So stellst du deinen eigenen DIY-Mundschutz her

Die Bundesärztekammer empfiehlt den Bürgern im Zuge der Corona-Krise das Tragen eines Mundschutzes. Menschen, die in Krankenhäusern und im öffentlichen Dienst arbeiten sind auf diesen Schutz angewiesen. Mundschutz zu klauen oder zu horten ist dabei nicht nur verantwortungslos, sondern auch unnötig. Man kann ihn nämlich ganz leicht selber machen, wie Näh-Fee Sandra Sengl uns zeigt.

Lisa Schwarzmüller
Feature von Lisa Schwarzmüller, März 27, 2020

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Um das gleich mal vorweg zu nehmen: Das Tragen eines Mundschutzes wird niemanden heilen und kann auch keine Garantie sein, nicht an Covid-19 zu erkranken. Darauf hat der Chef der Bundesärztekammer, Dr. Klaus Reinhardt, deutlich gegenüber der Stuttgarter Zeitung hingewiesen:„Mein Rat: Besorgen Sie sich einfache Schutzmasken oder basteln Sie sich selber welche und tragen Sie diese im öffentlichen Raum. Diese Masken garantieren keinen Schutz vor Ansteckung. Aber sie können ein wenig helfen, das Risiko zu verringern, andere anzustecken oder selbst angesteckt zu werden.“

Es geht um Chancen. Im Schnitt greift sich jeder Mensch knapp 300 Mal am Tag an Mund und Nase. Mit jeder Berührung steigt auch die Wahrscheinlichkeit, die Schleimhäute mit dem Virus in Kontakt zu bringen. Hört man auf die Empfehlung der Bundesärztekammer, sinkt auch die Chance, andere mit den eigenen „Tröpfchen“ anzustecken – wenigstens ein bisschen. Immerhin bleibt ein Teil davon nämlich im Stoff hängen.

Dass einige Hallertauer ordentlich Masken nähen können, haben sie schon unter Beweis gestellt. Die Feuerwehr Abensberg startete diese Woche die Aktion „Nähen für Einsatzkräfte“. Sie rief versierte Näher*innen dazu auf, für die Truppe Schutzmasken zu nähen. Das Material und die Anleitung dazu lieferten die Kameraden an die Helfer aus, Päckchen mit je zwölf fertigen Masken sammeltn sie dann wieder ein. Die Resonanz war überwältigend – nach nicht einmal 24 Stunden gab es für die neuen Nähkräfte bereits eine Warteliste. Auch für die Pfaffenhofener Ilmtalklinik wurde von Privatpersonen nach einem Social Media-Aufruf fleißig genäht. Dennoch sind weiterhin mehr Menschen auf den Mundschutz angewiesen. Taxifahrer*innen, Apothekenmitarbeiter*innen, Kasierer*innen – für sie alle ist es wichtig, dass wir uns gegenseitig beschützen, Masken tragen und so weiterhin Solidarität in diesen schwierigen Zeiten zu beweisen. Österreich fordert nun von seinen Bürgern das Tragen einer Schutzmaske in Supermärkten; in Deutschland wird darüber nachgedacht. Noch scheitert es aber an der Verfügbarkeit.

Damit ihr daheim nun auch fleißig basteln könnt, hat uns Näh-Fee Sandra Sengl vom „Atelier S“ mit einer DIY-Anleitung versorgt. Und auch wenn der Anlass kein schöner ist, wünschen wir euch trotzdem ein bisschen Freude beim Basteln.

Mundschutz-FAQ

Liebe Sandra, kann man den Mundschutz waschen? 

Ja, der Mundschutz ist waschbar. Ich habe die Stoffe vor der Verarbeitung gewaschen und sie in heißes Wasser gelegt um festzustellen, ob sie kochfest sind und evtl. auslaufen. Sie können also demnach bei hohen Temperaturen gewaschen werden.  Natürlich kann es sein, dass mit einer Vielzahl an Wäschen die Farbintensität nachlässt.

Welche Materialien verwendest du? 

Bisher nutze ich Baumwolle, möglichst dicht gewebt. Die Anzahl der Lagen hängt von der Stoffstärke ab – ich nehme immer zwei Lagen. Ggf. kann ein Teil von innen mit einer Vlieseinlage verstärkt werden. Ich habe gelesen, dass der Stoff auch vorab getestet werden soll, ob er eine gute Atmung ermöglicht. Die Durchlässigkeit für Atmung prüft man, in dem man das Tuch doppelt nimmt, es sich dicht um Nase und Mund schließt und ein- und ausatmet. Ist das Ein- und Ausatmen möglich, ist das Material als Mundschutz geeignet.

Was benötige ich an Utensilien, um eine Maske zu nähen?

Eine Nähmaschine, Stoffreste wie z.B. dichte Baumwolle, Gummikordel, Nadeln, Faden, Kanten-/Eckenformer (wenn vorhanden), Schere, Basteldraht und Handmaß.

So stellst du deine eigenen Masken her

1 | Zuschneiden und Nähen

Ein Stoffstück à 19 x 34 cm zuschneiden und dann einmal rechts auf rechts falten, sodass die Kanten bündig aufeinander liegen. Gummikordel jeweils 21 cm lang abschneiden (2mal), eine Nahtzugabe von 0,7 cm ist bereits enthalten. Nun geht es an die Nähmaschine. Die Gummikordeln zwischen die beiden Stofflagen legen und jeweils an der Ober-und Unterkante ein kleines Stück (ca. 0,5 – 1 cm) frei lassen. Näht ruhig an der Stelle, wo die Gummikordel liegt, doppelt, damit es auch gut hält.

2 | Ecken zuschneiden und wenden 

Die Ecken könnt ihr nun – wenn vorhanden – mit einem Kanten-und Eckenformer ausformen. Anschließend das Ganze bügeln. Nun kommt der Basteldraht, der am Ende den Stoff an der Nase stabilisiert, zum Einsatz. Diesen schneidet ihr ca. 15 cm lang und knickt beide Enden um, damit der Draht sich nicht durch den Stoff stechen kann. Anschließend den Draht durch die Wendeöffnung bis zur Seite mit der Bruchkante schieben und dort mit Stecknadeln fixieren, damit er nicht verrutschen kann. Anschließend knappkantig abnähen, sodass der Draht fixiert ist.

Nun könnt ihr die Wendeöffnung unten schließen und ebenfalls knappkantig absteppen. Damit es optisch schöner aussieht, könnt ihr mit der Naht ein klein wenig Abstand von den Kanten lassen.

3| Falten legen

Nun legen wir die drei Falten. Klappt dazu das Teil einmal in der Mitte zusammen und bügelt das Ganze. Hier wird eure erste Falte entstehen. Legt nun das Teil wieder geöffnet vor euch und greift dort, wo ihr euren Bruch gebügelt habt, eine 1 cm tiefe Falte und legt diese nach oben. Fixiert sie mit Stecknadeln an beiden Seiten und bügelt auch hier nochmals über die Falte.

Im nächsten Schritt legen wir die 2. Falte. Hierzu messen wir von der Unterkante (nicht dort, wo sich der Draht befindet!) 5 cm nach oben und markieren den Punkt mit einer Nadel. Hier nehmen wir wieder eine 1 cm tiefe Falte und legen sie nach oben. Wir legen hier wie in den Schritten zuvor die Falte mit einer Tiefe von 1 cm nach oben.

4| Falten nähen und fixieren

Nun geht es noch einmal an die Nähmaschine. Wir fixieren die Falten und nähen wieder knappkantig an den beiden Seiten über die Falten. Wenn ihr ein Handmaß habt, nehmt dies gern zur Hilfe. Es sorgt dafür, dass sich die Falten nicht ungewollt in andere Richtungen legen und ihr näht einfacher, weil das Nähfüßchen schöner gleitet. Am Ende nochmal alles schön bügeln und die Fäden sauber abschneiden. Macht auch zwischendurch einen Test, ob die Gummibänder gut befestigt sind.

 

Solltet ihr genauere Hinweise und Bilder brauchen, hat euch Sandra die Anleitung nochmal als PDF-Datei zusammengeschrieben. Danke, Sandra, für deinen Einsatz!

Text, Copyright: Sandra Sengl, Atelier S

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