beweisen aktuelle Fachstudien. Dampfen und Rauchen mögen in ihrem Grundkonzept ähnlich erscheinen, sind es aber nicht. Die E-Zigarette verbrennt keinen Tabak, sondern verdampft eine Flüssigkeit, die in den meisten Fällen Nikotin enthält. Das verwendete Nikotin ist, wie auch in Nikotinpflastern und -kaugummis. Beim Dampfen sollen sich im Gegensatz zum normalen Rauchen keine gefährlichen Partikel in der Lunge absetzen. Solche Details gibt Michael Wallner auch an seine Käufer weiter. Schließlich legt er viel Wert auf ausführliche und persönliche Beratung. Das ist die eigentliche Hauptarbeit – neben der Aufklärung.

Leider nehme der mediale Kontext oft negativen Einfluss auf den Kunden. Aufklärungsarbeit sei für Wallner daher das A und O. „Sobald wieder eine Schreckensmeldung die Runde macht, stehen bei mir im Laden die Leute und sind besorgt. Dann stehe ich erstmal Rede und Antwort, radiere Falschaussagen aus, indem ich mich dabei immer auf neueste wissenschaftliche Erkenntnisse stütze.“ Es herrsche noch viel Unsicherheit auf dem Gebiet. Trotzdem: Nicht wenige kommen auf Anordnung vom Arzt in seinen Laden, weil sie auf der Suche nach einer weniger risikoreichen Alternative zum klassischen Glimmstengel sind, oder sich gerade in der Entziehungsphase befinden. „Interessanterweise suchen viele einfach nach dem Beibehalten der Gewohnheit, da geht es gar nicht so sehr ums Nikotin an sich“, sagt Michael Wallner. Weil er wisse, wie viel besser man sich gesundheitlich fühlt, versuche er die Leute vom klassischen Rauchen wegzubringen. „Mir wäre ein rauchfreies Mainburg am liebsten“.

„Mir wäre ein rauchfreies Mainburg am liebsten.“

Michael Wallner

Himbeer oder doch lieber Donutgeschmack?

Ob Shots, Salze oder Shak´n´Vape – im VAPE-Shop hat man die Qual der Wahl. Und doch hat Michael Wallner nur ein Bruchteil der quietschbunten Flaschen im Regal, die es auf dem Markt gibt. Sei es Peanut Butter, Waldmeister, Donut oder Kaffee – nahezu keine Geschmacksrichtung bleibt unberührt. Besonders gefragt ist laut Waller die Sorte „Himbeer-Zitronen-Limonade“. Mango mögen die Leute auch sehr gern. Auch die Optik spielt eine große Rolle. Aber sind diese vielen künstlichen Aromastoffe in den Liquids nicht schädlich? „Es gibt keinen Hinweis darauf, dass sich harmlose Lebensmittelaromen in gefährliche Giftstoffe verwandeln, wenn sie inhaliert werden“, zitiert Wallner aus einer wissenschaftlichen Studie des renommierten Toxikologen Prof. Dr. Bernhard-Michael Mayer.

Wie schädlich ist der Konsum?

Michael Wallner ist überzeugt, dass die elektronischen Dampfgeräte weniger schädlich sind als die herkömmliche Zigarette. „Ich verkaufe E-Zigaretten, weil man bei einer Umstellung sofort eine Verbesserung des Gesundheitszustandes feststellt“. Kundenfeedback scheint dies zu bestätigen: „Manche schreiben mir wöchentlich eine Mail in der sie sich bedanken, dass es ihnen wesentlich besser geht als vorher“. So etwas freue Wallner natürlich besonders. Doch auch hier gilt: Weniger schädlich heißt nicht automatisch gesund. „Ich würde nie behaupten, Dampfen sei gesund. Sieht man sich die Studien an, stellt man aber fest, dass es viel weniger schädlich ist als Tabakrauchen“ so der Ladenbesitzer. Mit Vorsicht ist das Thema am Ende im wahrsten Sinne des Wortes wohl doch zu genießen.