Selbst schlagen – voll im Trend

Ökologisch korrektes Verhalten gewinnt in heutiger Zeit mehr und mehr an Bedeutung. Das gilt auch für die Anschaffung des Weihnachtsbaums. Der selbst geschlagene steht dabei besonders bei Familien immer höher im Kurs.

Avatar
Feature von Alfred Raths, Dezember 16, 2019

Teile diesen Artikel mit deinen Freunden!

Nordmanntanne ist Favorit

Zugegeben, der Trend nimmt erst Fahrt auf. Im vergangenen Jahr sind nur etwa fünf Prozent aller verkauften Weihnachtsbäume im Rahmen der Waldbewirtschaftung direkt aus dem Wald entnommen worden und zierten danach die christliche Festtage. Das mag vielleicht daran liegen, dass die herkömmlichen Fichten, Weißtannen und Kiefern nicht jedermanns Geschmack treffen. Obgleich die Unterschiede zur Nordmanntanne nicht allzugroß sind. Mit fast 80 Prozent Marktanteil war diese Baumart die von Kunden bei den Händlern bislang die gefragteste. Womöglich könnte es daran liegen, dass deren Nadeln kaum piksen und sie auch nicht so schnell abfallen, wie das etwa bei der Fichte der Fall ist.

Selber ran an den Baum

Das eigene Schlagen des Christbaums in heimischen Wäldern will also erstmal gut überlegt sein. Zu beachten ist dabei auch, dass man nicht einfach auf eigene Faust mit Axt oder Säge loslegen darf. Der Waldeigentümer ist in jedem Fall vorher zu fragen, ob er seine Erlaubnis dazu gibt. Ansonsten würde man sich wegen Diebstahls strafbar machen. An vielen Orten gibt es auch spezielle Weihnachtsbaum-Plantagen, die in der Saison ihre Pforten öffnen. Vor allem wegen des kurzen Transportweges weisen die regional geernteten Christbäume in ihrer Ökobilanz deutlich weniger CO2-Emissionen auf als etwa Dänemark-Importe.

Ungefähr zehn bis zwölf Jahre wachsen die Christbäume, bis sie etwa zwei Meter groß und damit „reif“ für’s Wohnzimmer sind. In der Hallertau sind die Möglichkeiten zum Selbstschlagen meist auf den Privatwaldbesitz beschränkt. Nur ab und an gibt es auch im Staatswald die Gelegenheit dazu. Einerseits fehle das notwendige Einweis-Personal, so Alfred Fuchs, Chef des Forstbetriebs Freising (dessen Gebietskulisse von den Isar-Auwäldern nahe München bis in den nördlichen Feilenforst reicht) andererseits handle es sich bei den von Interessenten gewünschten Exemplaren meist gleichzeitig  um jene, die forstwirtschaftlich eine große Zukunft vor sich hätten.

 

Biobäume bevorzugen

Am besten aus frisch dem Wald, dazu rät auch der Bund Naturschutz. „Das Optimale ist, bio-zertifiziert beziehungsweise giftfrei aus dem Wald und aus der Region“, so Waldreferent Ralf Straußberger. Am umweltschonendsten erzeugt seien heimische Nadelbäume aus den hiesigen Wäldern, die auch im Rahmen der Waldpflege anfallen oder auf Leitungstrassen wachsen. „Wir appellieren an Waldbesitzer und Förster, mehr Weihnachtsbäume aus ihren Wäldern anzubieten.“ Das Aussuchen und Fällen des eigenen Baumes werde so zum Erlebnis für die ganze Familie.

Auf gute Ausrüstung kommt es an

Wer nun mit entsprechender Erlaubnis selbst Hand anlegen will bei der Besorgung seines ganz speziellen Christbaums, sollte auf eine gute Ausrüstung achten. Dazu gehören festes Schuhwerk und strapazierfähige Kleidung, die auch mal nass werden darf. Dicke Handschuhe leisten ebenfalls wertvolle Dienste. Eine scharfe Säge erleichtert die schweißtreibende Ernte. Viele Anbieter haben geeignete Sägen vor Ort und stellen sie zur Verfügung. Zuhause angekommen sollte der Baum bis zum Fest an einer kühlen und windgeschützten Stelle in einen Eimer mit Wasser gestellt werden. Bevor er aufgestellt wird, kann die Schnittstelle erneuert werden, das verzögert das Austrocknen.

Ist die Weihnachtszeit vorbei, sammeln meist die Kommunen die Weihnachtsbäume ein oder sie müssen am örtlichen Wertstoffhof abgeliefert werden. Wer einen Garten sein Eigen nennt, hat‘s einfacher – der Weihnachtsbaum kann zu Brennholz verarbeitet werden oder kommt auf den Kompost. Eine Entsorgung im Wald ist übrigens nicht erlaubt.

Teile diesen Artikel mit deinen Freunden!