Sind Videospiele wirklich ein Problem?

Eine Woche begleitete Danny Kinkel Griffin die Redaktion der hallertau.de bei ihrer täglichen Arbeit. Dabei entstand ein kleines aber feines Gesellenstück über seine große Passion: das Gaming. Muss man Angst haben, wenn das Kind vor der Playstation sitzt? Danny räumt für uns ein paar Klischees aus dem Weg.

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Feature von hallertau.de, Februar 15, 2019

In den meisten Familien wird zwischen Eltern und Kindern ein ähnlicher Streit geführt: Sind Videospiele wirklich schädlich? Zuerst muss man sagen: zu viel von allem ist in den meisten Fällen  schädlich. Manche Spiele, besonders mobile Spiele wie Clash of Clans, Candy Crush usw. wurden von gezielt unter Einbeziehung eines gewissen Suchtfaktors programmiert. Sie werden genau an der Stelle, wo das Spiel am meisten Spaß macht, abgebrochen. Man kommt immer wieder an diesen Punkt zurück, um diesen Moment größter Aufregung erneut zu erleben. Man erlebt es nie zu Ende – dies aber wäre nötig, damit das Gehirn die Sucht erkennen und dagegen ankämpfen kann.

Aber Spiele wie Fortnite, Pubg, Minecraft, Rocket League und andere typische, beliebte Actionspiele sind alles andere als schädlich. Dieser Beitrag soll ein paar Argumente und die angeblichen negativen Folgen von Spielen beleuchten. Zunächst muss man sagen, dass Spielen nicht nur positive Effekte hat. Trotzdem gibt es sie – hier sind ein paar davon.

1. Spielen macht jung

In einem Experiment wurden Sechzigjährige für 10 Stunden mit Videospielen trainiert. Das Ergebnis war äußerst überraschend: Man fand heraus, dass sie bis zu sechseinhalb Jahre ihres mentalen Alterns dadurch verloren hatten. Mit Spielen trainiert man das Gehirn, besonders bei strategischen oder Gedächnisspielen.

2. Actionspiele verbessern die Aufmerksamkeit

Eine der größten Sorgen von Eltern ist es, dass statt auf die Lehrer zu hören die Kinder nur an Fortnite oder Pokémon denken. Am Ende kann eher das Gegenteil passieren – Spiele verbessern Aufmerksamkeit, Multitasking und die Fähigkeit, richtige Entscheidungen zu treffen. So Mark Griffiths, ein Psychologe und Professor, der sich auf Sucht spezialisiert hat.

3. Verbesserung der Sehfähigkeit

Hier geht es insbesondere um die Fähigkeit, Unterschiede zwischen verschiedenen Grautönen wahrzunehmen. Gamer können also besser graue Farben vor einem einfarbigen Hintergrund unterscheiden. Dies hilft, bei Nacht besser Auto fahren zu können. Videospiele könnte man also in Zukunft im Bereich der Korrektivlinsen oder Operationen ersetzen. Ganz harmlos ist es trotzdem nicht: Zu lang auf einen Bildschirm zu schauen ohne genug zu blinzeln kann zu Augenstress und zu Trockenheit in den Augen führen.

4. Videospiele verbessern soziale Kompetenz

Wenn Eltern an Videospiele denken, denken sie an einen unsozialen Kellerbewohner, der nur in der Dunkelheit alleine seine Zeit verschwendet. Die Wirklichkeit ist häufig das genaue Gegenteil. Es gibt Menschen, die nur alleine da sitzen. Aber die meisten Gamer sind ziemlich sozial. Sie sind sogar noch viel sozialer als andere Menschen, da sie sich über ihre gemeinsamen Interessen leichter anfreunden können. Wie zum Beispiel im Sommer 2016: Viele Pokémon Fans sind rausgegangen, um in der echten Welt Pokémon zu fangen. Dabei wurden viel mehr Freundschaften geschlossen als bei einem normalen Spaziergang, da sich wildfremde Menschen unterhalten konnten – zum Beispiel über Ihre Teamzugehörigkeit, Ihren neuesten Fang und vieles mehr.

5. Videospiele machen fit

Die größte Sorge vieler Eltern ist, dass ihr Kind zu viel Zeit im Sitzen verbringt, keinen Sport macht und nur an der Konsole oder am PC sitzt. Das kann vermieden werden, z.B. mit Virtual Reality, oder Spielen wie Beat Saber. Dabei geht es darum, Blöcke mit Lichtschwertern in einem bestimmten Rhythmus zu zerschneiden und währenddessen Objekten auszuweichen. Dabei kann man bis zu 8 Kalorien in der Minute verbrennen. Das ist pro Minute so viel wie der Kalorienverbrauch eines durchschnittlichen Tennisspiels!

6. Videospiele machen nicht süchtig!

Es sind nicht die Videospiele, die süchtig machen. Es liegt eher entweder an ineffektiven Zeitmanagementfähigkeiten oder dem Bedürfnis, sich vor seinen anderen Problemen zu verstecken. Das sind nicht inhärent süchtig machende Eigenschaften der Spiele, sondern eine solche Entwicklung zur Sucht liegt vielmehr an der Persönlichkeit des Spielenden.

 

Hier wird also deutlich, dass die Gründe, Videospiele zu fürchten, oft übertrieben sind, solange man das Kind es nicht übertreiben lässt.